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Klettern am Hintisberg Sigrif und Sibiarde und Primavera

Es gibt Tage, da hat man Glück im Unglück. Dabei begann alles so friedlich...

Eine Nebelmeerstimmung wie aus dem Bilderbuch mit dem Dreigestirn im Hintergrund, perfekte Temperaturen, Windstille und Ruhe. Wir kommen kaum dem Objekt der Begierde näher, zu schön die Landschaft im Rücken, als wir endlich die Nebeldecke durchbrechen. Atemberaubend schön.

 

Wir hätten es auf die Route Todi abgesehen, doch das Rudel Kletterer vor uns steuert bereits auf den Einstieg zu. Ein kurzer Austausch, Sibiarde soll auch genial sein, also los. Der Hintisberg ist mir noch als Gebiet in Erinnerung, das eher hart bewertet wurde, teilweise schlecht zu lesen und mega athletisch mit kräftigen Dachzonen gespickt. 


Wir steigen über die erste Länge der Sigrif ein. Gleich am Start zeigt sich, welches Kaliber zu erwarten ist und ein erstes kleines Dachl als Vorgeschmack auf das, was kommen mag. Boulderlastige Stellen und herrliche Wandkletterei. Und natürlich das Megadach schlechthin, durchzogen von hellen Streifen ein optisches Highlight. Doch der Weg dorthin entpuppt sich bereits als knackige Kletterstelle und bringt eine gewisse Vorspannung in den Unterarmen mit sich, so dass ich bereits gepumpt unters Dach gelange. Einfach an die Dachkante hinausgreifen? Fehlanzeige.


Mit einem schwindligen Untergriff und voller Spannweite erreiche ich einen passablen Sloper, der muss schon herhalten, Griffgetaste ohne Sicht macht in dieser Steilheit die aufgeblähten Ärmchen nicht dünner. Irgendwie schaffe ich es mega überstreckt mich an der Kante entlang zu hangeln, werfe in meiner Verzweiflung einen wilden Hook auf fast Kopfhöhe hinauf und versuche schliesslich drüber zu manteln. Bis zu einem Punkt, an dem es zweimal fürchterlich laut kracht. Schock. Mir stockt der Atem. Zu, zieh ein. Mein Bein ist hin. Da hab ich mir einen tollen Moment ausgesucht das Knie zu schrotten, einfach ablassen funktioniert bei der Ausgesetztheit nämlich nicht. Also weiterklettern, es wird schon nicht gleich abfallen bis zum Stand...


Zum Glück schmerzt es nicht allzu wild und ich habe freie Beweglichkeit in alle Richtungen. Wir seilen trotzdem ab und pausieren erstmal am Wandfuss. Der Schubladentest verläuft negativ, durchschnaufen. Glück im Unglück.


Das MRI am nächsten Tag in der Notaufnahme zeigt eine laterale Kapselzerrung, sowie eine Zerrung des kleinen Muskels in der Kniekehle. Wieder durchatmen, Glück gehabt. Die Tourenskisaison ist gerettet und der nahende Kalymnosurlaub auch...

Nichtsdestotrotz ein herrliches Tagl an perfektem Fels in kaiserlicher Landschaft. Selbst ohne je eine Hand an den Felsen angelegt zu haben, hätte sich die weite Fahrt dorthin schon ausgezahlt. Denn nur dort oben unter dem Hintisberg zu sitzen, sich die Sonne auf den Detz scheinen zu lassen und hinüber zu starren auf die dunklen Wände von Eiger, Mönch und Jungfrau, nur dafür lohnt schon die lange Anreise!

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