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Cheselenfluh, Männer aus dem Memmental und Trockener Regen

Männer aus dem Memmental und Mission Seilrettung

 

Endlich hält der goldene Herbst, die schönste Zeit für unser "Hausgklettergebiet" die Cheselenfluh, Einzug. Bis spät am Nachmittag scheint die Sonne auf die ganz rechten Touren im Sektor Chaltbach, wo ein abgebrütes Gemüt für die exponierte Abseilerei keine schlechte Option ist. Mir steht die Angst jedenfalls jedesmal ins Gesicht geschrieben, Karabiner werden 10fach kontrolliert, auf den Seilverlauf peinlichst genau geschaut, um ja keinen Hänger zu provozieren.

 

Am Samstag herrschte fast hochsommerliches Klettergartenfeeling. Sicherlich drei Seilschaften in "dr blaue Käfer" unterwegs, zwei weitere warten geduldig am Einstieg und Sonnen sich, eine Dreierseilschaft vor uns baumelnd am 1. Stand der "Männer aus dem Memmental". Oben ohne, ein dünnes Leiberl am Gurt, es drückt den Schweiss aus sämtlichen Poren, kein Lüftchen weht. Es wird geplaudert und gescherzt, ausgelassene Stimmung.

 

Doch wie sich das Blatt schlagartig ändern kann, mussten wir beim vorletzten Abseiler erfahren. Der mächtigste aller Fixseilabseiler in der Cheselen: 50m freihängend und mindestens 10m von der Wand entfernt, dazu noch weitere 50m Luft unter den Sohlen. Aus der Vogelperspektive wirkt das Ganze nochmals höher und angsteinflössender, ein Kolosseum aus gebändertem Kalk, in dessen Mitte der Chaltbach zu Boden staubt. Das Seil liess sich nicht abziehen! Bei einem überhängenden Abseiler? Eigentlich unmöglich, zumal der Knoten bereits bei uns angekommen war, zum Glück.

 

Eine nette Seilschaft bot uns an, mit ihnen vom etwas unterhalb und seitlich versetzten Stand weiter hinunter zu seilen. Auch von dieser Seite war das Abziehen unseres Stricks erfolglos. Freibaumelnd über fast 60m mussten wir unsere Tagline zurücklassen, denn nochmals die 2 Seillängen inklusive Schlüsselseillänge zu wiederholen, um an den Abseilstand zu gelangen, war aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit und der Müdigkeit der Glieder nicht mehr in Erwägung zu ziehen. Wir müssten also am nächsten Tag wieder den Weg hierher antreten.

 

Aufgrund der regnerischen Wetterprognose für Sonntag offenbarte sich uns ein ganz anderes Bild der Cheselenfluh. Mutterseelenallein, wie fein! Schnell erreichten wir den Stand über den blauen Käfer, an dem sich blauer Käfer und Memmental verzweigen. Da wir die vier Seillängen zu Zweien zusammenhängten, erreichte ich mit dicken Ärmeln nach ca. 110 Klettermetern den geräumigen Stand, was eine Seillänge, genial! Die Seilrettungsaktion hatte auch was Positives: Da wir gestern die exponierte Schlüsselseillänge nicht ohne Hänger durchsteigen konnten, erbot sich uns heute eine neue Möglichkeit zum ehrlichen Durchstieg.

 

Durchatmen, Arme ausschütteln, den Klett der Kletterwaffe an den Füssen festgezurrt. Und los gehts für Harry, zunächst an fetten Henkeln traversierend, dann immer ansteigend und überhängender mit abnehmender Griffgrösse. Das Einhängen der Schlingen und des Seils kostet Kraft, Harry ist am Prusten. Noch ein weiter Blocker und dann käme der Ausstiegshenkel und Ausstiegsmantler, wieder daneben, dafür ein gewagter Flug ins Leere. Dann bin ich an der Reihe. Im Nachstieg fühlt sich die Seillänge gleich anders an. Gestern mit zittrigen Knien Griffe ertastet, geflucht, dass alles weiss ist, nur nicht die richtigen Griff, heute wohlwissend um die richtige Griffkombination gehts wesentlich leichter von der Hand. Auch die saugende Tiefe kann ich diesmal kontrollieren, mit klammen Fingern erreiche ich tatsächlich den Adlerhorst, es regnet.

 

Mission heute gleich doppelt erfüllt: Seil gerettet und zumindest im Nachstieg hat einer die Schlüssellänge punkten können.

 

Trockener Regen


Gleich nebenan wartet eine weitere steile Mehrseillänge, die ihren Namen nicht von ungefähr her trägt. Die ausladenden Dächer schützen die Route vor Regen, es darf also im Trockenen geklettert werden. Eine tolle Option für den heutigen, bereits fortgeschrittenen und unbeständigen Tag.

 

Der Fels ist teilweise etwas brüchig, doch die gute Absicherung lässt darüber hinwegsehen. Bis zum dritten Stand kann jederzeit bis zum Boden abgeseilt werden, ein weiterer Pluspunkt bei unseren doch schon stark ermüdeten Armen. Wahnsinn, wie auch bei dieser Tour die Luft unter den Sohlen das Klettern beeinflusst. Zwar scheiss ich mir nicht mehr in die Hosen wie gestern, aber eine enorme Portion Respekt schwingt auch beim Schluss der dritten Seillänge mit, als ich zu einem verzweifelten Deadpointer in ein Loch ansetze. Mit einem kurzen Schrei halte ich besagten Griff, 2m unter dem Stand, die Seillänge gebe ich nicht mehr her.

 

Als Harry mich erreicht wissen wir eines: wir seilen ab! Die konstant überhängende und ausgesetzte Kletterei fordert ihren Tribut. Wir kommen wieder und vollenden die Tour, aber dann mit Kamera und Haulbag, weils so fein zum Üben in der Route ist.

 

 

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Patricia Schanne, MSc

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