Dolomiten: 2. Sellaturm, Piz Ciavaces, Rodelheilspitze

Da unsere Wiener Freunde Alex und Martina auf Dolomitenkletterurlaub diese Woche waren, nutzen wir den Vorwand, unbedingt Dolomiten fahren zu müssen, um sie zu treffen:-)

 

 

Rodelheilspitze N-Wand, Triplano

Am Montag Nachmittag starteten wir einen 2. Versuch an der Rodelheilspitze, Route Triplano, welche wir vergangenes Jahr ohne Wandbild nicht ausfindig machen konnten. Diesmal gut gerüstet den Einstieg auf Anhieb gefunden. Doch die Tour gestaltete sich widerspenstiger als erwartet. Irgendwie psychisch, der Fels nicht von höchster Güte, mit vielen Flechten überzogen, die Bohrhaken miserabel platziert. Dann kam in der 3. Seillänge auch noch Sturm auf und der Regen nahte. Also abseilen. Wie so oft im Sturm, die Seile verheddern sich irgendwo bei einer Schuppe, fern ab der Abseilpiste, Bergeaction, Abseilpendler, aber das kennen wir ja schon. Also Nerven bewahren. Gerade beim Auto angekommen, der Regen bricht los, das nenne ich Timing!

Zur Route: Die 2. Seillänge ist recht anhaltend für den Schwierigkeitsgrad, teils auch weitere Abstände (im Durchschnitt ca. 5m), zum Stand hin ein echt unangenehmer Quergang, der es in sich hat. Die 3. Seillänge folgt recht ausgesetzt einer Kante mit schwieriger Einzelstelle. Leider sitzt der 2. Bohrhaken in dieser Länge irgendwo unerreichbar in der Ferne, so dass ein Grounder in den Stand bzw. auf das das Podest darunter gut möglich ist.

Fazit: Nicht zu empfehlen, gibt deutlich Besseres in den Dolomiten!

 

 

2. Sellaturm Nordseite, "Kasnapoff"

Endlich mal wieder eine Genusskletterei. Da die Wände allesamt sehr nass nach der langen Schlechtwetterperiode waren, entschieden wir uns heute für einen leichten Genussklassiker. Da ists halb so wild, wenn was nass ist, dachten wir uns. Niemand am Einstieg, ideal. Bei der Gedenktafel gehts los, immer leicht rechts Höhe gewinnend, den Begehungsspuren und Haken hinterher. Doch bereits die 2. Länge hatte es für einen 4er in sich. Leicht feuchte Griffe gepaart mit einem Hauch von Politur, kein Magnesia (wir sind ja in einem leichten Klassiker unterwegs:-)) und doch einer gewissen Steilheit, die mich eher an einén Hallen-4er erinnert, bedürfen sorgfältiger Fotbewegung. Doch schnell gewöhnen wir uns an den Fels, die Griffe sind durchwegs fest, die Stände fast durchgängig mit 2 Schlaghaken ausgestattet, teilweise auch 3 oder Sanduhr, und wir gewinnen schnell an Höhe. Recht weit oben dann wieder das Erwachen aus dem genüsslichen Höhersteigen, ein kleiner Überhang erfordert erneut kräftiges Anreißen für einen 4er! Danach folgt pure Freude: Sanduhren, wasserzerfressener Fels, der einen Henkel nach dem anderen hervorbringt. Leider viel zu bald stehen wir später auf dem Gipfel des 2. Sellaturmes, alleine. gegenüber die Scharen in der Vinatzer am 3. Sellaturm, wie Perlen verziehren sie das Gemäuer aus feinstem Dolomit.

Zur Tour: Sehr homogene, lohnende Genusskletterei, wobei für einen 4er nicht zu unterschätzen! Schöne anhaltende Kletterei in abgeklettertem und somit festem Gestein. Einige Verhauervarianten möglich, aber wer sich an die Begehungsspuren hält, sollte mit der Orientierung keine all zu großen Probleme haben. Stände in gutem Zustand, ein paar Schlingen für Köpfel oder Sanduhren, eine kleine Auswahl an Friends und Keilen langt zur Ergänzung der Haken.

 

 

 

Piz Ciavaces, "Priz"

Im neuen Kletterführer "alpine Sportklettereien nördliche Dolomiten" fanden wir die "Priz" am Ciavaces. Sie verläuft ca. 50m links der Roberta 83 über herrliche Platten im unteren Teil und über steileren Löchlifels im oberen.  Mit Bohrhaken sehr gut abgesichert, wobei die schweren Stellen nicht so leicht A0 geklettert werden können, sinnvolle Platzierung. Die 1. Seillänge ist noch etwas dreckig, doch weiße Griffe leiten über den "Vorbau" recht gut hinweg. Die 3. Seillänge ist fantastisch abwechslungsreich und anhaltend. Am Anfang knifflige Plattenquerung, danach henkeliges Dach und zum Schluss anhaltende Wandkletterei, einfach lässig lang. Die 4. Länge, Schlüsselseillänge, hat eine undankbar extrem kleingriffige Sequenz, zwar viele Bohrhaken, aber wer da nicht einigermaßen Fingerpower aufweist, erreicht unter Umständen den nächsten Stand nicht. Mich hats weniger interessiert und habe im Nachstieg einen Seilzugminiquergang hingelegt:-). Weitere nette Längen folgen bis auf ein Band. Von hier an ändert sich der Routencharakter schlagartig. Die Wand steilt sich auf, der Fels wird löchrig. Ich fürchte mich die kommende Länge hinauf, zwar nur 20m lang, aber die Löcher sind voll mit Wasser und Lehm, ein grausiges Gemisch! Bei jedem Zug sitzt mir die Angst im Nacken, unkontrolliert aus der Wand zu stürzen. Ein Sturz wäre zwar nicht gefährlich, die Abstände betragen ca. 4m, aber einfach ungut. Und dann leider das Aus für uns, die nächste Länge hat einen verletzungsträchtigen weiten Hakenabstand vom 2. zum 3. Und das bei Nässe und Lehm und immerhin 7a. Außerdem muss ein Griff ausgebrochen sein (Ausbruch ersichtlich), also noch schwerer! Wir seilten uns demnach ab, die letzte 5c Länge wird sicher nicht besser gewesen sein (Nässe). Abseilen sehr angenehm, da Stände mit Ringen ausgestattet und gerade übereinander.

Fazit: Schöne Route, gut möglich bei unsicherem Wetter, da bequemes Abseilen jederzeit möglich.

 

 

 

 

1. Sellaturm, "Trenkerverschneidung"

Da wir von der Priz früher zurückgekehrt als erwartet, starteten wir am Nachmittag noch schnell zur Trenkerverschneidung. Im Kletterführer gefürchtet als Mega-Speck-Partie, gestaltete sich die Verschneidung als wahre Genusskletterei. Die Stände sind mit im Trenkerstil angehauchten Ringhaken versehen, dazu stecken 2 Klebehaken an "moralischen" Stellen und zudem noch allerhand Hakenmaterial. Die Politur erweist sich als hautfreundliche "Felsart" nach griffig-henkeliger Art. Einfach nett zum Klettern! Achtung auf Steinschlag von den Seilschaften der Delenda Carthago. 5+ ist die Verschneidung sicher nicht, wenn die Kasnapoff nur 4+ war, also von der Kletterführerbeschreibung nicht verunsichern lassen und einsteigen, es lohnt sich, besonders als Zweittour am Nachmittag.

 

 

 

Piz Ciavaces Südwand, "Rossi/Tomasi"

Zum Abschluss der Dolomitenfahrt eine gemeinsame Tour mit unseren Wiener Freunden geklettert. Die Rossi/Tomasi sucht sich den leichtesten Weg durch die Südwand im linken Teil. Mit im "Trenker-Stil" ausgestatteten Standplätzen wiederum sehr genüsslich. Der Fels ist durchwegs abgeklettert und fest und von rundem, ausgewaschenem Charakter, also echt hautschonend. Interessanterweise scheinen die Italiener erst später in Touren zu starten, gibts in den Hotels und Pensionen vielleicht erst so spät frühstück? Wäre eine Theorie, jedenfalls haben wir die Tage beobachtet, dass die Scharen erst gegen 9, halb 10 anrücken, ob Micheluzzi, Rossi/Tomasi, Schubert, Vinatzer am 3. Sellaturm und Co. Wir standen jedenfalls mal wieder als erste Seilschaft am Einstieg. Fein. Zunächst fürhrt die Route mehr oder weniger in der Schlucht, doch bereits bei der 2. Seillänge verlässt man gleich rechterhand über einen Riss das düstere Ambiente. Die Route sucht sich immer den logischen Weg, entlang von Verschneidungen und Rissen, so dass bei Bedarf auch gut selbst abgesichert werden kann. Doch die meiste Zeit brauchts nur ein solides Höhersteigen und einhängen der Haken. Eine Seillänge sticht besonders hervor: Eine tolle Rissverschneidung von 40m! Da ist im 4er Gelände endlich Klettern angesagt. Danach folgen 2 Quergangsseillängen und zum Abschluss noch ein henkeliger Kamin. Der Abstieg über das Gamsband ist landschaftlich äußerst reizvoll, neue Drahtseilversicherungen erleichtern den Abstieg.

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Arco, Mandrea "Moana mon Amour" und Colodri Ost "Via Giovanni Sergantini"

Eine 5-Sterne Tour haben wir erwartet, als wir in die "Moana mon Amour" im Sektor Mandrea eingestiegen sind. Die Sonne brennt erbarmungslos, auch wenn angeblich kühlere Temperaturen gemeldet waren, in Arco ist mal wieder nix davon zu merken. Zum Glück setzt ein Lüftl ein, je höher wir steigen. Der Einstieg beginnt gleich mit der "Nataraj", eine lange Seillänge, bevor die "Moana" nach rechts abzweigt.

 

Mit dem Gedanken ans Freiklettern schließen wir bald ab. Die A0-Stellen sind schlichtweg unlohnend zum Probieren. Flechtiger Fels, kein Grifferl weiß, hier versucht nie wer sein Glück. Dazwischen viel leichtere Kletterei, irgendwie unhomogen. Weiter oben wartet dann auch noch 1 Seillänge A0, eine aalglatte Platte. Im Zickzack überwindet die Tour diese Länge. Ich frage mich nur ständig, wenn schon A0, warum nicht gleich senkrecht hinauf im Direttissima-Style? So quäle ich mich von Haken zu Haken und mache noch nicht mal Meter. Sinnlos.

 

Oben wartet zur Versöhnung nochmals eine nette Länge, aber nichts Herausragendes. Sind wir zu verwöhnt von den ganzen Dolomitentouren? Oder einfach nur enttäuscht, weil wir eine 5-Sterne Tour erwartet hätten, die Route aber lediglich die Auszeichnung mittelmäßig tragen dürfte?

 

Wir sind jedenfalls froh, als wir oben aussteigen und das ganze Gemüse hinter uns lassen. Der Hals brennt vor Durst, Regenschauer sind im Anmarsch. Den Abstieg bewältigen wir mit einer Leichtigkeit, wartet doch das versöhnende Eis beim Tarifa auf uns: Dark Chocolate und Nutella-Eis. Hmmmm.

 

 

 

Am kommenden Tag wollen wir schon zeitig in die Colodri-Ostwand einsteigen. Die schweißtreibende Hitze austricksen. Doch am frühen Morgen, als der Wecker uns unsanft aus unseren Träumen erwachen lässt, ein Tröpfeln auf der Zeltplane. Mist. Das war nicht angekündigt. Also nochmals umdrehen, Planänderung.

 

Früstücken beim Conti, shoppen, so wie sichs für Arco gehört und nicht im Morgengrauen in eine der stadtnahen Wände einsteigen, wäre ja zu untypisch gewesen. Schließlich raffen wir uns zsammen und starten um 11Uhr zur grandiosen "Giovanni Sergantini", welche mit einem Fisch am Einstieg gekennzeichnet ist. Am Vortag hatten wir bereits 2 Italiener in der 1. Seillänge beobachtet, die nicht gerade das beste Kletterbild abgaben. Es sollte also recht knackig losgehen. Auch von einem Freund wissen wir, dass wir uns auf anhaltende trickreiche Kletterei einstellen dürfen.

 

Doch was uns niemand verraten hat, nicht die Kletterei ist DAS Problem, sondern die obligatorische Absicherung. Die Haken sind zwar nah, doch als Kletterer mit Normalgröße unmöglich zum Einhängen. Das heißt, jedesmal 1-2 Züge mehr und dann erst von einem schlechten Griff klippen. Toll. Sehr sinnvoll. Nicht falsch verstehen, obligatorische Kletterei ist super, doch es macht ein Unterschied, wo der Bohrhaken gesetzt wurde. Wenn du auf einem feinen Absatz stehst, wo du klippen könntest ohne Probleme, der Bohrhaken aber erst oberhalb zu erreichen ist, dann wird die Sache nicht nur ungut, sondern gefährlich, denn wer möchte schon einen Grounder in einer Sportklettertour machen? bzw. in den Stand stürzen???

 

Dazu dann noch die extrem hohe Luftfeuchtigkeit, später Sonne, gepaart mit der obligatorischen Absicherung und den anhaltenden Schwierigkeiten. Diese Tour verlangte alles von uns ab! Nach der 6. Seillänge dann der Entschluss, wir seilen ab, die engen Schuhe, die unbedingt nötig sind für die vielen winzigen Tritte, ließen die Füße dermaßen schmerzen, dass jedes Ansteigen zur Qual wurde. Das Chalk ging uns beiden vom vielen Nachchalken ebenfalls aus, die Haut hatte bereits Löcher.

 

Doch, wir kommen wieder! Bei kühlen Temperaturen, mit der Einstellung, dass es hart zu klettern wird und mit viel Chalk! Eine super geniale Tour über erstklassigen Colodri-Fels: steile Wandkletterei an Leisten, Tropflöchern, aber auch Rissen mit lässigen Kletterbewegungen.

 

Zu erwähnen sei auch noch: Die Bewertung ist maßlos untertrieben! Von 6er und 7er Seillängen keine Spur und die vermeintlichen 8- Stellen entpuppen sich als anhaltende 20m "Stellen" eher im oberen 8. Grad. Dazu die obligatorischen Klettermeter. An den Begehungsspuren sieht man deutlich, dass die Tour unterschätzt wird. Die ersten beiden Längen sind noch gut gechalked, danach wirds weniger, besonders nach der dritten, schwersten Länge, die zum Umlenker hin die Schlüsselstelle 3m über dem letzten Bohrhaken an Mikroleisten hat!

 

Vielleicht lags auch nur an der schlauchenden Hitze, doch dass wir beide uns so getäuscht hatten? Die Tour ist schlichtweg sackschwer und nicht zu unterschätzen, ich bleibe dabei. Aber eine Perle!

 

 

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Sotto Vuoto am Colodri in Arco

Welch geniale Mehrseillängenkletterei versteckt sich da am Colodri! Immer steil, ausgesetzt und mit jeder Menge Sinter! Eine Perle über dem trubulenten Arco...

 

Ziemlich müde vom Vortag, die 14 Seillängen haben doch ihre Spuren hinterlassen (besonders an den Füßen!), beschließen wir es heute etwas gemütlicher anzugehen. 5 Seillängen mit überschaubarem Zu- und Abstieg, gerade recht. Doch die Kletterei beginnt alles andere als gemütlich, bereits die ersten 3 Haken lassen mich keuchen und schnaufen, das kann ja heiter werden.... Also starte ich nochmals neu hinein, dafür hängen bereits die 3 unliebsam zu klippenden Haken.

 

Die Sotto Vuoto war früher eine Technotour und wurde mittlerweile zum Freiklettern eingebohrt, was sie nochmals aufwertet. Die Linie ist einfach genial, fast durchwegs an überhängenden Verschneidungen sucht sich die Sotto Vuoto ihren Weg durch die stark überhängende Südwand des Colodri. Und das beste: Sinter! Wie gut, dass wir gerade in Kalymnos waren und unsere Sintertechnik auf Vordermann gebracht haben. Knieklemmer, spreizen, pressen und knübbeln ist angesagt, einfach genial.

 

Die Absicherung verlangt zwar beherztes Ansteigen, doch ist sie nie gefährlich oder weit. Außerdem wurden die Rostgurken belassen, so dass sie als willkommener Gruß für die strapazierte Moral dienlich sind. Die Stände sind zwar ungemütlich, dafür aber super eingerichtet, ein gemütlicher Gurt leistet hier gute Dienste um Weichteilquetschungen vorzubeugen und eingeschlafenen Haxn:-)

 

Ich bin sicher nicht zum letzten mal die Route geklettert, das nächste Mal heißts aber voll angreifen: à muerte! Wer steile Kletterei, Sinter und Verschneidungen liebt, der wird mit dieser Route seine wahrste Freude erleben. Nicht von der Bewertung einschüchtern lassen, 6c ist zwar obligatorisch, doch für 5 Seillängen sollte die überschüssige Kraft schon ausreichen...und hebt euch besonders noch etwas Kraft für die letzte Länge auf, der breite Riss nach dem Dach ist pumpiger als er scheint und ein Sturz endet im Leeren (Prusik nicht vergessen:-))

 

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28.12.2011-10.01.2012

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