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Klettern und Traillaufen auf Gran Canaria

 

Bereits 2007 Ende Februar haben wir, der für Winterflüchtlinge besonders im deutschsprachigem Raum bekannten Kanareninsel Gran Canaria, einen Besuch zum Wandern, Klettern und Baden abgestattet. 11 Jahre später flüchten wir zwar nicht vor dem Winter, doch nach so vielen Skitouren, wegen dem in dieser Saison früh begonnenen Winter, muss Abwechslung her, der Körper schreit nach Meer und Sonne, kurzer Hose und gechilltem Leben. So dann beginnen unsere Ferien auf La Palma, der Isla Bonita, zusammen mit Simon wollen wir auf den Spuren des legendären Transvulcania unsere Trailsaison eröffnen. 6 Tage räumen wir uns dafür ein, dieses Kleinod für Naturliebhaber trailrunnenderweise mit unserer, für das Winterhalbjahr entsprechend schlechten Laufform, zu erkunden. Doch dazu hier mehr.

 

Gran Canaria, eine Insel mit grossen Gegensätzen. So ähnlich wie Mallorca, auf der einen Seite Touristenhochburgen, auf der anderen Seite kaum zugängliche, einsame Buchten oder abgeschiedene Wanderwege. Sonnenhungrige, Ausdauerathleten, Kletterer, Wanderer, Kulturinteressierte. Sie alle werden fündig werden.

Wir beziehen unser Lager in Fataga im Süden der Insel, eine 20-minütige Fahrt von Maspalomas mit seiner einzigartigen Sanddünenlandschaft entfernt. Tassomio, ein stilvolles Deluxe-Bed&Breakfast, das erst letzten November von einem Deutschen und Schweizer im Herzen von Fataga eröffnet wurde, bietet uns für 5 Nächte eine angenehme Rückzugsstätte. Mario bereitet nicht nur jeden Morgen ein abwechslungsreiches Frühstück mit allerlei Köstlichkeiten für uns Gäste vor, er bemüht sich auch sonst um das Wohlergehen seiner Gäste. Das Eco Tara in Fataga beherbergte uns weitere 4 Nächte, etwas abseits gelegen bietet es, mit Studios und Ferienwohnungen im Angebot, auch für Familien eine gute Möglichkeit, Gran Canaria's Süden zu entdecken.

 

 

Die Kletterspots im Süden/Mitte der Insel

 

Nachfolgend die von uns besuchten Klettergebiete kurz skizziert und mit einigen Fotos versehen, damit ihr besser einen Eindruck von der Art der Kletterei gewinnen könnt. Einen weiteren Bericht mit guten Infos und Bebilderung der Klettergebiete findet ihr online im Bergzeit Magazin.

 

La Sorrueda

 

Wunderschön in einer Schlucht mit plätscherndem Wasser gelegen, spricht Sorrueda vor allem Genusskletterer an. Der Zustieg ist kurz, die Einstiege eben, es gibt eine Quelle, die Routen sind ein guter Mix aus Wandkletterei, technischen-balancereichen Aktionen und kraftvollen-athletischeren Passagen. Die meisten Routen sind eher kürzer, es gibt aber auch ein paar wenige längere Routen. Den Sportkletterer wird besonders der eher mild bewertete Sektor Salon mit seiner löchrigen, leicht überhängenden Wand ansprechen. Die Absicherung ist gut, aber nicht ausgezeichnet. Es gibt sanierte Routen mit Klebehaken, aber auch schon etwas in die Jahre gekommene Bolts. Die Umlenker bestehen meistens aus einer Kette mit komfortablem Schnapper. Nicht immer sitzt jeder Haken dort, wo man ihn gerne haben würde. Obligatorische Stellen finden sich in fast jeder Route. Teilweise ist der Fels scharf, teilweise glatt und mit wenig Reibung, je nach Sektor, aber nie abgeschmiert. Durch die nördliche Ausrichtung der Felsen eignet sich Sorrueda für den ganzen Tag um diese Jahreszeit zum Klettern.

 Sektor Fuente und Sektor Salon hatten uns am besten gefallen. Viele schöne Routen zwischen 6a und 7a.

 

 

Fataga

 

Der gleichnamige Spot wie unser Bergdorf, in dem wir wohnten, überrascht mit einem vielfältigen Angebot. Sowohl für den Genusskletterer als auch für den Hardmover finden sich eine Vielzahl von Möglichkeiten. Einzig die Lage unterhalb des Stausees in der Schlucht an der Wasserleitung macht das Klettern nicht gerade idyllisch, aber man gewöhnt sich dran. Für uns entwickelte sich Fataga zur Liebe auf den zweiten Blick. Die Absicherung ist wie so oft auf Gran Canaria durchwachsen, es finden sich vorbildlich abgesicherte Routen neben Routen, die ein beherztes Vorsteigen erwarten. Alte Bolts neben neuen Bolts. Der Fels ist anders strukturiert und anders zu klettern als in Sorrueda. Aber das werdet ihr sowieso merken auf Gran Canaria, dass Vulkanfels immer anders ist, so dass man sich ständig umstellen muss. Durch die östliche Ausrichtung ist es für gewöhnlich bei Sonnenschein am Morgen zu warm, umso angenehmer ist der Nachmittag im Schatten.

Der Zugang über die Staumauer ist gesperrt, besser ist es ohnehin von der Hauptstrasse in die Schotterpiste ("Presa Ayagaures" angeschrieben) einzubiegen und so weit es geht (du dich traust) vorzufahren. Die Strasse ist in einem erbärmlichen Zustand durch die Unwetter, die 14 Tage zuvor wüteten. Tiefe Rillen und Löcher gilt es geschickt mit dem Mietwagen zu umfahren. Später zweigt man dann rechts in das Bachbett hinein, welches zum Klettergebiet führt. Theoretisch kann bis ganz ins Gebiet gefahren werden, Bodenfreiheit vorausgesetzt.

 

 

Ayagaures

 

Basaltsäulen, Risse und Verschneidungen. Ein Gebiet, das nicht nur spezielle Kletterei bietet, auch der Zustieg ist für Gran Canaria aussergewöhnlich lang (30min). Vom Parkplatz am Stausee folgt man dem Trampelpfad der Wasserleitung an der westlichen Seite des Sees entlang. Später mündet der Pfad ins Bachbett hinein, der Weiterweg wird ab hier deutlich beschwerlicher. Die Landschaft ist schön und ladet zum Baden ein, ein idyllischer Ort, doch der Weiterweg durch ausgedehnte Kakteenlandschaften auf der rechten Bachseite macht das Fortkommen nicht gerade leicht. Bei uns war der Weg recht gut ausgeschnitten, doch so ganz ohne Stacheln in der Kleidung schafft man es wohl kaum;-)

 

Was wir nicht wussten, das Gebiet ist mega heiss, bei Sonnenschein unkletterbar. Der Sektor, welcher auf der Schattenseite liegt, ist mega anspruchsvoll, ausser einer 6b+ und 6c mit weiter Absicherung gibts dort nichts zu holen. Die tollen, ansprechenden Touren auf der Sonnenseite der Schlucht gehen wohl nur im Winter an einem kühlen Tag. Wir sind somit unverrichteter Dinge wieder abgerauscht...schade, denn der Basalt schaut vielversprechend aus.

 

 

Candelilla

 

Der Topspot auf Gran Canaria! Im Ernst, wir hätten solch ein tolles Gebiet nicht erwartet. Im Führer schauen die Felsen eher mittelmässig aus, doch wenn man davor steht, bleibt der Mund erst mal offen stehen. Eine tolle, grosse, steile, schattige Wand mit interessanten Felsstrukturen. Löcher, Konglomerate. So ganz und gar untypisch. Dazu neue Absicherung. In diesem Gebiet kommt Sportkletterfeeling auf. 

 

Wir treffen an diesem Tag auf 5 Locals aus Maspalomas, die uns ungefragt ihr Gebiet zeigen und vorstellen. Jede Route persönlich, mit Geschichte dazu. Grossartig! "Ja wir sollen doch ruhig diese Tour dort probieren mit den Schlingen drin", oder "diese Route hat super schöne Boulderstellen", "diese Tour verlangt nur Ausdauer"..., "diese ist von meinem Freund eingebohrt, er klettert so stark, dass er sie nicht mehr richtig bewerten kann" (als wir nachfragten nach einer Bewertung, die uns ziemlich hart vorkam).

 

Leider bläst heute ein saukalter Wind, der Fels fühlt sich fast gefroren an, der Grip würde schon passen, doch wenn man ihn vor lauter Eishänden und Füssen gar nicht mehr spürt? Die Locals fragen uns, ob es auch für uns so kalt ist. Klar. Glauben die ernsthaft, nur weil wir aus den Alpen sind, dass wir nicht frösteln???

Erst am Nachmittag erreichen uns die wärmenden Sonnenstrahlen, was das Gebiet allerdings zu einer Topadresse für wärmere Tage macht. Auch durch die Höhenlage oben in den Bergen (mit Blick auf Ayacata). Unter dem 6. Schwierigkeitsgrad ist nichts zu holen, dafür warten umso mehr Routen im unteren 8. Franzosengrad, aber auch einige schöne 6c-7c!

 

 

Salto del Perro haben wir ausgelassen (nur schwierige Routen), anscheinend gibt es dort in der Nähe jetzt noch ein neues Gebiet. Name und Zugang ist mir allerdings nicht bekannt, die Locals aus Maspalomas hatten davon kurz berichtet.

 

Wer auf La Palma vorbeischaut und nach Klettermöglichkeiten Ausschau hält, viel hat die Insel nicht zu bieten. Auf der Internetseite des dortigen Kletterclubs Piedra Viva finden sich Zugangsbeschreibungen und einige Informationen zu den Gebieten. Wir haben uns das Gebiet Puntallana angeschaut, waren aber nicht Klettern.


Traillaufen auf Gran Canaria

 

Wo es ein weitverzweigtes Wanderwegenetz gibt, wird auch der Trailläufer glücklich werden. Und nicht umsonst steht der Transgrancanaria Ultratrail auf der Wunschliste von so manchem Läufer recht weit oben in seiner noch offenen To-do-Liste. Nach der ausgiebigen Traillauferei auf La Palma, die wir dem Urlaub auf Gran Canaria vorgelagert hatten, beliessen wir es diesmal mit einer wunderbaren Rundtour um das Wahrzeichen Gran Canarias, den markanten Touristenmagnet Roque Nublo. Wenn man an der Strasse beim Aussichtspunkt Degollada del Asserador an der GC60 startet, ergibt sich eine kleine, speedige Runde um den Felsklotz auf schönen, gut ausgetretenen Wanderwegen. Um die Runde mit weiteren Trailmetern zu vergrössern, bietet sich im Anschluss der Wanderweg EC an, der entlang eines Höhenkammes mit toller Aussicht bis nach San Aldea de Nicholas oder zu den Seen (z.B. Embalse de la Cueva de las Ninjas) führt. Je nach Belieben kann auf halber Strecke umgedreht und zum Auto zurück gerannt werden, oder man beendet an geeigneter Stelle, wo der Wanderweg zur Strasse führt den Lauftag und fährt per Anhalter zum eigenen Auto zurück.

 

Dünen von Maspalomas und Playa Inglès

 

Barfuss auf weichem Sand knapp an der Wasserkante entlang zu rennen und sich wie Pamela Anderson im Baywatch fühlen...das gibts am 5km langen Sandstrand zwischen Maspalomas und dem Playa Inglès. Je nach Wasserstand (Ebbe/Flut) ist der Strandabschnitt mal weitläufiger, mal näher an die Dünenlandschaft angelehnt. Bei so einem klassischen Strandlauf wird man nie alleine sein, Badetouristen, Sonnenanbeter und braungebrannte Erdmännchen übervölkern die sandige Landzunge täglich oder schlendern bei einem gemütlichen Strandspaziergang von einer zur nächsten Promenade. Wer den Trubel scheut muss früh aufbrechen oder zu später Stunde kommen. Die Dünen bieten ein ganz besonderes Erlebnis, da lässt sich wahllos bergauf und bergabrennen oder an der Krete entlang. Aber Achtung, der Sand wird über Mittag unerträglich heiss auf den Fusssohlen...


Die Bergdörfer im Landesinneren

 

Ohne Zweifel, die gut erhaltenen kleinen Bergdörfer im Landesinneren sind nur über lange, extrem kurvenreiche Autofahrten relativ mühsam zu erreichen. Nicht dass das Autofahren auf den vorzüglich asphaltierten Bergstrassen nicht Spass machen würde, aber ab dem Vormittag bis zum späten Nachmittag sind die Strassen von überforderten Touristen, die Rennradlfahrer überholen müssen, blockiert. Da schlängelt sich die Kolonne dann im Schritttempo bergauf und bergab und es wird echt zäh. Doch wer etwas früher aufbrechen kann, einen starken Motor oder gute Nerven mitbringt, der sollte sich einen Ausflug in die Inselmitte nicht entgehen lassen. Besonders Tejeda ist sehr sehenswert und lässt sich gut mit einem Abendessen auf der Sonnenterrasse eines Restaurants verbinden. Die Sonnenuntergänge dort sind fantastisch, besonders wenn Wolken den Himmel schmücken. Etwas weiter liegt Artenara, wobei die Strasse von Tejeda nach Artenara momentan seit den Unwettern gesperrt ist und wohl auch noch länger bleibt. San Bartholomä ist sehenswert, Santa Lucia,....

 

Auch Fataga, unsere Bleibe für den Aufenthalt auf Gran Canaria, bietet nette kleine Gassen und ist einen kurzen Spaziergang wert. Wer in Fataga nächtigt, wird am Abend nach einer Essensmöglichkeit Ausschau halten wollen, das Angebot ist hier leider nicht allzu gross. Neben dem sehr authentischen Restaurant "Labrador" gibt es noch ein weiteres (mit der Kuh vor den Stufen), das in etwa dasselbe Speisenangebot bereithält. Die grankanarische Küche besteht hauptsächlich aus Fleisch. Gegrillt oder gegart. Aber Fleisch, mit wenig Beilage. Dazu ein süffiges Bier, das kann schon was. Aber nach einer Woche sehnten wir uns nach mehr Abwechslung...Eventuell gibt es unten in den Promenadenrestaurants am Meer auch gut zubereiteten Fisch, wobei uns unser Hausherr Mario bestätigte, dass die Ureinwohner von Gran Canaria noch nicht mal fischen konnten und es daher auch keine Fischtradition gibt. Puerto Naos zum Beispiel hat einen älteren und neueren Ortsteil, da sind wir an einem Restaurant vorbei, das explizit nur Fisch auf der Speisekarte listete und diesen auch frisch in der Vitrine ausgestellt hatte. Wäre wohl einen Versuch wert, wir kamen allerdings nicht mehr dazu.

 

 


Was gibt es sonst noch zu berichten?

 

In San Fernando (20Minuten von Fataga entfernt) finden sich Supermärkte, Bankomat, etc..., denn in Fataga selbst gibt es nur einen kleinen Krämerladen, der willkürliche Öffnungszeiten hat, es gibt auch keinen Bankomat, in den Restaurants kann allerdings überall mit Karte bezahlt werden. La Taperia in San Fernando ist eine gute Adresse zum Frühstücken, es gibt zwar keine Menükarte, allerdings wissen die Kellner Bescheid, wenn man was von süssem oder herzhaftem Frühstück faselt und bringen die entsprechenden Köstlichkeiten. So ein kleiner, typischer "Leche y Leche" Kaffee darf natürlich auch nicht fehlen. 

 

Den Kletterführer gibts in der Tankstelle in Fataga, die Bücherei in San Fernando hat ihn nicht vorrätig, kann ihn aber innerhalb eines Tages bestellen. Wir benutzten den Climbo Kletterführer für Gran Canaria, kann auch online geordert werden. Ausserdem gibts Gran Canaria als Vertical Life App Topo. Und einen weiteren super Bericht mit wertvollen Infos zu den Klettergebieten findet ihr im Bergzeit Magazin unter www.bergzeit.de/magazin/klettern-gran-canaria/

 

Wer im Frühling eine Abwechslung zum Skitouren gehen sucht oder einen Laufurlaub als Auftakt für die Trailrunningsaison in seinen Jahreskalender einfügen möchte, liegt mit den Kanaren goldrichtig. Normalerweise gibt es nur wenige Regentage, wenn überhaupt, und die angenehmen Temperaturen (22-25Grad am Meer, 12-20 Grad in den Bergen) laden zum Velofahren, Traillaufen, Klettern und Wandern förmlich ein. Dieses Jahr gab es Ende Februar eine richtige Unwetterperiode mit massiven Niederschlägen, was aber in derart massiver Ausprägung zum Glück nur selten vorkommt.

 

Das Klettern im Süden und im Inselzentrum spielt sich an ganz unterschiedlichen Felsstrukturen und Gebieten ab, prinzipiell darf man Gran Canaria jetzt nicht mit den Topdestinationen (Griechenland, Spanien, Arco,...) vergleichen, aber wer ruhige Felsen und auch noch was anderes ausser Klettern sucht, der sollte Gran Canaria durchaus auf sein Kletterradar nehmen. Der Norden und Nordwesten haben wohl auch noch einige Gebiete, darunter das Grösste (Tamadaba), zu bieten, allerdings muss man dazu eine Bleibe dort oben auf der Insel wählen, Fataga ist hierfür unpassend. Candelilla kann durchaus als Topgebiet bezeichnet werden und bietet auch für den ambitionierten Sportkletterer Potenzial für mindestens eine Woche Kletterurlaub.

 

In der Hauptstadt gibt es 2 Laufshops, wobei besonders Running Project den Trailläufer bedient. Der zweite heisst Cima Running

 

 

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Patricia Neuhauser

Sportwissenschaftlerin, MSc

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