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Skitour Brunnistock und Uri Rotstock

Jedesmal, wenn ich die Axenstrasse am malerisch gelegenen Urnersee erreiche, erblicke ich auf der gegenüberliegenden Seeseite hoch droben Uri Rotstock und Brunnistock. Mächtig thront dieses Bergmassiv mit kleinen Gletschern und schroffen, grossen Felswänden über dem grün-blauen Urnersee. 


Doch das Gipfelglück muss man sich mit einem langen, schattigen Anstieg erst erkaufen. Die Hänge hinauf zur Gitschenhörelihütte sind steil und lawinös, die Verhältnisse müssen passen. Dafür erlebt man in dem beeindruckenden Kessel eine fabelhafte Kulisse aus kleinen Eisfällen und zerklüfteten Felswänden. Ich fühle mich klein und mickrig und irgendwie erleichtert, als ich das breite, sonnenerfüllte Gletscherplateau auf Höhe der Hütte erreiche. Der Blümlisalpfirn erstreckt sich zu meinen Füssen und geleitet in angenehmer Steilheit in Richtung Brunnistock, meinem ersten Ziel für den heutigen Tag.


In der Ferne erblicke ich 2 weitere Tourengeher, als wir uns beim letzten steilen, relativ heiklen Anstieg zum Gipfel begegnen, trauen wir unseren Augen nicht. "Den/die kenn ich doch, was macht der/die denn hier?" schiesst es uns gleichermassen durch den Kopf. Chris möchte ebenfalls noch auf den Uri Rotstock gehen. Sein Tourenpartner Bertran ist langsamer unterwegs und ich schliesse nach meiner Abfahrt vom Brunnistock zu ihm beim neuerlichen Anfellen unterhalb der Möräne auf. Wir wechseln ein paar Worte und jeder setzt seinen Aufstieg fort.


Die Sonne brutzelt fürchterlich in den steilen Möränenhang hinein, ich saftle aus, die Power sinkt auf ein Minimum. Was ich nicht ertrage ist Hitze! Ich ersehne das kühlende Lüftl oben am Kamm, doch noch gilt es einige Spitzkehren und eine kurze Skitragepassage zu meistern. Mittlerweile habe ich Bertran überholt und ich setze meinen Weg wieder alleine fort. Am Rotstocksattel wird erstmals der Blick nach Nordosten frei. Die steilen Hänge zum Gitschenen werden sichtbar und irgendwo da unten schlummert der Urnersee.


Mit Ski geht es bis zum höchsten Punkt, auch wenn schon an einigen Stellen Steine herausschauen. Schwer beeindruckt vom Tiefblick geniesse ich Riegel und Schoggi, wie ein Fjord erscheint mir in diesem Augenblick der Vierwaldstättersee. Im Tal beginnt der Frühling, hier oben auf knapp 3000m scheint noch tiefster Winter, vom Gipfelkreuz schaut nur die Querstrebe heraus, die fein als Bankerl in diesem Augenblick dient. 


Ich bin erschöpft und müde, die 2500Hm stecken in den Knochen, doch diese Momente von Freiheit, Stille und das Spüren seiner Selbst, die grossartige Natur bewundernd, das alles treibt mich immer wieder an, eine gewisse Tortur über mich ergehen zu lassen. Als ich nach ausgiebiger Rast mich zur Abfahrt bereit gemacht habe, erspähe ich Bertan. Natürlich ziehe ich die Ski nochmals ab und warte auf ihn am Gipfel. Erfreut über meine Anwesenheit geniessen wir zusammen das Panorama. Es werden ein paar Minuten mehr, doch die seien Bertan gegönnt. Nach all den Schweisstropfen muss einfach die Zeit zum Verweilen und Innehalten dasein.


Ein traumhafter Tourentag neigt sich mit der Abfahrt dem Ende zu. Dabei wusste ich in der Früh noch nichtmals, dass ich heute hier oben am Uri Rotstock stehen werden. Zwar hatte ich mir am Vorabend mehrere Ziele ausgecheckt, doch entschied ich mich erst spontan aus dem Bauch heraus am Kreisel in Flüelen ins Isenthal zu fahren und nicht ins Schächental oder gar bis ins Tessin weiterzugurken. Wie der Zufall so will, dass ich da oben in der Einsamkeit auf Chris und Bertran stosse...



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