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Klettern im Göscheneralptal am Gandschijen Südpfeiler

Alpinsaison eröffnet, wenn auch verdammt spät im Jahr! Die Südwand des Gandschijen hoch über dem Göschenertal eignet sich hervorragend, um relativ relaxed die ersten Seillängen im Granit zu spulen - dachten wir uns. Bei reichlicher Behakung und moderaten Schwierigkeiten des Südpfeilers, so wie das Topo uns suggerierte, blieb es allerdings nur teilweise. Knüppelharte, kräftige Boulderstellen und Plattengetänzel war gefragt, dazwischen ein gutmütiges Risssystem mit griffigen Schuppen, die ein entspanntes Höherkommen ermöglichten. 

 

Alles in allem stecken nach der Sanierung recht viele Bohrhaken, allerdings mal wieder teilweise recht unlogisch platziert. Die alten Schlaghaken wurden zum grössten Teil entfernt. Da stecken dann im verhältnismässig leichten Gelände mit Rissen, wo man auch gut selbst etwas legen könnte, alle 3m ein Bohrhaken. Dann wiederum ist die technisch anspruchsvolle Querung in der ersten Seillänge für den Nachsteiger obligatorisch zu klettern, mit Pendelgefahr! Oder die Seillänge unterhalb des markanten Daches: 3 Bohrhaken in nahen Abständen. Allerdings sind diese 5m so knüppelhart (ich hätte sie mindestens 6c eingestuft) und der 2.BH für Kleinere und normalgrosse Menschen nicht gefahrlos zu klippen (Grounder aufs Band). Uns war auch nicht so ersichtlich, wie zu klettern ist: links an der ultrafragilen, extrem dünnen, "expanding flake" oder doch eher rechts mit der seichten Verschneidung? Die Schuppe war jedenfalls mega scary, die Verschneidung für uns Beide nicht lösbar, so dass wir doch die Schuppe wählten und diese mit Samthandschuhen angriffen, was bei null vorhandenen Tritten ein physikalisches russisch Roulette bleibt.

 

Wir haben nicht abgeseilt, sondern sind bis zum Gipfel ausgestiegen, was einen tollen Blick auf den Salbit freigibt: Westgrat, Südgrat, und Co., was das Herz beim Anblick dieser Granitstrukturen gleich höher schlagen lässt. Der Abstieg ist dann noch recht steil, Steinmänner weisen den Weg, ebenso Trittspuren. Geht aber relativ rasch von statten und es erübrigt sich die Gefahr von blöden Seilverhängern beim Abseilen. Ein kleines Minischneefeld gab es noch im Abstieg, aber undramatisch.

 

Fazit und Info Gandschijen Südpfeiler:

  • Empfehlenswerte Route, die schon von weitem eine logische Linie bildet. Die Risse sind grasfrei, was an dieser Wand nicht selbstverständlich ist, die plattigen Stellen einigermassen flechtenfrei. Es erwartet dich abwechslungsreiche Kletterei, die grundsätzlich gut gesichert ist, oftmals können anstatt der Bohrhaken auch Camalots oder Keile zum Einsatz kommen. Eine komplett cleane Begehung wäre dann allerdings schon äusserst anspruchsvoll, über gewisse Bohrhaken haben wir uns doch sehr gefreut!
  • 12 Express, ein Satz Camalots und Klemmkeile (man kann auch den 3er und 4er gut unterbringen, wenn man dies möchte). Wer mehr Bohrhaken klinken möchte als selberlegen, für den reicht auch eine kleine Auswahl an Klemmgeräten.
  • Mein Bewertungsvorschlag im Teamonsightmodus: 1.SL 6b+, 2.SL 5b, 3.SL 5c, 4.SL 6a, 5.SL 6c, 7.SL (rechts) 6b+, 8.SL 5b, 9.SL 5b
  • Beim Wandfuss gibt es ein gewisses Chaos mit den Bohrhaken, da so viele Linien auf engstem Raum starten. Wer Platten mag, der wird eventuell auch Gefallen an dr Börtlergrind und Super Gwüest finden, für Liebhaber alpin logischer Linien dürfte noch die Gatsch von Interesse sein. Alles andere schaut dann doch schon sehr sehr sehr wenig begangen aus...

 

Nicht auslassen: die legendär grossen und köstlich gschmackigen Fruchtwähen, die es in der Bäckerei (in der Kurve) in Göschenen gibt. Am besten gleich am Morgen schon die gewünschte Menge reservieren und dann am Nachmittag/Abend abholen. Falls die Bäckerei schon geschlossen hat, darf man auch gerne klingeln;-)

 

 

 

 

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Patricia Schanne, MSc

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