Mönch über Nollen

Endlich, es ist Sommer, Hochtourenzeit! 

 

Das Nordwestbollwerk am Mönch ist bereits bei der Anfahrt nach Grindelwald deutlich zu sehen. Steil und abweisend präsentiert es sich aus der Ferne, eine Eisbarriere im oberen Drittel der Mönchnordseite. Seit geraumer Zeit schwirrt der Nollen in unseren Köpfen, allein schon des Namens wegen -Nollen- müssen wir das Teil in Angriff nehmen.

 

Bei strahlendem Sonnenschein geniessen wir (Lilian, Harry und ich) am Samstag Mittag den Aufstieg zur Guggihütte, Christoph wird erst am frühen Abend zu uns stossen. Wir haben Zeit, die 3 Stunden Zustieg können wir auf den ganzen Nachmittag verteilen. Oft bleiben wir stehen und staunen ob des überwältigenden Anblicks auf die Nordseiten von Mönch und Jungfrau. Riessige Eismassen, zerklüftet, steil und als Labyrinth angeordnet, schieben sich Richtung Tal. Rinnen, die sich verzweigen und in riessigen Flanken wieder enden, mächtige dunkle Felswände, die grosse Schatten auf die weissen Eisriessen werfen, es donnert und kracht ab und an, wenn wieder irgendwo ein Serac auseinanderbricht.

 

Je höher wir schreiten, desto kleiner werden die Zivilisationsobjekte auf den grünen Wiesen unterhalb der imposanten Fels- und Eisbastion. Wir lassen die Touristen an der grossen Scheidegg zurück und tauchen ein in eine karge Welt aus Grau und Weiss. Die Guggihütte bietet Unterkunft für 25 Personen, ein Hüttenwart ist nur an Wochenenden oben um die Bergsteiger beim Wasserschmelzen zu unterstützen, beim Tellerabwasch, etc. Gekocht werden muss selber, Getränke können gekauft werden. So heisst es heute für die 18 anwesenden Personen sich zu arrangieren, miteinander statt gegeneinander zu konkurrenzieren.

 

Doch so viel Andrang bei der Nollenroute heisst leider auch viel Eisschlag. Bereits beim Firnfeld unter dem Nollen trifft mich ein riessiger Brocken am linken Schienbein. Der Schock ist zunächst gross, dann folgen die Schmerzen und schliesslich folgt Taubheit. Ich möchte die Wunde erst gar nicht sehen, packe mein Rucksack und speede raus aus der Eisschlagfalllinie. Vor dem steilen 70Grad Aufschwung staut es sich. Wie Perlen aufgefädelt stehen wir in einer Reihe unter dem Nollen, suchen Schutz vor dem Eisschlag der voraussteigenden Seilschaften. Und wieder trift es jemanden, diesmal Lilian an der rechten Schulter.

 

Bei 2 Verletzten und einem weniger Eis-geübten Seilschaftsmitglied müssen wir eine neue Taktik kreieren. Harry steigt alsdann mit beiden Seilen als dritte Seilschaft in den Nollen hinein. Das spröde Eis bricht unter jedem Pickelschlag, kleine Schollen sprengt es heraus, bei 3 Vorsteigern im Nollen eine wahre Eisschlacht,...doch die drei schaffen es sich so zu arrangieren, dass sie weder sich noch uns wartenden Nachsteiger gefährden.

 

Christoph kämpft sich tapfer den steilen Wulst hinauf (seine erste Eiskletterei!) und verschwindet mit einem Mordstempo aus unserem Blickfeld. Wir 2 lädierten Mädels mit einer Weiche hinterher. Das Eis legt sich zurück, wir trennen uns und bilden die 2 ursprünglichen Seilschaften um gleichzeitig am Seil Meter zu machen. So langsam spüren wir die Höhe, die Anstrengung, die Wadln vom ewigen Stehen im Eis...

 

Dann zeigt sich uns die Gipfelflanke, ein mächtiges ebenmässiges Teil. In perfektem Trittfirn lässt sich diese Flanke wunderbar bewältigen. Pickel und Eisen ziehen kräftig bei jedem Schritt hinein und vermitteln so ein Gefühl von Sicherheit. Schätzungsweise 50Grad mit Stellen bis 55° weist diese auf und verlangt absolute Konzentration. Unsere Bewegungen werden immer langsamer, immer träger, es pocht das Blut im Herzen. Unakklimatisiert spüren wir nicht nur die Höhe, auch das schwere Gepäck und die erste Bergtour dieser Art für dieses Jahr. 20 Schritte, dann wieder einen Tritt schlagen zum Rasten. Durchatmen, bis der Puls sich beruhigt hat. Die Flanke zieht sich ungemein, wir haben diese völlig unterschätzt! Aber auch allen anderen ergeht es nicht besser, die Anstrengung ist an ihren Gesichtern abzulesen.

 

Dann endlich, der Gipfelgrat und das erste Sonnenlicht des Tages. Freudenausrufe und ein Grinsen über beide Ohren. Wir verlassen die schattige Nordseite und wandern gemächlich mit letzter Kraft den überwächteten Grat hinauf bis zum höchsten Punkt des Mönchs. Wahnsinn, was hat uns der Anstieg körperlich so gefordert! Technisch nicht wirklich schwierig, aber kräftezehrend! Die 1300 Höhenmeter sind fast durchwegs im Eis oder Firn zurückzulegen, nur der erste Anstieg auf das Mönchsplateau kann über Schuttbänder zurückgelegt werden.

 

Die Aussicht, was soll ich sagen, traumhaft! Vom Scheidegg Wetterhorn über Schreckhorn und Lauteraarhorn hinüber zur Finsteraarhornkette, den Fiescherhörnern, Trugberg vor uns, dann weiter rechts der Konkrdiaplatz und das Aletschhorn, Jungfrau, in der Ferne erblicken wir die 4000er der Walliser Alpen,...einfach überwältigend und daher die Mühen 100-prozentig Wert.

 

Wenn du mich nun nach meinem Fazit frägst:

Bergsteigen ist hart, härter als alles andere, härter als ein Ultratrail. Doch die Erlebnisse sind dafür umso tiefgründiger, langlebiger und reicher, dass man es immer wieder machen muss. Freue mich schon auf die nächste gemeinsame Tour liebe Lilian, lieber Christoph, lieber Harry!

 

 

 

 

und noch 4 Bilder von Christoph aus der Route:

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Patricia Schanne, MSc

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