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Skyrun Schönbielhorn

 

Dieser Skyrun gehört in die 5-Sterne Kiste. Erstklassig sind nicht nur die flowigen und allseits laufbaren Trails von Zermatt bis zur Schönbielhütte, sondern auch die fantastische Aussicht vom Gipfel des Schönbielhorns. Dabei ist der höchste Punkt unscheinbar, nicht nur auf der Landkarte, umgeben von namhaften Kolossen wie Matterhorn, Dent d'Hérens und Dent Blanche verblasst das felsige Schönbielhorn mit seinen mickrigen 3472m recht. Doch gerade dieser Zirkel aus massigen Bergboliden, in dem das Schönbielhorn fast mittig im Rampenlicht platziert ist, steigert seine Attraktivität. Viel Besuch erhält es trotzdem wohl nicht. Kein Gipfelkreuz, kein Gipfelbuch. Die Wegspuren sind zwar ersichtlich, aber auch nicht übermässig ausgeprägt. Ein Geheimtipp? Vielleicht...

 

Wir starten um 7:45Uhr in Zermatt wie üblich im Zentrum des Treibens, am Kirchplatz. Noch ist es ruhig, die Touristen beim Frühstücken und wir geniessen die Frische des Morgens. Der breite und gut angelegte (Kinderwagen-)Weg bringt uns nach Zmutt, wo der erstklassige Singletrail zur Schönbielhütte seinen Anfang nimmt. Unbeschreiblich imposant wacht das Matterhorn zu unserer Linken während hohe Cirren dem Himmel eine gewisse Würze verleihen. Fast ebenmässig oder kaum merklich ansteigend gewinnt man an Höhe bis zum Delta des Zmuttgletschers. Ein Felssturz hatte vor Jahren zwischen Chalbermatten und dem markanten Wasserfall den Wanderweg unpassierbar gemacht, der neue Weg schlängelt sich nicht weniger schön im leichten Auf und Ab durch das Delta hindurch. 

 

Lila-blühender Bodenbewuchs kontrastiert so herrlich mit dem Stahlblau des Himmels, die Gicht vom grossen Wasserfall spritzt bis zu uns hinüber, wir glauben im Paradies angekommen zu sein. Aber nein, nach den schweisstreibenden Spitzkehren legt sich der Weg zurück und öffnet erneut den Blick auf ein weiteres Tal, durch das ein Bächlein munter mäandriert. Wir lassen die Abzweigung zum Arbenbiwak rechts liegen und geniessen die überaus flowigen Meter entlang des plätschernden Bächleins. Schliesslich erreichen wir die Moräne, welche zur Schönbielhütte empor leitet. Der Wanderweg führt offiziell weiter rechts, wir lassen uns den Anstieg direkt über die Kante der Moräne aber nicht nehmen. Der Tiefblick auf den blockübersäten Gletscher ist beeindruckend, die Blöcke und Würfel, die in der Moränenflanke auf ihren Abflug bereits warten, ebenso. Nichts ist für die Ewigkeit, das bekommen wir hier hinten im Talkessel des Zmuttgletschers so richtig zu spüren. Es donnert und kracht alle 10 Minuten. Da ein Serac, der gen Tal stürzt, dort ein Block, der die Moräne runter rollt, hier ein Eisstück, das sich verabschiedet. Die Berge sind in Bewegung und bei diesen warmen Temperaturen noch einmal mehr.

 

Ab der Schönbielhütte, wir haben immerhin bereits 10km in den Beinen, ist der Spuk mit dem flowigen Trailrunning vorbei. Schlagartig ändert das Terrain. Ein mit Steinmännern gekennzeichneter Pfad zieht steil in die Kumme empor, welche mit einem grossen Block- und Geröllfeld das Vorwärtskommen nicht gerade erleichtert. Wir verpassen einen Steinmann und kämpfen uns auf losem Untergrund weiter bis wir, nach einem Blick auf die Karte, feststellen, dass wir zu weit rechts sind. Kostbare Kraft, kostbare Zeit vergeudet. Auch wenn wir wieder auf Kurs sind, der geröllige Pfad auf die Scharte ist echt mühsam und nicht gerade inspirierend. 

 

Umso motivierender ist der letzte Anstieg ab der Scharte auf das Schönbielhorn. Zunächst wirkt die Flanke brüchig und lose, doch beim näheren Begutachten entpuppt sich der Anstieg als wirklich nette und leichte Kraxelei. Wir bleiben möglichst auf der Kante um möglichst viel schönen Fels mitzunehmen, der besonders im obersten Abschnitt fest, rauh und farbenfroh ist. Da kommt Freude auf. Und noch mehr Freude, als wir am höchsten Punkt unsere leichten Trailrunningrucksäcke abnehmen, uns hinsetzen und den Blick schweifen lassen. Wow. So genial! Wir studieren die Nordwand des Matterhorns, träumen von Linien auf die Dent d'Hérens und zeichnen die Bänder durch die Dent Blanche Südostwand vor unserem geistigen Auge nach.

 

Kurz überlegen wir das Schönbielhorn zu überschreiten, was laut Führer ähnliche Schwierigkeiten (L) aufweisen soll wie der Anstieg über die Südseite. Da wir allerdings keine Schneeketten oder Pickel mitführen und glauben diese Ausrüstung eventuell zu brauchen, verzichten wir und tänzeln über den uns bereits bekannten Anstiegsweg zurück zur Schönbielhütte. Der beste Aprikosenkuchen der Welt erwartet uns dort nämlich schon auf der Panoramaterrasse und ein hausgemachter Eistee. Wir sind verwundert über die geringe Anzahl an Wanderern, geschweige denn Bergsteigern, hier auf der Schönbielhütte. Dabei liegt diese Hütte einmalig schön und der Weg ist mühelos zu begehen. Aber anscheinend schreckt die Weglänge zurück.

 

Mit 2000Hm in den Beinen läuft sich der Singletrail zurück entlang der Moräne und dem Bächlein zwar weniger flüssig als erhofft und der kurze Gegenanstieg unten im Delta hinauf Richtung Chalbermatten in der senkenden Sonne raubt mir fast das letzte Quäntchen Energie, doch wie so oft ist alle Pein reichlich schnell verflogen, sind die Grundbedürfnisse erst mal wieder gestillt. Kurz nach Zmutt erreichen wir endlich einen Brunnen, ich stecke meinen überhitzten Schädel kopfüber hinein in den Trog, es zischt, oder zumindest stelle ich mir vor wie es zischt und brodelt. Das kalte Wasser fliesst hurtig in unsere ausgetrockneten Kehlen, wandert an alle Gliedmassen und benetzt ab jetzt die Kleidung. Das war bitter nötig. Mit dem gewissen Kälteschock rennen wir die letzten Kilometer auf dem staubigen, guten Weg hinaus zur Kirche von Zermatt, wo der Premium-Skyrun vor gut 7 3/4 Stunden seinen Anfang nahm.

 

Schönbielhorn 3472m

  • 30km/2000Hm
  • bis zur Schönbielhütte weiss-roter Wanderweg, ab Schönbielhütte auf Pfadspuren mit Steinmännern markiert zur Scharte, ab dort leichter Scrambler (I-II)
  • Überschreitung möglich, evtl. Pickel/Schneeketten
  •  Abkürzung: mit Seilbahn zum Schwarzsee und von dort zur Schönbielhütte
  • Bargeld für Schönbielhütte oder Gastgarten in Zmutt mitnehmen

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