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Speedtour Rimpfischhorn

 

Die Gewitterfront des Vorabends verspricht nichts Gutes. Wir müssen mit etwas Neuschnee rechnen. Wie also das Rimpfischhorn am besten angehen? Als Skyrun vom Tal aus und mit Trailrunningausrüstung oder doch besser eine Nummer besser ausgestattet und vom Blauherd aus? Wir entscheiden uns für Option 2, dies verspricht bessere Gipfelchancen und mehr Souveränität. Auch wenn das Rimpfischhorn somit nicht mehr in die Sparte Skyrun fallen wird, sind wir am nächsten Morgen tatsächlich froh mit unserer Entscheidung fürs Speedbergsteigen und gegen den Skyrunningstil. Es hat Neuschnee, ab bereits ca. 3900m sind die Felsen schattseitig angezuckert und feucht. Wieder einmal eine Bestätigung dafür, dass Erfahrung, Können und vermutete Verhältnisse mit den tatsächlichen Verhältnissen in Einklang zu bringen, das A und O für unfallfreien und stressfreien Bergsport ist.

 

Die erste Bahn von Zermatt auf Sunnegga und weiter zum Blauherd bringt uns pünktlich um 8Uhr in die Bergwelt rund um die Findelalp. Noch ist es schön friedlich und ruhig als wir den Stellisee passieren. Einige Fotografen sind seit den frühen Morgenstunden schon tätig und versuchen die Spiegelungen des Matterhorns im glasklaren See einzufangen. Der Wanderweg ist gut, wir gewinnen schnell an Wegstrecke und später auch an Höhe bis auf den Passübergang namens Pfulwe.  Ab dort führen Steinmänner durch das Schuttgelände bis zum Gipfel der Pfulwe, wo dahinter kurzes Abklettern (mit 2 Seilen versehen) zum Längfluejoch leitet. Es ist windstill, warm, ein herrlicher Morgen. Doch wir sehen auch seit unserem Aufbruch beim Blauherd das Ziel des heutigen Tages, das Rimpfischhorn, welches so ganz und gar nicht näher kommen will. Später am Tag werden wir wissen, warum der Weg, wenn auch aussichts- und abwechslungsreich zu begehen, sich so in die Länge zog. Mit 18km und 1900Hm nicht gerade eine kurze Bergtour;-)

 

Wir wechseln unsere Schuhe, ging es hierher bestens schneefrei im Inov-8 X-Talon, verspricht der nächste Anstiegsweg ein schnelleres Vorankommen in unseren leichten Bergschuhen. Spätestens ab dem felsigen Aufschwung wäre ein Höhersteigen nur mit Mehraufwand in den Trailrunningschuhen möglich gewesen, die frisch verschneiten Felsen lassen sich so einfach sicherer und damit schneller begehen. Ein Plus an Mehr ist eben nicht immer langsamer, umgekehrt kann aber auch ein Weniger Schnelligkeit und damit Sicherheit bedeuten. 

 

Am Rimpfischsattel schliesslich ist der Gipfelaufbau vollumfänglich einzusehen. 2 Zweierseilschaften befinden sich im Abstieg, davor hat sich ein Einzelgänger geschalten. Wir montieren die Steigeisen, nehmen den Pickel aus der Rucksackbefestigung und stapfen in den Spuren unserer Vorgänger das Schneecouloir hinauf, bevor die Firnauflage eher spärlich wird und Eis zum Vorschein kommt. Gut, haben wir uns für die Bergschuhe mit Steigeisen entschieden, denn spätestens hier wäre am heutigen Tag mit der Trailausrüstung Endegelände. So aber erreichen wir unkompliziert die Rampe, die in umschwierigem Fels zur Schulter führt. Wir seilen an, auch die Steigeisen bleiben an unseren Füssen. Die Felsen sind schneeüberzogen und teilweise leicht vereist. Das macht Spass, da kommt etwas Alpinfeeling auf. Am laufenden Seil erreichen wir kurz darauf über die Rippe den Vorgipfel und wenig später den menschenleeren Hauptgipfel. 4:40 Stunden haben wir benötigt, was die Verhältnisse doch ausmachen....

 

Selten, dass man auf einem verhältnismässig leichten 4000er alleine am Gipfel sitzt. Wir geniessen die Ruhe, unsere Blicke schweifen rundum. Ein herrlicher Tag mit klarer Luft und Weitsicht. Für den Abstieg bleiben wir am Seil, ca. 10m trennen uns, was genügt, um immer eine Zwischensicherung in Form eines Steins oder einer Eisenstange zwischen uns zu haben. Die exponierte Platte im oberen Teil der Rippe entpuppt sich als gutmütige, weil mit grossen Tritten und Griffen besetzte Platte. Da wo die Sonne nicht hinscheint bleibt der Schnee pulvrig, wo die Sonnenstrahlen hingelangen haben sie bereits das frische Weiss geschmolzen. 

 

Zurück im Joch brennt die Sonne nun merklich stärker auf unsere Schädel, Zeit, Richtung Tal zu gehen und den reflektierenden Gipfelbereich zu verlassen. Am Längfluegletscher fanden wir am Morgen noch gute Verhältnisse mit Schneeauflage vor, wenn sich auch schon abzeichnete, dass das Eis bald zum Vorschein kommen würde. Jetzt, am frühen Nachmittag, sieht die Situation schon ganz anders aus. Da wir die Steigeisen nicht wieder montieren wollen, müssen wir kreativ werden um die blanken Zonen zu umgehen.

 

Ab der Pfulwe läuft es sich auf bekanntem Weg schön flüssig entlang des bestens angelegten Wanderweges. Wann fährt eigentlich die letzte Bahn? Ein Blick ins Internet verrät, dass sich die Cola auf der Sonnenterrasse des Berghotel Flue nicht mehr in aller Entspanntheit ausgehen wird. Wir traben daher lieber weiter und hoffen noch im Stellisee die überhitzten Füsse nach 8 Stunden in zweierlei Schuhwerk abkühlen zu können...

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