Arco, Mandrea "Moana mon Amour" und Colodri Ost "Via Giovanni Sergantini"

Eine 5-Sterne Tour haben wir erwartet, als wir in die "Moana mon Amour" im Sektor Mandrea eingestiegen sind. Die Sonne brennt erbarmungslos, auch wenn angeblich kühlere Temperaturen gemeldet waren, in Arco ist mal wieder nix davon zu merken. Zum Glück setzt ein Lüftl ein, je höher wir steigen. Der Einstieg beginnt gleich mit der "Nataraj", eine lange Seillänge, bevor die "Moana" nach rechts abzweigt.

 

Mit dem Gedanken ans Freiklettern schließen wir bald ab. Die A0-Stellen sind schlichtweg unlohnend zum Probieren. Flechtiger Fels, kein Grifferl weiß, hier versucht nie wer sein Glück. Dazwischen viel leichtere Kletterei, irgendwie unhomogen. Weiter oben wartet dann auch noch 1 Seillänge A0, eine aalglatte Platte. Im Zickzack überwindet die Tour diese Länge. Ich frage mich nur ständig, wenn schon A0, warum nicht gleich senkrecht hinauf im Direttissima-Style? So quäle ich mich von Haken zu Haken und mache noch nicht mal Meter. Sinnlos.

 

Oben wartet zur Versöhnung nochmals eine nette Länge, aber nichts Herausragendes. Sind wir zu verwöhnt von den ganzen Dolomitentouren? Oder einfach nur enttäuscht, weil wir eine 5-Sterne Tour erwartet hätten, die Route aber lediglich die Auszeichnung mittelmäßig tragen dürfte?

 

Wir sind jedenfalls froh, als wir oben aussteigen und das ganze Gemüse hinter uns lassen. Der Hals brennt vor Durst, Regenschauer sind im Anmarsch. Den Abstieg bewältigen wir mit einer Leichtigkeit, wartet doch das versöhnende Eis beim Tarifa auf uns: Dark Chocolate und Nutella-Eis. Hmmmm.

 

 

 

Am kommenden Tag wollen wir schon zeitig in die Colodri-Ostwand einsteigen. Die schweißtreibende Hitze austricksen. Doch am frühen Morgen, als der Wecker uns unsanft aus unseren Träumen erwachen lässt, ein Tröpfeln auf der Zeltplane. Mist. Das war nicht angekündigt. Also nochmals umdrehen, Planänderung.

 

Früstücken beim Conti, shoppen, so wie sichs für Arco gehört und nicht im Morgengrauen in eine der stadtnahen Wände einsteigen, wäre ja zu untypisch gewesen. Schließlich raffen wir uns zsammen und starten um 11Uhr zur grandiosen "Giovanni Sergantini", welche mit einem Fisch am Einstieg gekennzeichnet ist. Am Vortag hatten wir bereits 2 Italiener in der 1. Seillänge beobachtet, die nicht gerade das beste Kletterbild abgaben. Es sollte also recht knackig losgehen. Auch von einem Freund wissen wir, dass wir uns auf anhaltende trickreiche Kletterei einstellen dürfen.

 

Doch was uns niemand verraten hat, nicht die Kletterei ist DAS Problem, sondern die obligatorische Absicherung. Die Haken sind zwar nah, doch als Kletterer mit Normalgröße unmöglich zum Einhängen. Das heißt, jedesmal 1-2 Züge mehr und dann erst von einem schlechten Griff klippen. Toll. Sehr sinnvoll. Nicht falsch verstehen, obligatorische Kletterei ist super, doch es macht ein Unterschied, wo der Bohrhaken gesetzt wurde. Wenn du auf einem feinen Absatz stehst, wo du klippen könntest ohne Probleme, der Bohrhaken aber erst oberhalb zu erreichen ist, dann wird die Sache nicht nur ungut, sondern gefährlich, denn wer möchte schon einen Grounder in einer Sportklettertour machen? bzw. in den Stand stürzen???

 

Dazu dann noch die extrem hohe Luftfeuchtigkeit, später Sonne, gepaart mit der obligatorischen Absicherung und den anhaltenden Schwierigkeiten. Diese Tour verlangte alles von uns ab! Nach der 6. Seillänge dann der Entschluss, wir seilen ab, die engen Schuhe, die unbedingt nötig sind für die vielen winzigen Tritte, ließen die Füße dermaßen schmerzen, dass jedes Ansteigen zur Qual wurde. Das Chalk ging uns beiden vom vielen Nachchalken ebenfalls aus, die Haut hatte bereits Löcher.

 

Doch, wir kommen wieder! Bei kühlen Temperaturen, mit der Einstellung, dass es hart zu klettern wird und mit viel Chalk! Eine super geniale Tour über erstklassigen Colodri-Fels: steile Wandkletterei an Leisten, Tropflöchern, aber auch Rissen mit lässigen Kletterbewegungen.

 

Zu erwähnen sei auch noch: Die Bewertung ist maßlos untertrieben! Von 6er und 7er Seillängen keine Spur und die vermeintlichen 8- Stellen entpuppen sich als anhaltende 20m "Stellen" eher im oberen 8. Grad. Dazu die obligatorischen Klettermeter. An den Begehungsspuren sieht man deutlich, dass die Tour unterschätzt wird. Die ersten beiden Längen sind noch gut gechalked, danach wirds weniger, besonders nach der dritten, schwersten Länge, die zum Umlenker hin die Schlüsselstelle 3m über dem letzten Bohrhaken an Mikroleisten hat!

 

Vielleicht lags auch nur an der schlauchenden Hitze, doch dass wir beide uns so getäuscht hatten? Die Tour ist schlichtweg sackschwer und nicht zu unterschätzen, ich bleibe dabei. Aber eine Perle!

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Martin (Donnerstag, 05 November 2015 21:23)

    Servus, netter Bericht. Die Schlüssellänge geht im "Zickzack" damit man die Tour frei klettern kann ;) Wir fanden, dass die Route ihre 5 Sterne verdient hat.

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Patricia Schanne, MSc

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