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Rothorn und Gastlosen

Auf zu neuen Ufern am Pfingstwochenende

Rothorn

Meistens kommt es anders als man denkt...Dieses Sprichwort schlug besonders hart am vergangenen Wochenende zu. Mit grossen Ambitionen und noch grösseren Rucksäcken fuhren wir ins Färmeltal um am Rothorn zwei der Kletterklassiker (Marque Jaune und Bon Baisier de siberie) anzugehen. Von netten Biwakplätzen auf Höhe der Alp Bluttlig war die Rede, von einem langen, wendenstockähnlichem Zustieg und bestem, steilen Fels. 

 

Das ruhige, abgeschiedene Tal mit seinen blühenden Wiesen entschädigte allemal für den schweisstreibenden Zustieg mit unseren Monsterrucksäcken. Was man nicht alles einpackt für eine lauschige Zeltnacht...Vom Parkplatz aus sah der Zustieg nicht sonderlich weit aus, was sich auch bestätigte. Wozu dann eigentlich die fette Sau am Rücken?!?! Entgegen unseren Erwartungen an schöne Biwakplätze konnten wir keinen einzigen ausfindig machen, kein Wasser und auch keine ebene Fläche. Also das Material erstmal hingeschmissen, Klettergurt angelegt, aufgeracked und Seile umgebunden und den ab der Alp Bluttlig weglosen Schrofenzustieg angegangen. Der Plan war nach der Kletterei zu entscheiden, wir wir weiterverfahren werden.

 

Kleine Steinmänner und Steigspuren wiesen den Weg zum Einstieg der Marque Jaune. Bereits die erste plattige Seillänge dämpfte unsere Kletterfreude, die Bewertung sehr hart, die Absicherung vorm Stand grenzwertig. Aber die zweite Bruchseillänge raubte mir fast die Nerven. Eigenartiger Fels. Am liebsten hätte ich bereits hier schon wieder abgeseilt, doch die nächste Seillänge schaute vielversprechender aus. Und tatsächlich, eine grenzgeniale Verschneidung, die viel Gleichgewichtsgefühl und Technik verlangte. Auch die vierte Länge überzeugte mit Rothorn typischem wasserzerfessenem Kalk. Doch dann, wieder ein Dämpfer. Die Schlüsselseillänge, ein Quergang. Für uns unkletterbar, weder im Vor- noch im Nachstieg. Eine A0-Orgie folgt. Danach windet sich die Route durch die Dächerlandschaft, irgendwie uninteressant, wir entscheiden hier nun endgültig abzuseilen. Da waren unsere Erwartungen an die Route wohl doch grösser...schade.

 

Die Wand der "Bon baisier de siberie" sah von weitem zwar vielversprechender aus, doch die Lust diese am nächsten Tag in Angriff zu nehmen war uns vergangen. Rückzug und Planänderung.

 

 

Trailrun Hundsrügg 

 

Ich erinnerte mich an die Gastlosen, wo ich vor vielen Jahren mal im Chalet du Soldat gearbeitet hatte, ein wunderbares Kletterparadies, schön schattig, toller Fels, liebliches Ambiente. Also auf dem Camping am Jaunpass noch spät abends eingecheckt, der bereits recht gut belegt war. Mit Kuhglockengebimmel in den Schlaf gewogen werden, wie fein, der Groll war schnell verflogen.

 

Ausschlafen, genüsslich in der Sonne frühstücken, noch auf einen Kaffee gehen, Urlaubsstimmung kommt auf. Wir packen unsere Traillaufrucksäcke, schnüren die Schuhe und los gehts, direkt vom Camping, zur schönsten Trailrunde seit langem. Die Sonne trocknet die Kehlen zwar rasch aus, doch bei diesem Panoramalauf über den Hundsrügg zur Rellerlistation will die Landschaft auch mal im Sitzen genossen werden. So entstehen aus der 17km Strecke bis nach Schönried etliche Intervalle, speedige Abschnitte, schweisstreibende Anstiege kurzer Dauer, immer auf Genusstrails, schön schmal, aber gut ausgetreten und softig federnder Wiesenuntergrund.

 

Eigentlich viel zu schnell erreichen wir die Rellerlibergstation, Trubel Heiterkeit, künstlicher Spielplatz, die Eigenheiten der modernen Gesellschaft kommen hier oben gut zur Geltung. Die Fussmaroden braten in der Sonne, lassen sich animieren vom künstlichen Ambiente zu überteuerten Preisen. Ein Pfingstsonntag in der "Natur". Dabei wartet bereits wenige Meter unterhalb schon wieder die richtige Natur, prächtige Almwiesenhänge, alte schattenspendende Bäume laden zum Picknick ein. Wenn auch diese Kulturlandschaft nicht wirklich natürlich ist, so ist sie doch in unserem Naturempfinden als echt zu betrachten. Oder empfindet der "moderne" Mensch die Zirkusattraktion oben bei der Bergstation mittlerweile als "Natur"?!? Also nur eine Verschiebung des Empfindens?

 

 

 

Klettern Gastlosen Nord

Zur Komplettierung unseres recht fusslastigen verlängerten Wochenendes ging es am Montag dann noch in die Gastlosen zum Klettern. Bereits vom Parkplatz am Sattel sieht man die steilen Felsspitzen über den Wiesen thronen. Doch noch trennt uns mal wieder ein schweisstreibender Zustieg vom hochgelobten Gastlosenkalk. Wie schwierig das Auffinden des Weges ohne GPS und Karte werden kann, durften wir gleich zu Beginn mal wieder spüren. In den Gastlosen sind die Wege nicht unbedingt parademässig markiert, den Abzweiger zum Col Oberberg haben wir natürlich verpasst.

 

An der Waldeckspitze dann reges Treiben, munteres Geplauder in französischer Sprache, drei Seillschaften bereits in unserer 3-Seillängenroute "Andrey Daniel Gedenkroute". Und dann der nächste Dämpfer, ich sitze bereits im ersten Bohrhaken, Tür auf, plumps. Versuch Nummer zwei und drei beschert dasselbe Ergebnis! Ist wohl nicht mein Tag. Im Nachstieg dann entpuppt sich die Stelle als harmlos, den Griff einfach falsch belastet...Drei tolle Seillängen, wenn nur nicht so viel Andrang wäre. Schöne Tropflochkletterei und eine fulminante Schlusslänge, Hallenstyle, aber verdammt hart für 6b+!

 

Wir wechseln zum Oberbergpass, wo der Schatten noch etwas länger weilt. Einige Hardmover nutzen die Gunst der Stunde und werkeln an der Bitman, wir geniessen unterdessen die geniale Lochkletterei der Libérez M. Roquefort. Idyllisch ists hier am Oberbergpass, grosse Felsbrocken liegen in der Landschaft, doch ums Eck lauert bereits die Gewitterfront. Rückzug ist angesagt und bevor die ersten Tropfen fallen erreichen wir wohlbehalten und glücklich über die drei schönen Tage unser Auto für die Heimreise.

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Patricia Schanne, MSc

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