Diethelm über Alp Obergross, Wändlispitz Abfahrt Gartenbeetli

Wie oft bin ich dort oben an der Scharte zwischen Diethelm und Thurner schon gestanden und habe zum einen auf diese im gleisenden Sonnenlicht  hell schillernden Südhänge oberhalb der Alp Obergross geschaut. Ideale Firnhänge. Zum anderen auf diese verwegene Schattenhänge, die in die Gross Sienen hineinmünden...

 

Träume sind schön und gut, doch manchmal ist es an der Zeit sie auch zu verwirklichen. Dieser Mittwoch war so ein Tag dafür, spontan und ohne grosse Erwartungen zog ich um 8:30Uhr beim Golfplatz los. Der Forstweghatscher zu Anfang zieht sich, immer wieder muss ich die Ski an- und abschnallen. Auch weiter oben, bereits auf dem Sommeranstiegsweg lässt sich erahnen, dass ich für die traumhaften Firnhänge schon zu spät im Jahr dran bin, viele Hänge sind bereits aper, dafür aber auch safe.

 

Ich halte mich lange an die mit hartem Lawinenschnee gefüllte Schlucht, was ein Vorankommen mit Ski ermöglicht, aber auch kräftezehrend wirkt. An geeigneter Stelle sehe ich die frischen Spuren meines Vorgängers aus der Schlucht in die steilen Hänge hinausqueren, Harscheisen müssen montiert werden, so glatt und steil sind die Seitenwangen der Schlucht. 

 

Bei der Alp Obergross komme ich endlich in die Sonne, die Harscheisen sind nicht mehr nötig, ich ziehe meine eigenen Spitzkehren hinauf im leicht angefirnten Schnee zum eingangs erwähnten Sattel, wo ich fast zeitgleich mit meinem Vorgänger ankomme. Wir tauschen uns etwas aus, geniessen die fabelhafte Aussicht. Markus ist ein Kenner der Gegend, aber das hätte ich auch erwartet, wenn er als Einzelgänger den steilen Südanstieg auf den Fluebrig angeht.

 

So weit so gut. Markus wirft die Idee ein, die klassische Nordostabfahrt Richtung Wägitalersee mit anschliessendem Wiederanstieg zur Fläschlipassi und Abfahrt in den Ochsenboden anzugehen, da zwar die oberen Firnhänge bis zur Alp Obergross locken, der Rest auf unserem Anstiegswege aber mehr als mühsam sein wird.

 

Doch als wir drei Spuren hinab in die Gross Sienen beim Gipfelanstieg entdecken, ist unsere Entscheidung gefallen. Wir werden dort ebenfalls hinunterfahren und noch auf den Wändlispitz gehen. Tolle Powderhänge führen in den Boden, wo eine frische Aufstiegsspur auf den Wändlispitz uns schnell an Höhe gewinnen lässt. Die letzten Meter stapfen wir zu Fuss zum Gipfelkreuz, von dem sich eine neue Perspektive auf den Diethelm auftut. Sogar 2 Abfahrtsspuren direkt vom Gipfelkreuz des Diethelm können wir verfolgen.

 

Nun stellt sich die Frage, wo abfahren. Markus erzählt, dass er vor sehr vielen Jahren einmal das Gartenbeetli im Anstieg im Sommer gemacht hat. Diese Variante sollte auch im Winter zur Skibefahrung machbar sein. Pickel und Steigeisen führen wir mit uns und für den Fall der Fälle, dass kein Durchkommen möglich wäre, müssen wir halt wieder aufsteigen.

 

Verspieltes Gelände mit pulvrigem Schnee versüsst uns den ersten Teil der Anfahrt über das Wändli, dann versperren einige dichtere Bäume die Sicht. Wir finden aber immer wieder einen guten Durchschlupf in offeneres Gelände, bevor es schliesslich nach Abbruch aussieht. Vorsichtig tasten wir uns weiter, die Karte lässt ein Durchkommen bis zum Chalchboden erahnen, wenn wir nur irgendwie in diesen Kessel da hinab kommen. Markus erinnert sich auch nicht mehr so recht, wo der Durchschlupf des Sommerweges ist. 

 

Mit etwas Glück und Intuition erspähe ich schliesslich einen dickeren Baum, um den eine morsche Schlinge mit Normalhaken baumelt. Müssen wir hier etwa abseilen?!? Nein, es schaut so aus, als ob wir den Durchschlupf gefunden hätten, ein ca. 10m langes, schneebedecktes, abschüssiges Band, welches in den Felskessel leitet. Markus legt noch die Eisen an, ich stapfe bereits mit den Skiern in den Händen, diese vor mir wie einen Anker in den Schnee pressend, Richtung Band. Und tatsächlich, kaum später befinden wir uns bereits in der Einkesselung, welche den Weg Richtung Tal freigibt.

 

Der Schnee ist nach wie vor schön pulvrig, doch leider fehlt die Unterlage. immer wieder kratzen wir über Steine, weiter vorne sehen wir bereits wieder das Gelände steiler abfallend. Hinzu kommt noch, dass ein Grossteil des Schnees bereits auf der glatten Grasunterlage abgeglitten ist. Um diesen Gefahrenbereich möglichst nicht zu passieren, halten wir uns im Abstiegssinne am linken Rand und können alsbald bei einer grünen Markierung am Baum nach links in ein weiteres Couloir ausweichen. Der Sommerweg führt nun immer links haltend, mit vielen Punkten markiert, durch dichteren, steilen Wald. Der Skibelag muss unzähligen Wurzeln und Steinen Stand halten, aber ausziehen lohnt auch nicht wirklich. 

 

Irgendwann wird es mir zu bunt, ich sattele die Ski auf die Schulter und renne abwärts. Erst im unteren flacheren Teil ist die Schneedecke wieder so kompakt, dass wir ein letztes Mal die Ski anschnallen und auf der weichen Schneeschicht in den Chalchboden gleiten, wo uns die Loipe zurück zum Auto bringt.

 

Beim Blick zurück müssen wir fast Lachen. Ein "wow" entschleicht unseren Mündern, das war mal verwegen, ein richtiges Abenteuer! Und so unverhofft! Aber manchmal müssen eben einige Faktoren zusammen kommen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein lässt sich nicht immer planen. Wir sind jedenfalls froh als wir heil in die Sonne treten, dass wir mächtig viel Zeit haben liegen lassen auf unserer Abenteuerroute stört uns kaum, die Termine für den Nachmittag müssen dann halt warten...Wir klatschen strahlend ab und stöckeln die letzten Meter zurück zum Wagen.

 

Ich nehme Markus noch die paar Meter bis Biberbrugg im Auto mit, hier trennen sich unsere Wege. Irgendwann werden wir uns sicherlich mal wieder in den Bergen begegnen, vielleicht auf einer weiteren Abenteuerroute?!?

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Patricia Schanne, MSc

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