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Sportklettern Kalymnos im Herbst 2015

 

Sportkletterdestination Nr. 1

 

Kalymnos - das Kletterparadies. Seit sicher 10 Jahren erscheint die kleine ägäische Insel ganz oben am Kletterfirmament, doch kann sie ihren Spitzenplatz in der Welt der Kletterdestinationen bei der Hülle und Fülle an heutigen Möglichkeiten halten?

 

Ja sie kann. Einstimmig. Als Kletterdestination mit Urlaubsflair. Der Inselstatus, das immense Routenspektrum, die familiäre Atmosphäre, Meer und Kletterei in Kombination, unerschöpflicher Fels von höchster Güte und Vielfalt. Nicht nur wir sind Wiederholungstäter, Jahr für Jahr. Und auch die Ladenbesitzer berichten, dass ihre Saison immer länger wird, da Kletterer auch in Randzeiten wie März und Anfang April sowie November und Anfang Dezember mittlerweile in genügender Anzahl ihren Kletterurlaub verbringen. Einige wenige Restaurants und Bars haben somit mittlerweile von März bis Dezember durchgehend täglich geöffnet.

 

Mit dem im September neu überarbeiteten Kletterführer ist das Routennetz wieder auf dem aktuellsten Stand. Doch was macht das Material, das von den Kletterern sowie der Meeresluft Tag für Tag beansprucht wird? Einiges wurde saniert, doch wir fanden durchaus einige angerostete Laschen und Dübel. Und mit dem gerade erschienenen Dokument der UIAA zum Thema Korrosion an Bohrhaken in Küstengebieten und deren Empfehlung zur Verwendung von Titanium und  high-end hochkorrossionsbeständigen Stählen in Meeresnähe, zeichnet sich schon jetzt eine Herausforderung für die Klettergemeinschaft ab, die sich natürlich nicht nur auf Kalymnos beschränken wird. Ein Umdenken im Klettervolk wird auch hier in der Sparte Eröffnen/Einrichten/Sanieren geschehen müssen (die Diskussion bleibt somit nach dem Sicherungsthema Tuber vs. Halbautomat am Leben;-). Wenn ein Sport zum Breitensport mutiert, ist zwangsläufig eine schärfere Gangart an den Tag zu legen.

 

Ich möchte keine Angst verbreiten, noch fühle ich mich "sicher" auf Kalymnos, redundante Umlenker (meist ohne zu fädeln = toll!), die kalymnostypischen Hakenabstände, ausgeputzter Fels,... doch die Zeitbombe tickt auch dort. Ideen und Lösungen, Tatkräftige, Sachkundige, Geldgeber, Akzeptanz, Offenheit, Verständnis, Aufklärung, alles Schlagworte in diesem Zusammenhang. Ich hoffe sehr, dass sich die Klettergemeinschaft frühzeitig dem Thema Absicherung annimmt und gemeinsam mit den Tourismusverantwortlichen Konzepte und Lösungen erarbeitet werden. Kalymnos lebt vom Klettertourismus.

 

 

Neue und alte Bekannte

 

Neue Bekanntschaft haben wir nicht nur mit uns bis dato unbekannten Klettersektoren gemacht, sondern auch liebe Menschen kennengelernt. So ist es mir eine Ehre meine zwei "Helden" vom topoguide Nicole und Volker endlich mal persönlich kennengelernt zu haben. Mit ihren 3 Bänden, welche man wohl als Standardwerk für Mehrseillängen (alpin und Sport) in den Alpen bezeichnen kann, haben sie uns nicht nur inspiriert, sondern bisher auch wunderbare Klettertage beschert. Wir haben Italiener aus dem Aostatal kennengelernt (die nächsten Eistage in Cogne sind gerettet;-)), haben uns mit den Amis über die Begrifflichkeiten "Trad" und "Alpinclimbing" unterhalten, viele neue Kletterziele von Nicole und Volker erhalten, haben mit Kosta vom Café Sofrano über die griechische Wirtschaft diskutiert. Und natürlich wie immer königlich bei unseren Lieblingsrestaurants gespeist und ihre Gastfreundschaft geschätzt. Hinzugekommen sind 2 Restaurants zu unseren Lieblingen: das Aegialis können wir Spaghetti-Liebhabern empfehlen (die einzigen, die Spaghetti al dente kochen!), ihre Pizza schmeckt ebenfalls super und das Restaurant nebenan , wo wir excellente Rindersteaks vom Grill, sowie frischen Snapper mit Kräuterkruste vom Grill verputzt haben. Beim Fatolitis trifft man sich wie eh und je nach dem Klettern, zum Apero oder nach dem Essen.

 

 

Für uns neue Klettersektoren:

 

Positiv überraschte uns das kleine und irgendwie unscheinbare Kastri im Kletterführer, nicht nur die 2 Musiknotenrouten sind toll zu klettern. Besonders erquickend habe ich die "Sidecut" in Erinnerung, aber auch nebenan die "Gotti" ist lässig und wartet mit tollen Moves. Ein Parabolspiegel oder Boiling Pot bei Sonne und warmen Temperaturen.

 

Eine weitere Neuentdeckung für uns stellt die Redwall in Palionisos dar. Wohl eines der wärmsten Gebiete, unbedingt nur bei kühlen Temperaturen und/oder Wolken aufsuchen. Maximal senkrechter, rötlicher Fels, teilweise sehr scharf, teilweise glatt, man findet Einschlüsse und Löcher, an manchen Stellen ist die Felsqualität unter Kalymnosdurchschnittsniveau, aber dort wo die Routen sind, passts.

 

Neu im Programm war für uns auch die Arginonta Skyline, wo wir im Sektor Little Verdon einen abwechslungsreichen Klettertag verbrachten. Links die Kingline und Musiknotentour in steilem roten Sinterfels. Gemütlicher Auftakt, dann etwas gepumpe und zum Abschluss ausgesetzter Boulder an 2 Blobs, geiles Teil. Im rechten Teil ist Plattengetänzel an kompaktem wasserzerfressenen Edelkalk angesagt. Nomen ist Omen und eine gute Fusstechnik und sackstarke Finger der Schlüssel zum Erfolg. Hab schon bei den 6a+- Aufwärmern geschwitzt;-), die Musiknoten 7a ist recht obligatorisch, aber wer den Trick raus hat...

 

Im Ziegengarten liegt der kleine Sektor Zeus. Eine farbenfrohe Wand, die leider von vielen Absätzen durchzogen ist. Die Absicherung trägt leider auch nicht gerade zur Sicherheit bei, aber trotzdem durchaus interessante Routen. Der Pipecleaner z.B., ein Meisterwerk mit technischem Anspruch nach oben hin.

 

In Telendos statteten wir dem Sektor Eros einen Besuch ab. Toller Sektor mit im rechten Teil langen gemässigten Routen , im linken Teil steilen Henkelschwingern. Die 6c Musiknote mit den zahlreichen Löchern ist der Hit. Aber auch die supersteile kurze Nymph macht Spass, solche Henkel gibts sonst in der Steilheit nur in der Halle. 

 

Ein altes Gebiet, aber zum ersten mal besucht, der Ivory Tower. Und da sticht sofort eine Linie ins Auge, die the Craig. Abwechslungsreiches Teil mit leider recht verbohrtem Start. Aber auch Sidewinder und die unscheinbare im hinteren Teil befindliche Perskindol sind zu empfehlen.

 

November vs Mai

 

2 Wochen Sonnenschein bei Temperaturen um die 20 Grad. Mit Daunenjacke am Morgen auch zum Frühstücken draussen mit Meerblick noch ideal, selbst Baden ist noch möglich, wenn kein starker Wind weht. Bei starkem Wind wirds zwar schnell ungemütlich, doch in windabgewandten Klettergebieten lässt es sich trotzdem famos klettern. Das tolle am Herbst, du hast keinen Stress wegen der Sonne, die bald erbärmlich den Fels zum Glühen bringt. Ob Sonnen- oder Schattengebiet, beides ist möglich. Wenngleich zu Mittag die pralle Sonne zu heiss zum Klettern am eigenen Leistungslimit ist.

 

Die Farben sind prächtiger, wärmer, die Schatten länger und die Dämmerung intensiver. Jeden Abend genossen wir den Sonnenuntergang, der immer ein klein wenig anders über die Bühne ging. Wenn man vom Col hinab nach Skalia fährt, eröffnet sich einem ein Weitblick auf Telendos und den kompletten Küstenabschnitt bei Massouri, der ganz besonders bei Wolkenstimmung und untergehender Sonne ein besonderes Erlebnis hervorbringt. Telendos in Flammen, nicht nur einmal beobachtet...

 

Die Insel wird im November nur noch vom bereits stark reduzierten Klettertourismus dominiert. Kein Anstellen an bekannten Routen, oftmals ist man ganz alleine in kleineren Gebieten. Man kommt leicht ins Gespräch, freut sich, auf andere Kletterer zu treffen. Man sieht sich am Abend in den nur noch wenigen geöffneten Restaurants oder am Nachmittag beim Café (Café Sofrano, eh kloar!). Besonders ab der 2. Novemberhälfte kehrt Ruhe ein, dies sollte man auch beachten, wenn man nach Telendos zum Klettern will. Am besten mit einigen Kletterern zusammenreden (mindestens 6!), sonst wird die Überfahrt teuer (30€/Fahrt).

 

Fast geschlossen hat Massouri dann ab Mitte Dezember. Die ersten Restaurants und Geschäfte öffnen wieder ab März. Pauschal gesagt: Wer also fern vom Trubel entspannt Klettern und den Spätsommer verlängern möchte, wählt vorzugsweise den November. Wer mehr Wert auf Baden und Relaxen am Strand legt, denn auf schwere Routen am Leistungslimit, fährt im Mai. Aber Aussnahmen bestätigen die Regel und so kann es durchaus sein, dass man am Morgen im Mai noch in der Daune stehend sichern muss oder im November einen Hitzeschlag in Arhi erleidet...

 

Anreise im November:

 

Wer im November nach Kalymnos reist, kann traumhafte Kletterbedingungen erwarten, doch dafür müssen erstmal Strapazen auf sich genommen werden. Die Anreise erfolgt nicht wie gewohnt mit Charter direkt nach Kos, sondern mühsam über Athen. Doch wer frühzeitig bucht und die Preis-Suchmaschinen rattern lässt, kann trotzdem preisgünstig reisen. 150€ für Hin- und Retour inkl. Gepäck pro Person, das kann sich sehen lassen. 

 

Allerdings wurde unser Rückflug von Kos nach Athen abgesagt und wir nicht informiert, bzw. erst 1h und 45min vor Abflug der Ersatzmaschine, was das Verpassen dieser zur Folge hatte und damit verbunden auch das Verpassen der Anschlussmaschine ab Athen nach Zürich zurück. Die Odyssee begann...Laut Fluggastrechten musste die Fluggesellschaft Aegean Airlines uns eine Alternative so schnell wie möglich organisieren. Schnell hiess in unserem Fall den ganzen Tag am ausgestorbenen Flughafen Kos herumsitzen und bangen, dass die letzte Machine um 20:40Uhr nach Athen uns noch mitnimmt, da diese eigentlich bereits ausgebucht sein sollte, ebenso der Anschlussflug am nächsten Morgen von Athen nach Zürich.

 

Gefühltes stundenlanges Warten in der Warteschleife der Hotline, Diskussionen mit dem Schalterpersonal der Airline, Warten und Bangen, Ungewissheit, Müdigkeit vom Nichtstun. Den Arbeitgeber informieren, dass das Ende des Urlaubes sich um einen Tag verzögert, Physiotherapietermin verschieben, irgendwie überholt die Hektik und Action des Alltages das ruhige und relaxte Urlaubsflair. Was ein jäher Abschluss...

 

Der Flughafen Athen

 

Die Schlafqualitäten am Flughafen Athen halten sich ausserhalb des benachbarten Sofitel Hotels (wer den Preis nicht scheut, sehr zu empfehlen!) in Grenzen. Ruhe kehrt zwischen 0 und 1 Uhr ein, aber mit immanentem Spotlight und Lautsprecherdurchsagen im 1/4-Stundentakt. Die Sitzmöglichkeiten sind mit Armlehnen versehen, die kein entspanntes Hinlegen zulassen. Bei diesen Voraussetzungen muss man seine Kreativität walten lassen. Im oberen Stock gibt es eine Kunstausstellung, wo es sich zwischen Gemälden ruhen lässt, manche Leute belagern die Sessel des Mc Cafe und lassen sich bei gefühlten -10Grad der Klimaanlage gefriergetrocknen. Wiederum andere schlängeln sich gekonnt um die Armlehnen der Sitzbänke, andere Fluggäste harren lediglich im Sitzen aus. So ein Flughafen bei Nacht ist schon mehr als speziell...Zum Glück hauchen gegen 4Uhr die ersten Neuankömmlinge dem Flughafen wieder Leben ein, mit etwas Trubel übersteht man die restliche Wartezeit doch wesentlich leichter.


Sonstige Info:


Wir haben diesmal in den Louistudios übernachtet. Recht luxuriös für Kalymnosverhältnisse, aber auch etwas teurer. Die grossen Appartments (Nr. 6, 5 und 0) kosten 50€/Nacht, die kleineren 30-35€. Die Lage ist einfach perfekt, unterhalb der Strasse und somit gleich am Meer, du öffnest am Morgen das Fenster und siehst blau (blauer Himmel und blaues Meer;-). Nebenan befindet sich das Cafe Sofrano von Kosta, der Rollerverleih Mike' Bike sowie die Gelateria (die allerdings schon geschlossen hatte). 200m weiter nach Norden kann man frisches Brot bei Fani kaufen. Viele Sektoren sind zu Fuss bequem erreichbar.

 

Weitere Blogartikel zu Kalymnos aus den letzten Jahren:

2014

2013

2012

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