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Spitzplanggenstock Meiental mit Steigeisentest Petzl Leopard

Im Meiental ist Ruhe eingekehrt, die Sustenpassstrasse gesperrt. Doch noch kann man das sonnig herbstliche Wetter dort geniessen, mit dem Auto kommt man immerhin, wie im Winter auch, bis Färnigen. Dunkel rote Erikamatten auf der Südseite, dunkel gelb und tief orangefarbene Lärchen im Talboden bilden einen fantastischen Kontrast zu den bereits das Winterkleid tragenden, stolzen Berggipfeln des Meientales. Ich mache mich mutterseelenallein auf von Gorezmettlen Richtung Seewenhütte durch den Färnigenwald. Auf Höhe der Almhütten Rieter könnt ich stundenlang verweilen. Die Sonne wärmt meine Haut angenehm auf, es ist windstill und lautlos. Genau diese Friedlichkeit und Stille habe ich heute gesucht - und gefunden. Meine Blicke scannen die gegenüberliegende Schattenseite, die steilen Hänge unterhalb des Stuckli- und Fleckistockes. Kaum zu glauben, dass man bei guten Bedingungen im Winterhalbjahr mit den Ski diese Seite des Meientales befahren kann. 

 

Doch neben Seele baumeln lassen und fotografieren, bin ich heute mit einem weiteren Auftrag angerückt. Die Petzl Leopard Steigeisen lagen bisher verwaist im Keller rum und ich weiss noch immer nicht, ob sie mit meinen Trailschuhen von Inov-8 kompatibel sind. Also Rucksack geschnappt und weiter gehts Richtung Schnee in der Seewenstöss. Diese ist mit vielen steilen Couloirs gespickt und erwartet mich zum Steigeisentest. Meine Augen bleiben einmal mehr am Hoch Seewen Südgrat hängen, der mit seinen vielen Türmen ein markantes Bild abgibt. Schöne Wände zur Linken am Seewenstock, die to-do-Liste für nächsten Sommer wächst in diesem Moment ungemein...

 

Wie im Frühjahr sind die Verhältnisse, pickelharter Trittschnee, perfekt für meinen Steigeisentest. Erstaunlich auch, wie lange es nur in Trailschuhen geht, der Grip der Roclite-Sohle auf Schnee ist besser als erwartet. Doch bei der ersten heikleren Querung schnüre ich alsbald die Steigeisen an die Füsse. Mit 2 verschiedenen Schnürungen startet der Vergleich, ein ungewohntes Gefühl mit diesen Dingern unter den Füssen. Die Schneeketten, die wir bisher bei unseren Skyruns benutzten, gehen sich einfach anders.

 

Ich nutze möglichst viele Rinnen, um sie in Falllinie hinauf zu gehen. Die Frontzacken sind leider nicht nutzbar, der Trailschuh sitzt weiter hinten bzw. biegt sich beim Auftreten so stark durch, dass die Frontzacken nutzlos bleiben. Dafür greift das nächste Zackenpaar, das direkt unterm Ballen sitzt gewaltig gut. Nur somit entfällt leider auch schon der Vorteil, den wir uns von den Steigeisen im Vergleich zu den Schneeketten erhofft hatten, nämlich, dass man Frontzacken einsetzen kann. Im kombinierten Gelände schliesslich spielt das Steigeisen dafür eine unerwartete Stärke aus, es hält verdammt gut auf Fels, auch wenn man nicht exakt wie mit einer richtigen Bergschuh/Steigeisen-Kombi steigen kann. Doch anscheinend frisst sich das Alu, welches schlecht für den Felsen bzgl. seiner Haltbarkeit geeignet ist, in Kombination mit dem weichen Schuh in jeden kleinsten Ritz...

 

Die längeren Zacken gegenüber den Schneeketten ermöglichen einen sichereren Halt im etwas weicheren Schnee, doch Vorsicht, wenn es dann anfängt durchzurutschen, dann so richtig. Darauf sollte man vorbereitet sein, auch Stollen sie mit jedem Schritt im durchnässten Schnee am Nachmittag an. Ein weiteres Thema ist das Stolpern, ich bin mehrere Male hängen geblieben und eingefädelt, vermutlich weil die Kombi weniger Gewicht hat und man weniger breitbeinig wie mit normalen Steigeisen/Bergschuhen geht bzw. auch flotter unterwegs ist. Hier ist also auch verstärkt Obacht gefragt, um nicht an einer kritischen Stelle unkontrolliert zu Stürzen durch das Stolpern und Einfädeln. An wenigen Stellen bin ich auf Eis gestossen, wie erwartet greifen die langen Zacken solide. Allerdings war das Eis nicht steil, interessant wird es werden, bis zu welcher Steilheit man sich im blanken Eis mit den Trailschuhen noch wohl  und sicher fühlt? 

 

Ab ca. 2500m ging die schöne Verfirnung in Bruch über, mühsam kämpfe ich mich an einer alten Spur entlang, um nicht bei jedem Schritt von Neuem einbrechen zu müssen. Je nach Exposition und Steilheit wechselt die Schneequalität ständig,  ich suche die besonnteren Hangpartien auf, die mir weiterhin ein kraftsparendes Höhersteigen im Firn ermöglichen. Viele blau-weisse Markierungen sind bereits eingeschneit, ich bahne mir grösstenteils meinen eigenen Weg auf dem Rücken entlang. Rötlicher Felsen mit herrlichen Musterungen begleitet meinen Aufstieg, der Lust zum Handanlegen macht. Am Spitzplanggenstock angekommen empfängt mich ein grosser Steinmann, der als Gipfelkreuz dient. Noch immer ist kein Lüftchen zu spüren und ich freue mich endlich eine grössere Rast einlegen zu können. Auf 2800m im November. Kurzärmelig. Wer hätte das gedacht?

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Patricia Schanne, MSc

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