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Clariden und Gross Schärhorn

Überwindung kostet es schon, wenn in der Finsterniss der Nacht der Wecker einen unsanft aus süssen Träumen weckt. Doch es zahlt sich fast immer aus aufzustehen. 


Um 5:30 erreichen wir die Klausenpasshöhe, reges Treiben am Parkplatz, die meisten Tourengeher befinden sich bereits im Anstieg zum Clariden. An einem Mittwoch? Die Schneedecke ist nicht durchgefroren, dicke Wolken hängen am Himmel. Da hätten wir uns doch nochmals im Bett umdrehen können und weiterschlafen! Ein starker Wind empfängt uns, je weiter wir steigen. Am Iswändli schliesslich die erste Tragepassage, noch immer hat der Schnee keine Kruste! Ziemlich suboptimal fürs Gross Schärhorn mit seiner grossen sonnenexponierten Flanke. Doch wir wollen zumindest einen Blick dorthin werfen und ziehen am Chammlijoch die Felle ab um ein gutes Stück über den Gletscher abzufahren.


Der Schnee wird in der Südostflanke unerwartet besser, viele Rutsche hat es bereits gegeben, die Situation scheint wieder safe zu sein. Vom Wind abgewandt brodeln wir im Flankenkessel, Mühsam, mühsam. Die letzten Meter zu Fuss gehen problemlos ohne Steigeisen, Und dann der Schärhorngipfel...yippieeh, nach so vielen Tagen des Bangens wegen meiner Sprunggelenksverletzung mit ungewissem Ausgang, nun endlich wieder ein schöner Moment in den geliebten Bergen.


Der Rückweg zum Chammlijoch zieht sich zwar etwas, dafür haben wir Rückenwind, der uns antreibt. Am Joch angekommen die alles entscheindende Frage: hängen wir den Clariden noch dran? Oberschenkel sagen nein, der Kopf sagt ja. Um 10 Uhr hat es am Skidepot noch immer mehrere Hände voll Gipfel- und Vorgipfelaspiranten. Die Verhältnisse könnten nicht besser sein, weicher Schnee, aber nicht rutschig nass, eine Autobahn wie im Hochsommer bei den Hochtouren schlängelt sich am Grat entlang. Die dicken Ketten weisen dazwischen in den Felsabschnitten den Weg. Eine halbe Stunde später klatschen wir zum zweiten Mal ab. Im Süden der übermächtige Tödi und davor die grosse Gletscherfläche. Wenn man den Kopf um 180Grad schwenkt taucht man in den Frühling ein. 


Mir war gar nicht bewusst, wie schön so späte Frühjahrsskitouren sein können. Der Kontrast von meterhohen Schneewänden an der Passtrasse und dann sonnengelbe Wiesen so weit das Auge reicht ein paar hundert Höhenmeter weiter unten. Eisige Hände am Morgen, bei der Rückkehr am Pass springe ich in kurze Hosen. Verrückt, aber irgendwie beeindruckend. Vielleicht haben wir doch noch nicht das Saisonende eingeläutet?

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