Guppengrat Vrenelisgärtli

Schon sehr sehr lange schwirrt diese Anstiegsmöglichkeit via Guppengrat auf das knapp die 3000er Marke verpassende Vrenelisgärtli in meinem Kopf herum. Doch die Glarner Alpen, obwohl nicht weit entfernt, liegen dann doch meistens nicht in meinem Aktionsradius, zu unrecht. Denn sie versprühen trotz imDurchschnitt eher geringerer Höhe einen ganz eigenen Charme. Gebänderte Berge, die nordseitig steile und abweisende Wände zu Tal richten, dazwischen mit grünen und lieblich blühenden Wiesen einen Farbkontrast hervorrufen. Die Schroffheit der mächtigen Erhebungen wird noch durch das Flach- und Hügelland im Norden verstärkt, steht man oben am Vrenelisgärtli schaut man unweigerlich staunend auf die Züriebene hinab.

 

Wenn man alleine loszieht in die Berge und die vielbegangenen Normalwege verlässt, gehört immer eine gewisse Portion Mut und Antrieb dazu. Mal mehr, mal weniger, je nach Tagesziel. Der Guppengrat gehört von seinen technischen Schwierigkeiten laut Papier eher zu den anspruchsvolleren Zielen, ein T6-Anstieg. Doch in Wirklichkeit entpuppt er sich als vielbegangener "Wanderweg", Wegspuren sind durchgängig leicht zu erkennen. Die Rasentritte durch die Blumenwiesen zwischen den Kalkschrofen sind gut und gross ausgeprägt, im felsigen Abschnitt weisen eine Vielzahl von Steinmännern den Weg. Und selbst der obere Teil, der eigentliche Guppengrat nach dem Chanzele, ist dann weniger steil und leichter als er auf den ersten Blick erscheinen mag.

 

Doch es bleibt weiterhin anzumerken, dass der Guppengrat wegen der leichteren Wegfindung nicht unterschätzt werden darf. Es gäbe genügend Stellen an denen ein falscher Tritt u.U. das Ende bedeuten würde!

 

Um 9Uhr an einem spätsommerlichen Prachtstag starte ich also in mein kleines Abenteuer. Tau liegt auf der Wiese, die Sonnenstrahlen spenden willkommene Wärme auf der Haut in den noch recht frischen Temperaturen. Stetig, aber nicht hastig, steige ich zur Guppenalp auf, von wo das Panorama so langsam zu wachsen beginnt. Das schroffe und steile Gelände des Vrenelisgärtli zu Füssen. Ich begegne keiner Menschenseele, Ruhe und Stille begleiten mich. Meine Sinne sind geschärft, beschränken sich aufs Wesentliche, die Wahrnehmung der Natur um mich herum: Das Surren der Bienen und Fliegen in den reichlich und farbenprächtig bestückten Blumenwiesen, das periphere Sehen scannt die Umgebung unbewusst nach Trittspuren, so dass ich nie anhalten muss. Ich spüre den angenehm schwachen Wind auf meiner Haut, wie er leichte Kühlung durch die Schweisstropfen erreicht. Ich fühle den Untergrund, fühle den satten Halt der Trailschuhe im steilen Gras, taste die grobe Körnung des wechselnden Gesteins, mal klassischer Hochgebirgskalk, mal eine Mischung, die sich wie Sandstein anfühlt und schöne Ablagerungen aufweist. In diesem Moment, während den 3 Stunden des Anstiegs, habe ich keine Gedanken. Ich lebe in diesem Moment, vergessen das Alltägliche und Weltliche, nur die bezaubernde Natur erfüllt mich mit Glückseeligkeit, aber auch einer gewissen Angespanntheit und Fokussiertheit, die erst nachlässt. als ich das Gipfelkreuz abklatsche.

 

Ich sitze allein am so oft übervölkerten Vrenelisgärtli, unbeschreiblich, ein perfekter Tag umgibt mich, mit klarer Sicht und angenehmen Temperaturen. Ich muss noch nicht mal mein verschwitztes Shirt umziehen, ich bleibe einfach nur sitzen und geniesse. Auftanken für die Seele, auftanken für den Abstieg, der noch um einiges mehr an Konzentration und Aufmerksamkeit verlangt.

 

 

Infos zur Tour

Wegbeschreibung

 

Von Schwändi (mit ÖV erreichbar, im Zentrum hat es kostenlose Parkplätze) auf bezeichnetem Weg zur Guppenalp. Von dort über den Steig weiter bis zum Heuberg, wo man den Steig kurz vor einem grossen Block in nördliche Richtung verlässt. Steinmänner und Wegspuren, sowie eine weisse Markierung sind ab da ersichtlich. Wenn du keine Wegspuren mehr findest, bist du falsch! Über die schrofigen Blumenwiesen hinauf ins linke Ende des Geröllfeldes und recht steil über Schrofen hinauf auf den Kamm, der im Prinzip immer Wegspuren im Verlauf aufweist. Mal kurze Kraxlstellen, mal Geröll, mal Rasentritte, bis man unterhalb des markanten Turmes in die grosse Rinne links davon gelangt. Dort bei Skistockmarkierung nach links den Spuren folgen über die sehr steilen Grasschrofenhänge hinauf, bis man zum Schluss an eine weisse, 3m grosse Kalkplatte gelangt, die einfach mittels Reibung und 2 Rissen überstiegen wird (III-). Im weiteren Verlauf den Steinmännern folgend, bis zum grossen karstartigen Plateau, von wo das Chänzeli und der bereits stark abgeschmolzene Gletscher auftaucht. Über ein Schneefeld zur Rinne nördlich des Chanzle, an geeigneter Stelle über die Randkluft (heikel) und in dieser in brüchigem Gelände in leichter Kletterei (heikel) hinauf, bis schliesslich Trittspuren hinausleiten. Der Guppengrat in voller Grösse steilt sich nun vor einem auf. Der Fels ist grösstenteils recht fest und griffig, mehr als der II Schwierigkeitsgrad wird nie erreicht. Erst zum Schluss wirds recht bröselig, dafür aber flacher.

 

Abstieg über den Schwandergrat (Normalweg) zum Klöntalersee oder wieder auf der Anstiegsroute hinab.

 

2200Hm, 15km (hin-und retour)

 

ich habe 3h für den Anstieg und 21/2 für den Abstieg gebraucht (inkl. Pausen und Wegfindung). Die Crux war heute die Randkluft und die anschliessende brüchig-erdige Rinne. Dafür waren keine Steigeisen und Pickel nötig. Alles in Trailrunningschuhen mit super Profil.

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Midi-Plan Grat

Wer zum ersten Mal nach Chamonix kommt, wird überrascht sein. Nicht nur die umgebende Bergwelt könnte nicht schöner und formgebender sein (mit Superlativen wird in der heutigen Zeit ziemlich schnell um sich geschmissen, ich weiss, aber in diesem Fall sind sie sicherlich angebracht, und nicht nur, weil da der Höchste der Alpen steht!), es ist auch deutlich voller. In der Hauptsaison wimmelt und wuselt es in der Einkaufsmeile von Chamonix, Menschen aus allen Herren Länder. Das sind wir auch von Zermatt gewöhnt, stimmt, aber hier kommen sie alle zusammen, die Bergsportler der ganzen Welt. Alpinisten, Möchtegernbergsteiger, Kletterer, Trailrunner, Basejumper, Mountainbiker, Wanderer, Freerider, jeder ist drahtig und durchtrainiert, durchgestyled und modebewusst kommen sie daher, Chamonix der Laufsteg der Outdoorindustrie.

 

So viel Andrang im Tal überträgt sich leider auch auf den Berg. Schlangestehen, Nummerziehen, der frühe Vogel fängt den Wurm. Da verwunderte es uns umso mehr, dass wir als einzige Seilschaft des Tages zum Klassiker Midi-Plan Grat abzweigten. Und dass, obwohl wir "erst" mit der zweiten Gondel hinauf durften (trotz 15min. früher vor Ort sein). Aussteigen aus der Gondel und schon startet das Abenteuer. Von 0 auf 100. Dabei stehen unsere Augen noch auf Halbmast.

 

Doch der Abstieg von der Aiguille du Midi verzeiht keine Fehler, Seilfrei bewegen wir uns trotzdem leichtfüssig an den Seilschaften vorbei und beim Abzweiger sind wir dann urplötzlich nur noch unter uns. Die Morgenstimmung ist gewaltig, wir überblicken den kompletten Anstieg bis zur Aiguille du Plan. Eine Himmelsleiter nach der anderen, links pfeifft es gehörig steil mit saugendem Tiefblick nach Chamonix hinab. Doch die Eisen beissen perfekt, der Firn ist schön griffig durchgefroren. So bewegen wir uns konstant und ohne Halt, mal auf der schattigen Chamonixseite ein Felsaufschwung umgehend, mal auf der rechten Sonnenseite. 

 

Das Couloir ist teils ausgeapert, teils etwas mixed am Start, Wegspuren weisen den Weg durch die brüchig-schottrige, breite Rinne. Von der Schneekuppe oberhalb geht es zu den Felsen weiter, welche wir mit 2x abseilen (60m Einfachseil) zügig hinter uns lassen. Hier treffen wir erstmal auf eine Seilschaft, die von der Cosmiquehütte gestartet ist, Ihr Seil verhängt sich beim Abziehen, wie gut dass wir zu ihnen stossen und ihr Seil beim Abseilen befreien können. Mehr oder weniger gemeinsam stapfen wir den letzten Aufschwung im Schnee hinauf zum Felsaufbau der Aiguille du Plan. 

 

Wir sind zu faul die Steigeisen abzumontieren und so kratze ich auf einer Linie, die mir lieb ist, hinauf zum kleinen Gipfel. Zum Schluss mit 3 Bouldern, einem überhängenden Kamin und 2 verschiedenen Mantlern, den Normalweg umgehend, bis ich direkt auf der flachen Gipfelplatte bei der anderen Seilschaft nach 3 3/4h aussteige und Harald nachsichere. Warum einfach, wenn es auch schwieriger geht?;-)

 

Wir haben noch viel Zeit übrig und den gleichen Weg zurück? Nö, kennen wir ja schon. Warum also nicht ins Ungewisse starten. Eine gute Spur verleitet uns zum Abstieg über die Requin-Hütte und das Mer de Glace nach Montenvers. Die Seilschaft am Gipfel warnte uns noch, dass der Weg weit sein würde...ja, ja, wir sind ja Trailläufer.

 

Wie gut, dass wir uns den Abstieg vorher nicht angeschaut hatten, er war tatsächlich weit. Und nicht nur das, der zerrissene Gletscher hinunter zur Hütte war überaus abenteuerlich zu dieser Jahreszeit. Ein steiles Spaltengewirr mit schmalen Eisgrätchen, Absprüngen und dünnen Schneebrücken. Brutal, Wie gut, dass wir Beide eine gute Sicherheit im Eis aufweisen und uns aufeinander verlassen können. Denn beides war hier irgendwie gefährlich: unangeseilt = keine Mitreissgefahr, dafür Spaltensturzgefahr, angeseilt= Mitreissgefahr, aber Spaltensturzgefahr vermindert. Wir blieben bei der Seilvariante und fanden zum Glück alle Durchschlüpfe. Kurz oberhalb der Hütte zeigte uns die Natur noch einmal, wer hier Herr ist. Ein VW-Bus grosser Stein polterte in Zeitlupe unweit von uns vorbei. 

 

Das darauffolgende Schneefeld rutschten wir somit im Eiltempo hinab, überall grosse Brocken, ein Minenfeld. Bei der Hütte dachten wir, dass wir nun das ärgste hinter uns hätten. Doch dem war nicht so, ohne Kenntnis, wo das Mer de Glace am besten zu passieren ist, lag ein einzigstes Spaltenlabyrinth zu unseren Füssen. Wir versuchten es mal ganz links, dann mal mittig, schliesslich rechts. Gerade als die Verzweiflung mal wieder zu explodieren schien, da, dort, eine Brücke, die uns zumindest ein Stück weiter befördern würde. Wow. Solch ein Labyrinth haben wir Beide noch nie durchschritten. Immerhin sahen wir am Ende mehrere Seilschaften auf der Eiszunge, das, heisst, ein Durchkommen musste möglich sein!

 

Oftmals wussten wir nicht, was gerade überwiegt, die Furcht, sich komplett im Spaltensystem zu verheddern und zu verirren oder die Sorge um die Aufziehenden Gewitterwolken oder einfach nur das Überwältigtsein von der atemberaubend grandiosen Naturschönheit des Mer de Glace. Meistens überwiegte letzteres und so liess das Adrenalin auch meine schmerzenden Füsse vom langen Steigeisenabstieg etwas in Vergessenheit geraten. 

 

Mit noch einer Stunde hin bis zur letzten Bahn erreichten wir schliesslich Montenvers. Müde, erschöpft, aber bereichert mit einmaligen Erlebnissen und Eindrücken. Bergsteigen ist schon toll, wenn ich es auch nicht täglich haben muss!!!

 

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Galenstock SE-Grat

Als wir um 8 Uhr auf der Furkapasshöhe unsere Rucksäcke schultern, scheint bereits die Sonne lichterloh vom Himmel. Ein seltener Anblick: Furka ohne Wolken! Voller Vorfreude auf die schöne Kletterei sind die ersten Meter bis zur Sidelenhütte schnell zurückgelegt, anschliessend läuft es sich etwas mühsamer dicht an der Gross Bielenhornwestwand entlang, bis schliesslich der Gletscher betreten wird. Optimale Bedingungen bringen uns zügig hinauf ins hinterste Eck, wo der Klettersteig zur Oberen Bielenlücke beginnt, schweisstreibend, aber gut angelegt. 


Die obere Bielenlücke empfängt uns mit traumhaftem Panorama auf die zackigen Granitwände im Einzugsgebiet der Albert-Heim-Hütte und mit purem Sonnenschein. Die milden Temperaturen, ganz untypisch für diesen Bergsommer, laden zur Rast ein, bevor noch ein paar anstrengende Meter im bereits aufgeweichten Schnee zum Enstieg zurückgelegt werden.


Rötlich, gut strukturierter Fels mit kleinen Konkretionen lässt das Kletterherz höher schlagen. Das warme Gestein mit vielen Quarzeinschlüssen unter den Fingern fühlt sich einfach gut an. Wir jauchzen vor Freude, eine Genusskletterei selbst in den klobigen Bergschuhen. Immer wieder glänzt ein Bolt, die Camalots können am Gurt hängen bleiben. Wir klettern gleichzeitig, bis die Schlüsselstelle ein Standplatzsichern erfordert. Mit dem fetten Schuhwerk und der Höhe eine Atem raubende Partie, ein paar kraftige Züge, dann folgt sogleich aber wieder gutmütigeres Gelände, wir wechseln abermals zur Technik des gleichzeitigen Kletterns.


Leider lässt die Felsqualität mit zunehmender Höhe nach, lose Blöcke, die wild übereinander gestapelt den Grat bilden, wollen behutsam angetastet werden. Schliesslich erreichen wir den Firngrat, der zur östlichen Seite hin die bereits aus dem Tal zu allen Jahreszeiten hin sichtbare Wechte trägt. Quellwolken umzingeln uns, doch noch ist die Fernsicht bis ins Berner Oberland garantiert. Schauen, geniessen, Energiespeicher auffüllen.


Wir staunen nicht schlecht, als wir die Abseilpiste hinunterdüsen. Überdimensionierte Kettenstände und Podeste aus Metall zum feineren Stehen. Da werden 6mal Abseilen zum Kinderspiel. Dass die Moräne zum Schluss wieder mühsamer ist, kann den wunderbaren Tag auch nicht mehr trüben. Und bei einem Stück Zwetschgenkuchen im Tiefenbach-Hotel rundet sich die tolle Tagestour bestens ab, oder etwa nicht?

Trotzigplanggstock Wichelplanggstock Traverse

Genuss

 

Genuss in Form des gleichmässigen Höhersteigens

Genuss in Form des Spürens und Angreifens festen rauhen Felsens

Genuss in Form der landschaftlich umgebenden Idylle

Genuss, weil wir beide uns aufeinander verlassen können, auch am laufenden Seil.

 

 

Die Rundtour über den Südgrat des Trotzigplanggstockes mit Traverse zum Wichelplanggstock und Abstieg/Abseilen über die Südwestflanke erfüllte die Genusskriterien in vollem Umfang. Zwar wimmelt es anfangs an Südgrataspiranten, die Tour eignet sich bestens als Ausbildungstour und Einsteigertour, da mit Bohrhaken ausreichend bestückt, doch ab dem Gipfel des Trotzigplanggstockes kehrt augenblicklich Stille ein. Der Weiterweg über die Türme zum Wichelplanggstock ist nicht minder schön oder schlechter abgesichert, doch anscheinend trennt sich hier die Spreu vom Weizen.

 

Wir erturnen jeden Turm, seilen zweimal ab, die anderen Aufschwünge lassen sich griffreich abklettern. Der Föhn pfeift uns um die Ohren, doch noch bleibt die Föhnwalze ruhend am Sustenhorn hängen, aber für eine ausgiebige Gipfelrast ist uns das Wetter nicht wohlgesonnen, die Quellwolken ermahnen zum stetigen Arbeiten. Doch bei der Sustlihütte lassen auch wir uns endlich die ersehnte Pause schmecken, der Kuchen ist zwar bereits aus, doch Kaffee und Bier tun's auch und die letzten Sonnenstrahlen vor der Föhnwalze runden den genussreichen Tag vollends ab.

 

Zwar kein Geheimtipp der Trotzigplanggstockn (ca. 10 Seilschaften unterwegs), doch überholen lässt sichs überall und mit der Extension eine rundum empfehlenswerte Tour.

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Breithorn W-Gipfel Triftjigrat

Ein Déjà-vu Erlebnis

 

Ein Bilderbuchtag am Samstag beim Hüttenzustieg, welcher bequem mit den Zermatter Seilbahnen und einem 20-minütigem Marsch bewältigt wird. Die Breithorn Nordseite immer im Visier, rechterhand das markante Matterhorn, in der Ferne hinten links die weisse Monterosa-Gruppe. Beim Abendessen studieren wir den Anstiegsweg, welches wir auf der Sonnenterrasse serviert bekommen, was ein Logenplatz!

 

Die Wetterprognosen versprechen einen ebensolchen Traumtag für Sonntag. Wir machen noch Bekanntschaft mit 2 weiteren Seilschaften, die ebenfalls den Triftjigrat angehen wollen. 3 Uhr Frühstück wird ausgemacht. Die Bedingungen? Nunja, die einzige gestrige Seilschaft wurde ausgeflogen, Triebschnee hatte ihnen den Aufstieg vermiest. Ein kleines Schneebrett riss sie mit, Beinbruch, Heli. Tolle Prognosen...

 

Als wir um 4:15 Uhr starten trifft uns der Schlag, wolkenverhangen präsentieren sich die umliegenden Berge im diffusen Morgengrauenlicht und die Temperatur ist alles andere als kalt. Beim Abstieg auf den Gletscher hinter der Hütte kommen uns bereits zwei entgegen, sie verzichten auf die Tour, zu warm. Der Schnee auf dem Gletscher allerdings trägt, doch auch wir merken schnell, die Abstrahlung über Nacht hat nicht ausgereicht. Trotzdem wollen wir es versuchen, umdrehen können wir bis zum Triftjisattel noch immer.

 

Die andere Seilschaft, ebenfalls ein Pärchen, spurt bereits nicht allzu weit von uns entfernt hinüber, unter den bedrohlichen Seracs, Richtung Triftjisattel. Wir beeilen uns um die Verweildauer in dieser Eisschlagzone möglichst zu verkürzen, der Puls schnellt, so unakklimatisiert, gehörig in die Höhe. Natürlich kann man auch unter dem Eisbruch hindurch und somit weiter entfernt von den Seracs, mit einem langen Anstieg in der Flanke zum Triftjisattel kommen. Doch bei dem weichen Schnee keine Option. Die Flanke zum Triftjisattel stellt uns schliesslich auf die Probe. Wir brechen teilweise bis zur Hüfte ein, schei....se. Das Pärchen hat den Anstieg über die Begrenzungsfelsen gewählt, konditionell zwar weniger fordernd, dafür aber auch nicht schneller. 

 

Die Kräfte schwinden schon allmählich, dabei liegt gerade mal die Hälfte hinter uns. Die ständige Gefahr von Eisschlag macht die Sache nicht entspannter, ebenso wenig das leichte Graupeln und die immer tieferhängenden Wolken. Umdrehen? Der "point of no return" ist schneller erreicht als man denkt, die steilen Nassschneeflanken wieder absteigen? Die Seraczone ein zweites Mal passieren? No way, Flucht nach vorne. Aber genau diese Situation verleiht der Tour einen ernsthaften Charakter, wir sind angespannt.

 

Auf dem Triftjiplateau können wir den Weiteranstieg erahnen, dicke Wolkenschwaten verdecken den oberen Teil mit dem Gipfel. Dafür heben sich die Wolken wieder etwas, die Sonne blitzt hindurch. Und wieder die mächtigen Seracs vor der Nase, rein von der objektiven Gefahr her möchte ich die Tour bereits an diesem Punkt kein zweites Mal wiederholen.

 

Den Bergschrund passieren wir recht easy links, nicht rechts, wie es im Führer beschrieben ist und queren ansteigend in das breite Couloir. Die Verhältnisse sind auch hier alles andere als ideal, morsches Eis mit dünner Schneeauflage, wir müssen sichern, teilweise am laufenden Seil, dann wieder mit Standplätzen. Das kostet Zeit, die Wadln brennen, die Lungen prusten. Nach oben hin wird das Couloir felsdurchsetzt, eine dünne Eisauflage macht das Klettern spannend, doch die Felsen müssen eigentlich nie zum Klettern verwendet werden. Eine reine Eistour. 

 

Wir steigen rechterhand am oberen Ende aus dem Couloir aus, ein heftiger Wind begrüsst uns, dafür ist der Weiterweg zum Gipfel klar ersichtlich. Etwas Triebschnee, gemischt mit griessigem Schneegestapfe und wir erreichen erschöpft den unspektakulären Gipfel des Breithorns, zurück in der Zivilisation. 4000er-Aspiranten in Jeans und Goody-Rucksack erfreuen sich an ihrem ersten hohen Berg, wir erfreuen uns an der Autobahn, die uns easy hinunterführt zur Klein Matterhorn Bergstation.

 

Und hier schliesst sich der Kreis. Hatten wir so ein Erlebnis nicht schon einmal am Glockner mit der Mayerlrampe? Wo wir bei schönstem Wetter auf die Biwakschachtel sind und im Schneesturm zum Glocknergipfel trotz bester Wetterprognosen. Damals hatte sich eine einzige Schlechtwetterzelle am Glocknergipfel hartnäckig positioniert. Und ab der Adlersruh war wieder friedlich Sonnenschein und vom Gipfel hinunter natürlcih die Autobahn...

 

 

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Allalinhorn und Ulrichshorn

"Skyrun" Ulrichshorn

So stell ich mir Berggehen vor: ein kräftiges Frühstück, gemütlich mit der ersten Bahn um 8:45Uhr hinauffahren, dann in 1:50h zur Mischabelhütte in leichter Ausrüstung und schnellen Schrittes hinaufschnaufen. Energiespeicher auffüllen, umziehen, Steinböcke beobchten und dann weiter hinaufprusten bis zum Gletscherübertritt. Verschnaufpause, anseilen, Steigeisen montieren, etc., die nächste Etappe in Angriff nehmen. Mühsame Spurarbeit erschwert das flotte Vorankommen zum Windjoch bergan, oben dann wunderbare Aussicht ins Berner Oberland und die Gipfel rund um Saas Fee, 3:50h nach Aufbruch bei der Bergstation.

 

Die letzten Meter zum Gipfel über den schmalen Rücken sparen wir uns, eisig blank, zeitaufwändig, unlohnend. Die vorgezogene Gipfeljause schmeckt auch am Windjoch, welches seinem Namen heute keine Ehre macht, es ist 13 Uhr. Speedig gehts über den Gletscher zurück, zur Mischabelhütte, umziehen, ein letztes Mal rasten und Sonne geniessen. Dann flink wie die Gemsen über die anfangs versicherte Steiganlage zur Bergstation der Hannigbahn retour. 

 

Unser erster "skyrun" neigt sich dem Ende zu, über 1600Hm im Auf- wie im Abstieg machen unsere Beine schwer. Fachsimpeln über Materialoptimierung, in Träumen schwelgen, neue Tourenmöglichkeiten ausloten...Wir haben Blut geleckt...


Allalinhorn, Genussbergsteigen

Alleine auf dem Gipfel des vielbesuchten Allalinhorns zu stehen, das gibts nur im Oktober! Die easy 600Hm vom Skigebiet aus lassen uns heute trotzdem gehörig ins Schwitzen kommen, die Höhe fordert einen 1,5stündigen Einsatz. Dafür ein prächtiges 360Grad Bergpanorama zu unseren Füssen, so wie es sich für einen 4000er eben gehört. 

 

Lediglich 2 Stellen weisen momentan harte/blanke Stellen auf, ohne Steigeisen wären diese wohl auch zu bewältigen. Uns überkommt daher kurz der Gedanke, ein Skyrun am nächsten Tag zu versuchen, doch die umliegenden Touren verlocken doch zu sehr...


lustige Nager und Co...

Ausser Ausdauersport gabs noch wesentlich mehr in Saas Fee zu erleben.

  • Die zutraulichen Murmelixe bei der Spielbodenbahn zum Beispiel. Futter gibts um 4,50CHF im Restaurant oder einfach Nüsse bzw. Karotten mitnehmen, die mögen sie am liebsten.
  • Dann wartet bei der Allalinbergstation der grösste Eispalast. Viel kristallenes Eis darf dort bestaunt werden.
  • Wunderschöne Rastplätze gibts beim Bach und in lichtem Lärchenwald unterhalb der Gletschergrotte im Gebiet Gand bei der Gletschermoräne
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Monte Rosa Tour

Die liebe Höhe fordert ihren Tribut...ewige Stapfer...Eiseskälte...Sturmfahnen...schmale Firngrate...aber eben auch ein unbeschreibliches Panorama, welches über alle Strapazen hinwegsehen lässt.

 

Die "Spaghetti"-Tour führt quer durchs Monte Rosa Gebiet, angefangen bei der Bergstation Klein Matterhorn. Pollux und Castor Überschreitung leiten zur Cap. Quintino Sella. Die nächste Etappe bringt uns über die Himmelsleiter des Liskammes zur Cap. Gnifetti. Dann würde die Überschreitung der unzähligen kleinen 4000er am Wegesrand zum Ref. Margharita folgen, um am letzten Tag die Überschreitung der Dufourspitze hinunter zur Monterosa Hütte folgen.

 

Leider müssen wir aufgrund des sich verschlechternden Gesundheitszustandes von Harald die beiden letzten Etappen cancellen. Und anstatt vo Lisjoch aus noch die 1,5h hoch zur "Kopfwehschachtel" zu trotten, biegen wir nach links über den Grenzgletscher ab, ein nicht enden wollender Abstieg beginnt...Völlig erschöpft erreichen wir, die beiden Kranken, die Station Rotenboden um 17:30Uhr, um mit der Zahnradbahn nach Zermatt hinunterzufahren. Landschaftlich zwar vom Feinsten, aber die Abgeschiedenheit dort droben am Lisjoch haben wir völlig unterschätzt. Ein Abbruch der Monte-Rosa Tour bei Krankheit oder Verletzung erfordert ziemliches Auf-die-Zähne-Beissen, denn alle Rückwege sind laaaaang.

 

Dafür wird uns die Überschreitung des Liskammes noch lange in Erinnerung bleiben, bei starkem Nordwind mit Böen bis 80km/h ein eindrückliches Erlebnis. Und die schmalen Firngrate erst....schon sehr speziell! Und der Abstieg über den Grenzgletscher zur Station Rotenboden bietet eine Bergszenerie, die nicht prachtvoller und idealer sein könnte: zerklüftete Gletscher, der mächtige Liskamm stetig zur linken Seite, die formschönen Gipfel von Matterhorn, Dent Blanche, Obergabelhorn, Zinalrothorn und Weisshorn immer im Blick, bunte Gletscherschliffplatten am Wegesrand und zerfurchte Moränen runden das Panorama ab. Einfach nur unglaublich schön!

 

 

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Mönch über Nollen

Endlich, es ist Sommer, Hochtourenzeit! 

 

Das Nordwestbollwerk am Mönch ist bereits bei der Anfahrt nach Grindelwald deutlich zu sehen. Steil und abweisend präsentiert es sich aus der Ferne, eine Eisbarriere im oberen Drittel der Mönchnordseite. Seit geraumer Zeit schwirrt der Nollen in unseren Köpfen, allein schon des Namens wegen -Nollen- müssen wir das Teil in Angriff nehmen.

 

Bei strahlendem Sonnenschein geniessen wir (Lilian, Harry und ich) am Samstag Mittag den Aufstieg zur Guggihütte, Christoph wird erst am frühen Abend zu uns stossen. Wir haben Zeit, die 3 Stunden Zustieg können wir auf den ganzen Nachmittag verteilen. Oft bleiben wir stehen und staunen ob des überwältigenden Anblicks auf die Nordseiten von Mönch und Jungfrau. Riessige Eismassen, zerklüftet, steil und als Labyrinth angeordnet, schieben sich Richtung Tal. Rinnen, die sich verzweigen und in riessigen Flanken wieder enden, mächtige dunkle Felswände, die grosse Schatten auf die weissen Eisriessen werfen, es donnert und kracht ab und an, wenn wieder irgendwo ein Serac auseinanderbricht.

 

Je höher wir schreiten, desto kleiner werden die Zivilisationsobjekte auf den grünen Wiesen unterhalb der imposanten Fels- und Eisbastion. Wir lassen die Touristen an der grossen Scheidegg zurück und tauchen ein in eine karge Welt aus Grau und Weiss. Die Guggihütte bietet Unterkunft für 25 Personen, ein Hüttenwart ist nur an Wochenenden oben um die Bergsteiger beim Wasserschmelzen zu unterstützen, beim Tellerabwasch, etc. Gekocht werden muss selber, Getränke können gekauft werden. So heisst es heute für die 18 anwesenden Personen sich zu arrangieren, miteinander statt gegeneinander zu konkurrenzieren.

 

Doch so viel Andrang bei der Nollenroute heisst leider auch viel Eisschlag. Bereits beim Firnfeld unter dem Nollen trifft mich ein riessiger Brocken am linken Schienbein. Der Schock ist zunächst gross, dann folgen die Schmerzen und schliesslich folgt Taubheit. Ich möchte die Wunde erst gar nicht sehen, packe mein Rucksack und speede raus aus der Eisschlagfalllinie. Vor dem steilen 70Grad Aufschwung staut es sich. Wie Perlen aufgefädelt stehen wir in einer Reihe unter dem Nollen, suchen Schutz vor dem Eisschlag der voraussteigenden Seilschaften. Und wieder trift es jemanden, diesmal Lilian an der rechten Schulter.

 

Bei 2 Verletzten und einem weniger Eis-geübten Seilschaftsmitglied müssen wir eine neue Taktik kreieren. Harry steigt alsdann mit beiden Seilen als dritte Seilschaft in den Nollen hinein. Das spröde Eis bricht unter jedem Pickelschlag, kleine Schollen sprengt es heraus, bei 3 Vorsteigern im Nollen eine wahre Eisschlacht,...doch die drei schaffen es sich so zu arrangieren, dass sie weder sich noch uns wartenden Nachsteiger gefährden.

 

Christoph kämpft sich tapfer den steilen Wulst hinauf (seine erste Eiskletterei!) und verschwindet mit einem Mordstempo aus unserem Blickfeld. Wir 2 lädierten Mädels mit einer Weiche hinterher. Das Eis legt sich zurück, wir trennen uns und bilden die 2 ursprünglichen Seilschaften um gleichzeitig am Seil Meter zu machen. So langsam spüren wir die Höhe, die Anstrengung, die Wadln vom ewigen Stehen im Eis...

 

Dann zeigt sich uns die Gipfelflanke, ein mächtiges ebenmässiges Teil. In perfektem Trittfirn lässt sich diese Flanke wunderbar bewältigen. Pickel und Eisen ziehen kräftig bei jedem Schritt hinein und vermitteln so ein Gefühl von Sicherheit. Schätzungsweise 50Grad mit Stellen bis 55° weist diese auf und verlangt absolute Konzentration. Unsere Bewegungen werden immer langsamer, immer träger, es pocht das Blut im Herzen. Unakklimatisiert spüren wir nicht nur die Höhe, auch das schwere Gepäck und die erste Bergtour dieser Art für dieses Jahr. 20 Schritte, dann wieder einen Tritt schlagen zum Rasten. Durchatmen, bis der Puls sich beruhigt hat. Die Flanke zieht sich ungemein, wir haben diese völlig unterschätzt! Aber auch allen anderen ergeht es nicht besser, die Anstrengung ist an ihren Gesichtern abzulesen.

 

Dann endlich, der Gipfelgrat und das erste Sonnenlicht des Tages. Freudenausrufe und ein Grinsen über beide Ohren. Wir verlassen die schattige Nordseite und wandern gemächlich mit letzter Kraft den überwächteten Grat hinauf bis zum höchsten Punkt des Mönchs. Wahnsinn, was hat uns der Anstieg körperlich so gefordert! Technisch nicht wirklich schwierig, aber kräftezehrend! Die 1300 Höhenmeter sind fast durchwegs im Eis oder Firn zurückzulegen, nur der erste Anstieg auf das Mönchsplateau kann über Schuttbänder zurückgelegt werden.

 

Die Aussicht, was soll ich sagen, traumhaft! Vom Scheidegg Wetterhorn über Schreckhorn und Lauteraarhorn hinüber zur Finsteraarhornkette, den Fiescherhörnern, Trugberg vor uns, dann weiter rechts der Konkrdiaplatz und das Aletschhorn, Jungfrau, in der Ferne erblicken wir die 4000er der Walliser Alpen,...einfach überwältigend und daher die Mühen 100-prozentig Wert.

 

Wenn du mich nun nach meinem Fazit frägst:

Bergsteigen ist hart, härter als alles andere, härter als ein Ultratrail. Doch die Erlebnisse sind dafür umso tiefgründiger, langlebiger und reicher, dass man es immer wieder machen muss. Freue mich schon auf die nächste gemeinsame Tour liebe Lilian, lieber Christoph, lieber Harry!

 

 

 

 

und noch 4 Bilder von Christoph aus der Route:

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Obergabelhorn und Zinalrothorn, Walliser Alpen

Überschreitung Obergabelhorn via Arbengrat und NO-Grat/Wellenkuppe

Rothorngrat auf Zinalrothorn, Abstieg Normalweg Südwand

Genau 10 Jahre ist's her, dass ich im Herzstück der Walliser Alpen zugegen gewesen bin. Und fast hätte ich vergessen, wie prächtig die Berglandschaft dort ist. Doch nun, kurz entschlossen, nahmen wir die 7-stündige Autofahrt von Innsbruck nach Zermatt in Kauf. Bereits die Anreise gestaltete sich nervenaufreibend, vergassen wir doch vor dem Furkapass nochmals voll zu tanken. Mit dem letzten Tröpfchen rollten wir den Pass hinunter und in die erste Ortschaft, welche zum Glück eine (!) Zapfsäule parat hielt.

 

In Zermatt das große Erwachen, knapp 15 Fränkli sollte die Parkgarage in Täsch pro Tag kosten, doch nebenan gibts private Stellplatzvermieter. Parkhaus Schaller verlangt "nur" 5 SFR/Tag und für das Shuttle nach Zermatt hinein verlangte er "nur" 12SFR.

 

Amüsant das rege Treiben bereits am frühen Morgen in Zermatt. Japanische Touristen mit obligatorischem Fotoapparat bilden mit Bergsteigern aus aller Welt das Dorfbild, dazwischen die Elektrotaxis, Schicki-Micki-Läden und "Wegweiser" zum Chäse-Fondu. Wir genießen in dem Trubel erstmal unser Frühstück.

 

Danach schlendern wir durch den Ort in Richtung Zmutt, einem Mini-Dörfchen, idyllisch oberhalb von Zermatt gelegen in Richtung Schönbiehlhütte. Welche Dimensionen in den Westalpen, wir marschieren und marschieren, immer mit Blick aufs Matterhörnli, durch wunderbare Natur, fantastische Gletscher in Sichtweite. Dann schließlich, die Abzweigung hinauf zum Arbenbiwak. Steil schlängelt sich der Steig auf dem Moränengrat nach oben. Die letzten Steilstufen über ausgewaschene Gletscherschliffplatten werden mittels "Klettersteig" überwunden. Nach 5 Stunden stehen wir vorm Arbenbiwak, einer kleinen unbewarteten Hütte für 15 Personen. Für ein Biwak recht nobel mit Klohäuschen, Licht, fließend Wasser und Gas.

 

Insgesamt 15 Bergsteiger teilen sich in der Nacht das wohligwarme Hüttchen, allesamt Schweizer und 2 Österreicher, welche zum Teil auch den Arbengrat mit Überschreitung der Wellenkuppe hinunter zur Rothornhütte vorhaben und danach die Besteigung des Zinalrothorns über den Rothorngrat. Wir werden also die kommenden 2 Tage gemeinsam auf dem Weg sein.

 

Der Wecker klingelt bereits früh, die Gaskocher werden angeworfen, die Energiespeicher ein letztes Mal getankt. Um 5 Uhr starten wir noch in der Dunkelheit hinauf zum Einstieg des Arbengrates. Zunächst weisen Steinmandln den Weg, danach ist Schneestapfen angesagt. Eine brüchige Rampe leitet in leichter Kletterei hinauf auf den Grat. Es wird Tag und der herrlich feste Arbengrat liegt vor uns. Wir klettern immer gleichzeitig über kleine Türme, traversieren, nehmen den nächsten Aufschwung mit, balancieren über schmale Schneiden. So unakklimatisiert wie wir sind pocht mir das Herz in den Ohren, doch ich kann nicht aufhören, zu lässig ist die Kletterei am sehr grobkörnigen, teilweise mit kleinen Knubbeln übersähten Felsgrat.

 

Um 7:30Uhr stehen wir bereits auf dem Gipfel des Obelgabelhorns, die Sicht reicht vom Matterhorn über die Dent Blanche, das Zinalrothorn mit dem Rothorngrat und das Weisshorn im Hintergrund hinüber zur Mischabelgruppe, Monte Rosa, Liskamm und Breithorn. Einfach genial! Die Verhältnisse sind einfach bestens momentan, der Fels schneefrei, die Temperaturen im T-Shirt-Bereich, kein Wind.

 

 

 

Die anderen Seilschaften erreichen kurz nach uns den Gipfel, eine Bergführerpartie macht sich bereits für den Abmarsch über den NO-Grat bereit. Mit Steigeisen klettern wir zwar in festem Felsen, aber äußerst ausgesetzt den Normalweg hinunter, einige Steilstufen überwinden wir mittels abseilen. Es hängen viele Schlingen, welche kurze Abseilstrecken ermöglichen, denn die vielen Schuppen versprechen mächtig Reibung beim Abziehen und zahllose Möglichkeiten für Seilverhauer.

 

Schließlich erreichen wir den Firngrat, ausgesetzt mit Tiefblick in die steile Nordflanke des Obergabelhorns gehts konzentriert Schritt für Schritt hinunter. Teils stark überwechtet führen die Spuren zu einem Gendarmen in der der Verbindung zur Wellenkuppe. Nochmals ist leichtes Klettern angesagt, bevor Fixseile den Abstieg erleichtern. Ein letzter Gegenanstieg, die Wellenkuppe ist erreicht. Der Blick zurück zum Obergabelhorn zeigt schnell, warum der Abstieg so gefürchtet ist, ein wackliger Schritt und man liegt etliche hundert Meter tiefer auf der Nordseite...

 

Die Wellenkuppe bietet eine weitere Möglichkeit, sich schnell zu verabschieden. Brüchige Felsen oder besser gesagt Schotter zum Abklettern, das Auffinden des richtigen Weges stellt eine weitere Hürde dar, dazu einige Verhauer-Steinmandln und mal wieder Abseilen. Erschöpft erreichen wir den Sattel, welcher einen ab nun an einen gemütlicheren Abstieg verheißt. In guter Spur gehts über den Gletscher und durch den Gletscherbruch in großem Bogen zur Rothornhütte. Ständig fällt unser Blick zurück zur Wand der Wellenkuppe, wo lautes Donnern von den herabfallenden Gesteinsbrocken unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ein brutaler Bruchhaufen...

Die Rothornhütte ist eine klassische schweizer Westalpenunterkunft, saftige Preise, schmale Liegefläche, Klo draußen. Dafür wird die Herberge von 2 überaus netten Mädels geführt, die sich wirklich Mühe geben für das Wohl ihrer Gäste zu sorgen.

 

Bereits um 3:30Uhr wird geweckt, alle hasten zum Frühstück. Wir dehnen das Frühstücken etwas aus und starten als fast letzte Partie um 4:10Uhr, schließlich wollen wir den Grat nicht im Dunkeln klettern. Auch der Zustieg gestaltet sich im Finstern nicht als aller einfachst. Bis zum großen Schneefeld, welches auf die Schulter leitet geht unser Weg zwar gleich mit dem Normalweg, doch danach gibts keine Spuren von Vorgängern mehr. Wir sind auf uns alleine gestellt. Schließlich erreichen 3 weitere Seilschaften die Abzweigung, ein Bergführer mit seinem Gast weiß gekonnt den richtigen Durchschlupf über schuttige Bänder und echt übles Schuttgelände hinunter über Blankeis mit Schuttauflage ins Gletscherbecken.

 

Nun ists auch endlich hell, die Rampe hinauf zum Rothornjoch bereits leicht ausfindig zu machen. Der Bergschrund ist leicht zu überwinden, wir gewinnen rasch an Höhe. Am Joch angekommen, begrüßt uns ein eisiger Wind von der Westseite her, brrrr. Also geht's mit Handschuhen am zunächst flachen Grat entlang, die kleineren Aufschwünge werden direkt erklettert. Gewaltig liegt er vor uns, der wegen seiner hervorragenden Felsqualität viel gelobte Rothorngrat.

 

In der Taktik vom Vortag, gleichzeitiges Klettern, erklimmen wir rasch einen Aufschwung nach dem anderen. Teilweise sind recht steile Stellen dabei, ungewöhnlich für einen 4er, aber die alte Bewertung...wir modernen "Sportkletterer" sind halt nix gewöhnt:-). Ausgesetzte Querungen, eine griffige Schuppe jagt die nächste, die Felsqualität ist wirklich ausgezeichnet. Schließlich erreichen wir die Gabel, wo der Normalweg auf den Grat trifft. Der Charakter der Kletterei ändert sich ab hier schlagartig. Extrem abgegriffener Fels mit Steigeisenspuren weist den Weg. Dazu viele eingerichtete Köpfl, sogar einige Bohrhaken und Stifte. Genussklettern ist angesagt.

 

Schließlich ist das Gipfelkreuz nicht mehr weit, doch die letzten Meter ziehen sich, wir spüren gewaltig die Höhe und sind schlichtweg erschöpft. Um 10 Uhr stehen wir auf dem Zinalrothorn, zusammen mit einer Seilschaft, welche den Rothorngrat von der Montet-Hütte angegangen ist, kurz darauf treffen auch die 2 anderen Seilschaften ein. Jetzt wirds fast a bissl eng am kleinen Gipfel. Gemeinsam mit den 2 österreichischen Kollegen, welche wir bereits am Arbenbiwak angetroffen haben, beginnen wir den Abstieg.

 

Teils abkletternd, teils abseilend durch die Südwand (stark steinschlaggefährdet bei mehreren Seilschaften) gehts flink hinunter zum Band, welches hinüber zur Rippe leitet. Nochmaliges Abseilen, dann ist der Firngrat erreicht. Die "Stairway to heaven" führt zum großen Schneefeld mit fantastischem Matterhornblick, wo wir in der Früh abgezweigt sind. Der Weiterweg ist klar, ein letztes Mal konzentrieren beim Abklettern vom brüchigen Einstiegskamin, welcher auf den Gletscher führt. Ohne Steigeisen gehts knieschonend hinunter, dem letzten blanken Stück kann rechts (im Abstiegssinne) im steilen Schnee ausgewichen werden.

 

Müde aber zufrieden erreichen wir um 14Uhr die Rothornhütte und gönnen unseren Füßen eine Pause, der lange Abstieg ins Tal nach Zermatt steht uns ja noch bevor. Nach gut einer Stunde Rast, Energie- und Wasserspeicher auffüllen, brechen wir auf. Bye Bye Rothorn...

 

Das Berghotel Trifft liegt auf halber Strecke, wir nutzen die Gelegenheit und gönnen unseren malträtierten Fußsohlen eine weitere Rast. Ein hausgemachter Eistee und ein Ananascake versüßen die Pause und leeren den Geldbeutel. Ab dem Berghotel Trifft gehts steil bergab in die Schlucht, schöne Wanderung, aber wirklich genießen können wir die Landschaft heute nicht mehr. Nach 2600Hm in den Beinen erreichen wir Zermatt und sind froh, als wir uns entspannt auf die Rückbank des Taxidienstes fallen lassen können.

 

Auf der anschließenden Heimfahrt erleben wir noch einmal die volle Kraft der Natur: ein Wahnsinnsgewitter begleitet uns fast die gesamte Strecke von Visp bis nach Chur, wo wir schließlich hundsmüde auf der Autobahnraststätte die Augen schließen, morgen ist auch noch ein Tag...

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Piz Palü Ostpfeiler

Der östliche Nordpfeiler ist für mich der eleganteste der 3 imposanten Grate, welche die Nordseite des mächtigen Piz Palü gestalten. Dazwischen viel Eis und Schnee, rießige Eisblöcke, klaffende Spalten und das Dunkel der Felspfeiler. Nicht nur für das Bergsteigerauge ein fantastischer Anblick!

 

In einer Nacht und Nebel Aktion entschieden wir uns spät abends, am folgenden Tag den bereits lang gepflegten Wunsch des Ostpfeilers anzugehen. Um 5 saßen wir bereits im Auto, noch im Düsteren kurven wir rasant die Landstraße Richtung St. Moritz entlang. Um 8:30 Uhr geht die erste Bahn auf die Diavolezza hinauf, diese müssen wir unbedingt erwischen. Da in den frühen Morgenstunden kein Verkehr herrscht, erreichen wir schließlich den Ausgangspunkt mit 1 Stunde Zeitüberschuss. Gemütliches Frühstücken war angesagt.

 

33SFR kostet die Luftseilbahn Hin- und Retour, einfache Fahrt 24SFR, die letzte Gondel verlässt die Diavolezza um 17:30Uhr. Nach schnellem Überschlagen im Kopf, entschieden wir uns für eine einfache Fahrt, denn die letzte Gondel glaubten wir nicht mehr zu erwischen. Oben dann ein wahnsinns Anblick: Palü, Bernina, Morteratsch bei strahlendem Blau. Das letzte Mal, als ich in der Gegend war, sah ich nicht viel davon, Nebel am Bianco verhinderte sämtlichen Fernblick.

 

Mit uns noch 3 Bergsteiger, welche den Palü über den Normalweg im Visier hatten. Der Zustieg zum Gletscher erfolgt über den anfangs markierten Weg auf der Hinterseite des Piz Trovat ohne viel Höhengewinn/Verlust, später über Blockwerk und viel Schutt zum aperen Gletscher hinab (1/2h). Dieser kann noch für viele weitere Meter ohne Steigeisen bequem gequert werden, bis schließlich der Anseilplatz in Reichweite erscheint.

 

Der Cambrena-Eisbruch markiert den weiteren Anstieg. Gekonnt windet sich die breit ausgetretene Aufstiegsspur des Normalanstieges durch das enorme Spaltenlabyrinth. Dabei gibts einige fragile Spaltenbrücken zu überschreiten, manche Spalten können auch nur noch übersprungen werden. An einer Stelle, schon recht weit oben, müssen sicherlich 2m überwunden werden, das tiefe klaffende Schwarz machts nicht gerade leichter. Ein leichtes Herzflattern überkommt mich, als ich zum Sprung ansetze...

 

Nach dem Eisbruch besteht die Möglichkeit direkt nach rechts hinauszuqueren zum Pfeilereinstieg, allerdings zieren hier viele Querspalten den Weg, welche längs entlang gewandert nicht die beste Option für den Zustieg darstellen. Eingeschüchtert vom rießigen Eisbruch entscheiden wir uns den Normalweg noch über die nächste Stufe zu folgen und danach nach rechts leicht absteigend zum Einstieg zu folgen. Sicher die bessere Option!

 

Der Bergscgrund ist momentan noch leicht passierbar, die schuttbedeckten Einstiegsblöcke, welche auf den Grat leiten, scheusslich zu klettern. 3 Bohrhaken und 1 Standplatz erleichtern ungemein den Einstieg, wären aber sicherlich nicht nötig, da der Fels viele Sicherungsmöglichkeiten für mobile Sicherungen zulässt. Wir nehmen die Steigeisen von den Schuhen, verstauen Pickel und Stöcke, die Kletterausrüstung kommt an den Gurt: 6 alpine Express, 3 mittlere Friends und ein Keilset, dazu viele Schlingen.

 

Der Fels ist so griffig, so fest am Grat, wir rennen förmlich hinauf, bis das pochende Herz uns erinnert, einen Gang hinunter zu fahren. Unaklimatisiert schnaufen wir was die Lunge maximal hergibt. Camalots (vorallem die Größen 0.5-1) finden spielend leicht immer wieder einen perfekten Platz, dazu zahlreiche Köpfl. Wir klettern am laufenden Seil, nur die Materialübergabe an den zahlreichen ebenen Podestln lässt ein Verschnaufen zu.

 

Wir erreichen schließlich die Schlüsselpassage, ein steilerer, teils plattiger Aufschwung. 3 Schlaghaken, einer davon mit Schlinge, weisen den Weg und bieten ein gutes Gefühl, denn mit mobilen Sicherungsgeräten wäre hier gar nicht so viel zu machen. Eine super Schuppe leitet nach oben zu der Platte, welche mittels gleichgewichtsforderndem Mantler überwunden wird, danach ein kraftiger Aufsteher ums Eck und dann wiederum eine interessante Stelle mit einem Fingerriss. Mit dem bockigen Schuhwerk gar nicht so einfach, hab mal was von einem 5er gelesen, den kann ich vollends bestätigen...

 

Danach gehts gemütlich weiter, Gehgelände wechselt mit netten Kletterstellen, teilweise, besonders wenn man vom direkten Grat abkommt, wirds auch mal etwas brüchiger. Schließlich erreichen wir nach 2,5h den Firngrat, raus mit den Eisen und Pickel, nochmals Konzentration. Schritt für Schritt fährt das Metall in den harten Schnee, die Pumpe läuft auf Hochtouren, noch das letzte Steilstück und wir stehen um 14 Uhr auf dem Palü, als letzte Seilschaft des Tages. Viele Seilschaften sind uns ja schon am Morgen auf ihrem Abstiegsweg begegnet. Irgendwie komisch vom Gefühl her, aber bei diesen Verhältnissen ist auch ein später Auf- bzw. Abstieg zu tolerieren.

 

Der Abstieg folgt über den Normalweg, zunächst auf der Firnschneide, dann einem steileren Hang im Zick-Zack entlang auf den Sattel, nun heißts wieder anseilen und hoffen, dass die Spaltenbrücken auch noch die letzte Seilschaft des heutigen Tages tragen. Und wir haben Glück, einige Spaltensprünge kamen mir beim Abstieg zwar noch weiter vor, doch immer noch gut möglich mit einem beherzten Absprung. Um 16:30 Uhr ist die Bahn endlich in Sicht, meine Füße schmerzen. Hatten wir nicht nur 1 Fahrt gelöst? Schei...benkleister. Doch die Schweizer sind ja ein freundliches Volk, für den 9SFR Differenzaufpreis lassen sie uns mit der Gondel ins Tal gleiten. Wie fein, endlich mal niedersitzen.

 

 

Fazit: Eine meiner schönsten Hochtouren, war ganz entzückt vom herrlichen Felsgrat und dem imposanten Spaltengewirr Zu- und Abstieg. Wirklich sehr zu empfehlen und eben auch bei guten Verhältnissen als Geuss-Tagestour von Innsbruck aus zu bewältigen. Eigentlich verrückt!

 

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Patricia Schanne, MSc

Wanderleiterin SBV

Sportwissenschaftlerin

 

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