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Aiguille Chardonnet Forbes Grat und Aiguille Purtscheller Südgrat

 

Chamonix - das Mekka des Alpinismus.

 

Klar müssen wir unserem besten Freund Alex, der nach Jahren der Abwesenheit uns endlich einen mehrtägigen Besuch abstattet, die Bergsteigermetropole am Fusse des Mont Blanc zeigen. Westalpen, für Alex ein Novum. Dabei stand der Typ schon auf dem Aconcagua, allein versteht sich. Und bzgl. Höhenanpassung hoffen wir auf seine argentinischen Gene. Ok, vielleicht beschränken wir uns auf Touren, die keine 4000m erreichen. "Wie es um die Ausdauer steht" und "ob er in den letzten Jahren mal wieder Bergsteigen war", waren meine Fragen an ihn vorab beim Telefonat. In Wien lebend sind richtige Berge weit, wir hoffen daher auf seine Zähigkeit, die ihn jedenfalls früher auszeichneten.

 

Mit dem Gebiet rund um die Albert Premier Hütte oberhalb von le Tour fanden wir schliesslich ein Tourengebiet, das Abwechslung und ansprechende Touren in geringerer Höhe bietet. Die Aiguille du Chardonnet thront am südwestlichen Rand des Gletschers und wartet mit 2 Traumrouten auf, dem Forbesgrat und der Migot. Weiter östlich ragt über dem Trientbecken rot-gelber Granit aus dem Schnee, der Südgrat auf die Aiguille Purtscheller lockt mit einer klassischen Kletterlinie an Rissen, Verschneidungen und Kaminen. Und dann gäbe es auch noch den Arete du Table an der Aiguille du Tour...in 2 Tage lassen sich all die herrlichen Touren gar nicht packen, wir müssen eine Entscheidung treffen.

 

 

Aiguille Chardonnet: Arete Forbes

 

Bereits aus dem Lager der Albert 1 Hütte können wir den Anstieg auf die Chardonnet studieren, die moderne Hütte ist mit vielen Fenstern versehen, quasi im Bett liegend lassen sich so die umliegenden Anstiege und Verhältnisse beobachten. Wie üblich brechen wir mal wieder als letzte Seilschaft am Morgen auf. Es ist 6:15Uhr, die Sonne lässt die Nordostflanke der Aiguille Chardonnet strahlend erleuchten. Die kleinen Felstürmchen, die den Forbesgrat so markant erscheinen lassen, heben sich vom makellos blauen Himmel deutlich ab. Weil der Gletscher noch immer gut eingeschneit, der Schnee gefroren und die Aufstiegsspur dick und fett ausgetreten ist, verzichten wir uns anzuseilen, als wir den Gletscher nach einem kurzen Marsch von der Hütte weg, betreten.

 

Der erste steile Aufschwung im Schnee, der wie eine Gletscherzunge vom Grat hinunterzieht, lässt unsere Herzen erstmals kräftig Blut pumpen. Wir folgen einer steilen, gut ausgetretenen Spur und mit jedem Meter Höhengewinn breitet sich ein tolles Panorama mehr zu unseren Füssen aus. Granitnadeln, Türmchen, weisse Gletscher, die zwischen den Wolken, die die Täler bedecken, herauslugen. Kurz bevor wie den Grat erreichen, überholen wir eine 3er Seilschaft, die bereits jetzt schon am Kämpfen ist (später stellte sich heraus, dass diese Seilschaft nicht vor Einbruch der Dunkelheit am Abend die Hütte erreichen wird!!!). Wir binden uns ins Seil ein, ich darf ans scharfe Ende, die beiden Männer im Schlepptau.

 

Der Forbesgrat gehört nicht umsonst zu den schönsten Bergfahrten in diesem Schwierigkeitsgrad in den Alpen. Eine klassische Bergtour, kombiniertes Klettern mit Steigeisen, griffig fester Fels, der nie schwierig, aber doch Kletterpassagen aufweist, dazwischen immer wieder Schnee und Eis, wo der Pickel zum Einsatz kommt, schmale Firngrate, ausgesetzte Passagen, 2 kurze Abseilstellen. Flüssiges Fortbewegen am mehr oder weniger gestreckten, fortlaufenden Seil. 

 

Wir überholen noch 3 Seilschaften und stehen schliesslich nach 5 1/2h nach unserem Aufbruch am höchsten Punkt. Der Abstieg ist dann ebenfalls kein Kindergeburtstag, Konzentration ist gefordert, aber bei unseren Verhältnissen mit noch nicht allzu aufgeweichtem Schnee, gut und sicher zu meistern. Bei der ersten Abseilstelle, dreimal muss in Summe abgeseilt werden (theoretisch liesse sich das ganze auch downclimben), stehen wir im Stau. Nun gut, die Sonne scheint, es ist warm, die Aussicht prächtig, wir haben keinen Grund zu stressen und nehmen den Stau mit Gelassenheit. Auch wenn es stört, da der Fluss unterbrochen wird. Eine gute Bergfahrt macht für mich eben genau diesen Fluss aus, wenn alles läuft, sich jeder seinen Handgriffen und seiner Sache sicher ist. Man sich wortlos versteht und noch Luft zum Spassln hat. Schön stetig, ohne zu hetzen. Jetzt müssen wir uns leider einreihen.

 

Die beiden Bergschründe, die später in der Saison oft zur Herausforderung werden können, sind noch gut bedeckt, wir steigen den grossen Tritten entlang im weichen Schnee ab. Sobald die Flanke abflacht, entledigen wir uns der Steigeisen und schlittern in der Spur hinab. Ein letzter Sprung über eine Spalte, dann gehts easy peasy die lange Gletscherfläche direkt zur Hütte hinab. Die Sonne brennt mittlerweile erbärmlich, wir sind ziemlich dehydriert, hatte doch der Herr Neuhauser am Morgen seine Getränkeflasche in der Hütte stehen lassen und wir mussten unsere eh schon abgespeckten Getränkereserven brüderlich teilen. Ein kräftiger Schluck von Alex hoch gezuckertem Matetee weckte noch einmal das Gehirn und den Motor auf und so sassen wir dann nach gut 8h auf der Sonnenterrasse der Hütte und gossen uns ein eiskaltes Radler in die lechzenden, trockenen Kehlen.

 

Aiguille Purtscheller: Südgrat

Mit festem Fels, granittypischen Rissen und Schuppen und einer sehr originellen Kaminpassage überzeugte uns der Südgrat auf die Aiguille Purtscheller als hochalpine Klettertour. Auch wenn wir teilweise auf Abwegen unterwegs waren, Alex folgte den Bohrhaken und nicht seiner alpinen Spürnase, so kombinierten wir die schönsten Klettermeter hinauf auf die goldgelbe Granitspitze der Purtscheller. So ganz überblicke ich auch im Nachhinein noch nicht, wo der Originalanstieg entlang geht, aber im Endeffekt ist es auch egal, denn der Kletterberg lässt so oder so das Kletterherz höher schlagen. Am besten folgt man der logischsten Linie und erlebt eisenfesten Granit, der Haut und Material mit seiner Rauigkeit gscheit fordert.

 

Die Einstiegsseillänge mit kalten Fingern und einem frostigen Lüftchen wird so manchen Aspiranten den Schweiss auf die Stirn treiben, danach folgt allerdings Genusskletterei und auch der Kamin, der alles andere als das typische Kletterbewegungsreportoire erfordert, ist zwar ungewohnt und für Leute mit Platzangst eine Herausforderung, doch im Endeffekt schrubbt und klemmt man sich irgendwie aus dem dunklen Loch hinaus Richtung Lichtkegel, den Rucksack zieht man am besten nach.

 

Bezüglich Absicherung findet man einige Bohrhaken und Stände je nach Linie, aber auch einige Schlaghaken. Der grösste Teil lässt sich gut mit Camalots/Keilen verschiedenster Grössen und Köpfelschlingen sicher und schnell absichern. Der grösste Teil der Route bewegt sich schätzungsweise im 4. Schwierigkeitsgrad, ausgenommen der Einstiegsriss und die Kaminreihe. Wir kletterten mit 2x30m Halbseilen als Dreierseilschaft, was uns dazu veranlasste, entweder simultan zu klettern oder kürzere Seillängen zu machen. Zum Abseilen über die Nordseite reichten die 2x30m aus (gebohrte Stände).

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