Dolomiten, 3 Zinnen, kleine Zinne "Perlen vor die Säue"

Ein lang gehegter Wunsch ging gestern in Erfüllung!

 

Steil und geil, so mag ich Klettereien. Dazu anhaltende Schwierigkeiten, Ausgesetztheit (leider ein notwendiges Übel, für meine Höhenangst nicht gerade förderlich:-), alpinhistorischer Kontext, Klettern am onsight-Limit, gewürzt mit landschaftlichem Hochgenuss: es muss eine Tour in den Zinnen her!

 

Die "Perlen vor die Säue" oder auch gelbe Mauer an der kleinen Zinne stellt für mich die Paradetour für alpines Sportklettern dar (ein Sportkletterklassiker von Stefan Glowacz und Kurt Albert 1996 erstbegangen). Am Einstieg legt man den Kopf in den Nacken und kein Ende der gelben Mauer in Sicht. Dazwischen zahllose Bohrhaken (echt super abgesichert!) und jede Menge gelber Zinnenfels, der hauptsächlich Ausdauer erfordert und viel Erfahrung im Lesen der Felsstrukturen. Doch die wichtigsten Griffe sind allesamt weiß gechalked, die Tour wird so häufig beklettert, dass die Griffabfolgen fast eindeutig erscheinen.

 

Aber das Beeindruckenste für mich waren die anhaltenden, homogenen Schwierigkeiten. Wir hatten verschiedene Topos zur Hand, jedes notierte eine andere Schwierigkeit, somit wussten wir beim Einstieg in jede Länge nicht, mit welchen Schwierigkeiten wir wirklich zu rechnen hatten. Letztendlich wars auch egal, weil wirklich jede Länge ungefähr gleich war. Und das saugte uns gehörig den Strom aus den Armen!

 

Wider Erwarten kletterten wir und kletterten wir, zogen den Rucksack nach, Seillänge um Seillänge, immer noch auf Team-onsight-Kurs. Verrückt, denn damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet. Doch es lief einfach...bis ich schließlich in der vorletzten Länge meine Arme fast nicht mehr heben konnte, zu ausgelaugt. Die Mikroleiste ging schlichtweg nicht mehr zum Blockieren, der 1. Hänger. Der krönende Abschluss der Tour bildet ein Monsterdach mit fetten Henkeln und das mit 300m Luft unter dem Hintern! Und da hats dann schließlich auch Harry rausgeschmissen und mich natürlich gleich ein 2. mal, denn Körperspannung war für mich zu diesem Zeitpunkt nur noch ein Fremdwort.

 

300m steile, konstante Kletterei, ich weiß nicht, was uns gestern geritten hat,

1. überhaupt einzusteigen

2. so weit ohne Hänger zu Klettern

3. was mache ich da bitte in dieser Tour?

 

Denn 2 Stunden nach uns, wohlgemerkt in die bereits sonnenbeschienene Wand, wir haben noch die ersten beiden Seillängen mit gefühllosen Fingern und Zehen geklettert, ist ein weiteres Paar eingestiegen. Nach der 5. Seillänge haben wir diese passieren lassen, sie schienen nicht unbedingt auf dem letzten Zahnfleisch daher gekrochen zu kommen wie wir, die Dame tänzelte federleicht die für uns als Schlüsselseillänge sich entpuppende Seillänge hinauf. Des Rätsels Lösung: Mayan Smith-Gobat. Und solche Personen stelle ich mir vor, die in solch gewaltige Touren einsteigen. Daher die sich mir ständig aufdrängende Frage: Was mache ich Genuss-Kletterer da bitte drin?

 

Ach ja, Klettern, Klettern und nochmals Klettern. Heute bin ich aufgewacht und konnte mich fast nicht mehr bewegen vor Muskelkater, wie nach dem Abenteuerlauf. Und Mayan kletterte die Tour als Pausenfüller für den Regenerationstag, wie relativ doch alles ist!

 

Fazit: Der Mega-Hammer. Einsteigen und nicht von den Schwierigkeiten abschrecken lassen. Es löst sich immer alles auf, einfach dran bleiben! Mit viel Motivation und etlichen Mehrseillängen in den Fingern und Beinen ist solch geniale Tour auch für einen Otto-Normal-Kletterer wie uns ein lohnendes Ziel. Viel Zeit mitbringen, den Rucksack gemütlich nachziehen und Träume werden zur Wirklichkeit.



Tip:

  • Die linkerhand benachbarte "Ötzi trifft Yeti" von Christoph Heinz und Kurt Astner schaut ebenso fantastisch aus! Nur etwas spärlicher abgesichert, dafür von den Schwierigkeiten ein wenig moderater. Einen guten Bericht dazu findet sich im Bergzeit Magazin. Der Bericht handelt nicht nur von der kleinen Zinne, sondern erzählt auch von zwei weiteren erlebnisreichen Klettertagen am Ciavazes und am Preußturm.
  • Rechterhand gibt es neuerdings eine weitere tolle Linie von Christoph Heinz: Prima Ballerina, noch einen Tick schwerer als die "gelbe Mauer", dafür mit mehr Ausstattung als Ötzi trifft Yeti! 


  

Infos:

  • Mautstraße zum Rif. Auronzo kostet 22€ (24h Ticket), pro Tag länger nochmals 5€
  • am Parkplatz kann unkompliziert genächtigt werden
  • an kühleren Tagen die Sonne abwarten, bis sie in der Wand ist (ca. 9:30-10:00Uhr), um den Kaltstart etwas angenehmer zu gestalten
  • 12 Express, Einfachseil + Tagline
  • Zum Abseilen besser 60m Seile verwenden (sonst endet ihr womöglich wie wir im Desaster. Beim Abziehen des Einfachseiles mit der dünnen 5mm Reepschnur ließ sich der Knoten mit Karabiner nicht über die Kante ziehen, was für Harry zum krönenden Abschluss mit einer Extra-Einlage Bauch- und Armmuskeltraining belohnt wurde: 55m hinaufprusiken) 

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Patricia Schanne, MSc

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