Sportklettern in Leonidio

Ein zweites Kalymnos wurde über die Region rund um Leonidio ausgerufen, in jedem Klettermagazin ein Artikel mit verlockenden Beschreibungen und ansprechenden Fotos. Was ist nun dran am Hype um Leonidio? Harry und ich wollten der Sache auf den Grund gehen und uns eine eigene Meinung bilden, also Flieger nach Athen gebucht und auf ging es am 8.11.2014...



Gleich vorweg, die Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit der Griechen rund um Leonidio, sowie das schmackhafte Essen in den wenigen Restaurants überzeugte uns gewaltig. Dort fühlst du dich als Kletterer noch willkommen, Menschen winken freundlich am Strassenrand, Hupen und schenken dir frisch gepflückte Mandarinen und Orangen von den zu dieser Jahreszeit zahlreich tragenden Bäumen auf den Plantagen. Die Menschen zeigen Interesse an dir und deiner Herkunft, fragen wie du auf das kleine Nest Leonidio aufmerksam geworden bist, wie es dir gefällt. Mit wenigen Brocken Englisch, hauptsächlich mit Gestik und Mimik wird dir vermittelt, dass du erwünscht bist. Dazu eine kleine Anekdote: Ein knorriger alter Mann mit freundlichem Gesichtsausdruck steht vom Nachbarstisch auf, richtet seinen Finger auf Harry und frägt mit rauchiger Stimme: "You Tourist?". Ein Lächeln breitet sich aus, er zeigt auf sich, schlägt auf seine Brust: "Greek!". Wir sagen ihm, dass wir Klettern. Dann faselt er weiter in Griechisch, wir verstehen nur Bahnhof, aber an seiner Mimik und Gestik lässt es sich unschwer erkennen, dass er glücklich ist, dass wir hier sind.

Wir erhalten einen Gratis-Kletterführer von unserer Unterkunft "Akroktima", die vollends empfohlen werden kann. Kleine, gepflegte Steinhäuser mit Sonnenterrasse zum Frühstücken, kleiner Küche, Kamin, für 2-3 Personen, zwischen Leonidio und Plaka gelegen. Morgens um halb neun steht ein Korb frisch gefüllt mit Köstlichkeiten vor der Haustüre. Süsses, Salziges, Honig, Marmelade, Brot, Eier, Orangen, alles aus eigenem Anbau. Da darf das Frühstück ruhig mal länger ausfallen...

Leonidio ist klein und überschaubar, mit den wenigen Kletterern kommt man gleich ins Gespräch, wenn nicht schon am Felsen, dann spätestens beim Bier oder Frappé nach dem Klettern in der Bar "Red Rock". Familiär ist wohl der treffenste Ausdruck, was das Klettern in Leonidio beschreibt. Wir lernen Ernst und Evelyne aus Wien kennen, kommen in Kontakt mit einer Gruppe schweizer Burschen, treffen auf etliche bekannte Tiroler Gesichter und lernen schliesslich noch drei österreichische Originale mit viel Schmä kennen, mit denen wir am Fels, beim Après-Bier und beim allabendlichen Essengehen unseren Spass haben werden.

Und was ist nun mit dem Klettern, dem eigentlichen Grund unserer Reise? Ein heisses Thema...

Wir sind grossartige Routen geklettert und weniger grossartige. Manchmal ist es am Fels gelegen, manchmal an der Absicherung. Dass der ein oder andere Griff und Tritt noch ausbrechen kann, versteht sich von selbst bei der Neuheit der Routen. Der Fels ist leider nicht in allen Sektoren von bester Güte, viel Putzarbeit war und ist nötig, die zum Teil anscheinend den Kletterern selbst überlassen wurde. Nach dem Motto, die Routen werden sich schon von selbst ausräumen bei genügend hoher Bekletterungsfrequenz. Das macht allerdings keinen Spass und ist zudem auch noch sau gefährlich. Nach der Schönheitsbewertung im neu erschienenen Griechenlandführer sollte man sich demnach nicht richten. Diese scheint eher als Prognose, wenn denn die Route in 5 Jahren mal abgeklettert sein sollte.


Ein weiterer Negativpunkt ist die teilweise eher unprofessionelle Absicherung. Es mangelt zwar nirgends an Bolts, doch stecken diese in gewissen Routen und Sektoren einfach an sinnloser Stelle. Oder Sektoren wurden nur halbherzig erschlossen, wie in Elona, einem westseitig ausgerichteten Felsriegel aus 60m langen Sinterfahnen mit 2minütigem Zustieg. Leider reicht das Spektrum der Routen momentan nur von 7c aufwärts, dabei würden sich viele Sinter eignen für leichtere Routen, wenn denn ein Zwischenstand eingerichtet werden würde oder diese eigens eingebohrt würden. Die zahlreichen einzelnen Karabiner und Maillons in den wenigen Routen sprechen Bände...


Insgesamt gibt es noch recht wenig Angebot an Sektoren mit qualitativ hochwertigen Routen im mittleren Schwierigkeitsgrad, entweder die Sektoren sprechen nur die Hardmover an oder nur Genusskletterer. Daher wundert es nicht, dass sich im "Hot Rock" die "Massen" tummeln. "Twin Caves" überzeugt momentan wohl noch am ehesten mit einem Gebiet für ALLE, links flache, leichtere Routen, rechts Sintergepumpe in den höheren Schwierigkeitsgraden. "Elona" hat Potenzial, das bei weitem noch nicht ausgeschöpft wurde, ebenso "Cave of Pangia", dessen oberer Sektor ein Highlight werden könnte. Damit "Hada" wirklich salonfähig wird, bedarf es viel Putzarbeit, da der rötlich braune Fels eher brüchig ist. Doch auch dort warten noch Kinglines auf ihre Erschliessung und die Lage des Sektors in der Schlucht mit ostseitiger Ausrichtung macht ihn besonders attraktiv.


Leonidio ist sicherlich nicht mit Kalymnos zu vergleichen, der Hype wurde definitiv zu früh losgetreten. Wir hoffen sehr, dass das Potenzial von den kommenden Bohrtrupps erkannt wird, Sektoren professionell nach Standards erschlossen werden, Routen ordentlich gesäubert und teilweise bestehende Sektoren/Routen überarbeitet werden. Denn nur dann wird Leonidio am grossen Kletterfirnament erscheinen, der Bevölkerung sei es gegönnt und wir wünschen ihr es auch von Herzen, dass sich Leonidio etablieren wird als Kletterdestination. Vielleicht auch in Kombination mit Kyparissi, wenn die Strasse dorthin eröffnen wird. Doch die Zukunft entscheidet sich jetzt, wenn Meinungsbildner das neue Gebiet besuchen und darüber berichten. Die Erwartungen wurden durch den Vergleich mit Kalymnos extrem hoch gepusht...

Sektor "TWIN CAVES"

Sektor Balcony

Sektoren Adrspach Wall, Elona, Maison des Chèvres, Pangia

Sektor HADA

Sektor Hot Rock und Hospital

Der Sektor Limeri ist schattig, doch leider noch extrem scharf und auch sack-schwer. Balcony ebenfalls extrem scharf, da fühlt es sich bei den meisten Routen an, als ob es ein First Ascent wäre. Panorama eignet sich für sonnig-warme Tage, da schattig gelegen und etwas höher. Berliner Mauer/Kindergarten schaut eher unspektakulär aus, Red Rock fühlt sich an wie Tonerde, irgendwie ungut. 

Weitere Infos:

 

  • Restaurant: das Beste ist in Poulithra, gleich links nach dem Ortseingang, auch gut die Speisen in der Pizzeria in Leonidio (Ortsmitte), einfache traditionelle Küche und günstig im Metropolis
  • Treffpunkt der Kletterer: Café Red Rock (gratis Wlan)
  • Unterkunft: Hotel Hatzipanayiotis in Leonidio oder Appartments Agroktima Richtung Plaka
  • Kletterführer gibts überall vor Ort in den Restaurants, Unterkunft,...
  • Routentipps zwischen 6a und 7b+: Bonobo und Tsibouri ext. im Twin Caves, Troufa und Skylisia Apodrasi im HADA, Fuck 88 und Efharisto im Hospital, im Sektor Hot Rock ist fast alles gut, im Balcony Epistegasma, in der Adrspach Wall schöne kurze Routen
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Technoparty - Cheselenfluh

Wenn es um "Preis-Leistung" geht, steht die Cheselenfluh immer wieder hoch im Kurs bei uns. Der Preis für wirklich nette Klettermeter besteht aus angemessenen 45min Fahrtzeit, kostenlosem Parkplatz und 1h Zustieg. Besonders im Herbst verfärbt sich das Melchtal in wunderbare Rottöne und verleiht dem ohnehin stimmungsvollen Panorama an der Cheselen das I-Tüpfelchen. Die grauen Platten sind dann angenehm warm, aber mit super Grip, es darf im T-Shirt geklettert werden. Herrlich!


Die Technoparty startet im Meteorit-Sektor auf der linken Seite, Name ist angeschrieben und mit einem blauen Männlein versehen. Auch wenn einige brüchige Bänder den Kletterfluss trüben, überwiegt von Anfang an der positive Eindruck der Tour. Super Absicherung mit soliden Bolts und Kettenständen tragen ihriges zum Klettergenuss bei. Di typischen Schlitze und horizontalen Schichtungen der Cheselen bekommt man von Anfang an unter die Finger.


Insgesamt folgen immer wieder recht technisch fordernde Stellen, die auch mal anhaltender sein können, wie in der dritten Seillänge. Selbst die darauffolgende Verschneidung klettert sich anspruchsvoller als es der Schwierigkeitsgrad vermuten liesse. Jede Seillänge hat so ihre Tücken, was die Tour recht abwechslungsreich gestaltet. Und zum Ende hin gipfelt sie im grande Finale. Ein steiler Pfeiler, gespickt mit Chickenheads, sehr sehr geil und mit Abwerfgarantie...es sein denn, man glaubt daran, dass die Züge sich schon auflösen werden, und das tun sie! Also, keep going!!!


In 4mal abseilen komod zurück zum Wandfuss.


Team-Onsight, jawollo, der Winter kann kommen;-)

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Rätikon -  Rialto

Eigentlich sollte man die Föhnsturmprognose ernst nehmen, doch bei so viel gemeldetem Sonnenschein fällt es uns einfach schwer ihr Glauben zu schenken. Am Morgen spüren wir beim Hineinmarschieren ins wunderschöne Tal, wo am Ende der grüne Partnunsee schlummert, noch nicht so viel. Ein leichter Wind, könnte auch einfach die Thermik sein, wenn die Sonne die Felswände erwärmt und im Tal noch Schatten waltet.


Wir steigen noch im Schatten in die kompakten Platten der Rialto ein, die eher niedrigen Schwierigkeiten lassen ein flinkes Klettern zu, zum Glück. Doch auch in der Sonne, die unser Gemüt ab der dritten Seillänge erwärmt, reduzieren wir kaum das Tempo, der Wind hat bereits an Stärke zugelegt. Und mit jedem Meter Höhengewinn legt er nochmals einen Zahn zu. Mit der Faustregel 1 Seillänge = 10km/h Zugewinn nimmt die Route ihren Lauf. 


So muss Patagonien sein, schiesst es uns durch den Kopf, als uns wieder eine Böe die Seile waagerecht durch die Luft wirbelt. An einem einigermassen windgeschützten Plätzchen legen wir eine Rast ein, zu schön die Wasserrillenlandschaft um uns herum, um stur Seillänge für Seillänge abzuspulen. Das Snickers schmeckt besonders gut, der Wind zehrt gewaltig an der Substanz.


Auf dem letzten Abschnitt umwirbelt uns der Föhnsturm nun völlig, auf dem grauen Pfeiler, der die schwersten Seillängen der Tour beherbergt, sind wir ihm schutzlos ausgesetzt. Kaum zu glauben, aber uns fällt es schon schwer die Balance am Stand zu halten, geschweige denn in den kompakten Platten und wasserrillenartigen Strukturen, die Feingefühl und Gespür für die Bewegung erfordern. Wir krallen uns fest, schleichen, kleben am Fels. Kämpfen damit, dass wir nicht aus der Wand geworfen werden. 


Schliesslich sind wir froh, als das Ende naht. Auf allen Vieren robben wir über den leichten Grat hinauf zum grossen Steinplateau, wo endlich der Wind etwas nachlässt, da wir uns in der Abschottung befinden. Viel länger hätten wir uns dem Sturm nicht mehr widersetzen können...abenteuerlich.


Und dann auch noch mein unkontrollierter Abgang. Unachtsam, schwupps, rutscht mir der Fuss vom Tritt, mich drehts und schon sehe ich, wie ich frontal Richtung Tal stolpere, nach 5m gebremst durch den Hintern und die Hände. Schock, das ist mir noch nie passiert! Naja, nur eine blutende Schürfwunde an der Handinnenfläche und taube Finger, reichlich wenig für eine Brezn im flachen Gelände;-)

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Dauphiné und Dolomiten

Besuch zweier Kletterparadiese der besonderen Art

Das Erlebte aus fast 3 Wochen Kletterurlaub in Worte zu fassen, dazu bedarf es gerade tiefer Wühl-, Sortier- und Rekonstruierarbeit meiner Gehirnwindungen. Man gewinnt so viele Eindrücke: aus der Schönheit der unterschiedlichen Landschaften, aus dem Farbspiel der tieferstehenden Spätsommersonne, welche die Natur am Nachmittag mit langen Schatten und rötlichen Tönen umspannt. Eindrücke aus der Fernsicht in den Bergen, die nach Durchzug einer Kaltfront mit stabilem Hoch im Gepäck weiter als sonst ist und animiert die Gedanken schweifen zu lassen. Erlebnisse bilden sich aber auch durch die tiefen Erfahrungen mit der Exponiertheit beim Mehrseillängenklettern, beim Klettern an der Sturzgrenze, beim Überwinden der eigenen Ängste und Zweifel, beim Höhersteigen trotz saugender Tiefe im Rücken. Und natürlich zu guter Letzt durch das Miteinander, das gemeinsame Er- und Durchleben der Situationen.

 

Jeder Kletterurlaub ist anders, obwohl gewisse Elemente immer diegleichen sind. In den Dolomiten beherbergt uns wiedermal der Jägerhof in Kolfuschg und gibt uns die nötige Erholung und den Ausgleich zu den täglich wechselnden Erlebnissen beim Klettern. Ein Ruhepol, auf den Verlass ist, eine Konstante zum Abrunden des Erlebten, ein Ort der Behaglichkeit und Kraftschöpfung, an den man jeden Tag gerne zurückkehrt.

 

"Alltag" kehrt mit der Zeit ein, aber ein Alltag, der dich am Abend zufrieden und müde ins Bett schickt. Ohne Sorgen, ohne die Belange des Lebens da draussen hinter der Fassade des Kletterurlaubes. Totales Abschalten, eintauchen in die Gegenwart, aufgehen im Hier und Jetzt. Topos und Führer studieren, die Gedanken schwelgen im gerade Erlebten, Vorfreude auf das, was noch kommen wird, stellt sich ein. Mit dieser Freude und mit den müden Gliedern des Tages schläft man auf der Stelle ein und wacht erst am folgenden Tag zur gleichen Uhrzeit, fast auf die Minute, ohne Wecker auf. Motiviert, ausgeschlafen, erwartungsvoll ob der Dinge und Taten, die folgen werden. Ein einfaches Leben, aber ein glückliches, friedvolles und erfüllendes (er)Leben.

 

Mit gewissen Bergen, Routen oder auch Namen von Erstbegehern verbinde ich besondere Erlebnisse und Sehnsüchte, die mit der Wiederholung des daran Denkens und darüber Erzählen und Diskutieren verstärkt werden. Und so steht sie auf einmal da, die Meije, formschön und elegant. Eigentlich ein Klotz aus Fels und Eis, doch durch Taten und Erlebnisse von Menschen bekommt der Berg etwas lebendiges. Ich kann nicht oft genug hinschauen, scanne jeden Meter Berg, versuche kletterbare Linien ausfindig zu machen. Von Norden wie von Süden, eine markante Form, ein anziehender Berg.

 

Ähnlich beim Anblick der Nordwände der drei Zinnen. Sie werfen riessige Schatten auf die Steinwüste unterhalb, die wir gerade durchqueren. Gefesselt bleiben wir alle paar Meter stehen, schauen hinauf, sind überwältigt von der Steilheit und Dimension des gelben Gemäuers. Lediglich der schneidende Wind und die frostigen Temperaturen holen uns aus unseren Träumen aus Fels in die Realität zurück. Die Hasse-Brandler steht einmal mehr ganz oben auf der Wunschliste für nächsten Sommer.

 

Besonders im September, wenn in den Dolomiten langsam Ruhe einkehrt, die schatten Länger, die Luft klarer und die Farben prachtvoller werden, finden Erholungssuchende mit den Dolomiten ihr Paradies. In angenehm warmen Südwänden genussvolle Meter in abgekletterten Klassikern machen ohne Anstehen, wie z.B. am Ciavazes, einfach ein Traum. Selbst die Delagokante an den Vajolettürmen hatten wir zu Mittag für uns alleine. Eine Abschlusstour, wie sie im Bilderbuch stehen könnte. Stahlblauer Himmel, eine Sicht bis über den ganzen Alpenraum, toller Tiefblick und sonnengewärmter Fels hoch über der Steinwüste des Rosengartens. Wir saugen den Moment tief ein, vielleicht der letzte dieser Art für die Saison?

 

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Heisst auch anders ausgedrückt, wer nur in der Komfortzone pendelt lebt nicht wirklich. Die gelbe Mauer der kleinen Zinne beeindruckt Kletterer seit je her. Wenn wir uns zurück an die Begehung der "Perlen vor die Säue" vor 2 Jahren erinnern, dann stellt sich ein Gefühl ein, dass nach Grosstaten ruft. Die neue Kreation rechts davon, die "Prima Ballerina", sollte es sein. Doch bereits in der ersten Seillänge realisiere ich, dass die Performance für solch eine Tour momentan unzulänglich ist, Harry ergeht es in der zweiten Seillänge ebenso. Wir entscheiden uns abzuseilen und nebenan die "Perlen" nochmals zu probieren. Das gleiche Spiel. Nach der zweiten Länge seilen wir ab. Konfrontation mit der schlechteren eigenen Leistung, physisch wie psychisch. Doch Einsicht will gelernt werden und Niederlagen feuern im Endeffekt umso mehr die Motivation an. Auf den Lorbeeren ausruhen gibts eben nicht und auf 10 Hochzeiten gleichzeitig tanzen hat seinen Preis. Ein gelungener Tag in prachtvoller Umgebung. (Noch ein kleiner Tip: Einen informativen Bericht zur benachbarten "Ötzi trifft Yeti" findet sich im Bergzeit Magazin)

 

Und was das Erlebnis auch wieder aufgezeigt hat: die alpinen Sportklettereien darf man nicht unterschätzen. Um am eigenen körperlichen Kletterlimit in grossen Wänden trotz (weitentfernter) Bohrhaken leichtfüssig klettern zu können, dafür bedarf es gezielter Vorbereitung. Den Kopf frei zu haben, fokussiert auf die kommenden Klettersequenzen, unabhängig von der Sicherung darunter, das ist die Crux, an der es zu arbeiten gilt. Leichte, alpine Klassiker versüssen den Klettergenuss, alpine Sportklettereien hingegen sind Grenzgang und mental stark belastend, dafür stellt sich aber auch umso tiefere Genugtuung ein. "Ernst" definiert sich hier ganz neu.

 

 

Teil 1: Dauphiné


Klettereien am Col du Galibier, Unterkunft: gîte "le refuge du Lautaret"

  • Tour Termier Westwand: "Marmotta impazzita" und "feu sacré"
  • Rocher de la Mandette: "dolce vita"

Erholungstag:

sehr sonnige Wanderung von Chazelèt hinauf zum Plateau d'Emparie,

vorbei an zwei wunderbaren Bergseen mit Blick auf die Meije

Unterkunft: Hotel "le Faranchin" in Villar d'Arène


Übersiedlung nach la Bérarde in die Unterkunft "champ de pin"

Granitklettereien

Genusstour am Tête de la Maye: "la marre maye"

steile Granitklettereien am Paroi Rouge de Belliou: "Dièdres á gogo"

Teil 2: Dolomiten

 

Hotel Jägerhof in Kolfuschg als Stützpunkt

 

- Klettereien am Ciavazes bis zum Gamsband:

  • kleine Micheluzzi
  • Abramkante
  • Bergführerweg

- Klettereien am 1. Sellaturm Südwand

  • Ictarus 
  • The Bernard's neue Sportklettertour von 2013
  • Schober 

- kleiner Falzaregoturm: Comici

- Lagazuoi Trapez: M.Speziale

 

- kleine Zinne (jeweils nur die ersten 2 SL)

  • Perlen vor die Säue
  • Prima Ballerina 

- Rosengarten Vajoletturm: Delagokante

- Sportklettern in den Cinque Torri an der Südwand des Torre Grande

 

2 Trailruns

  • rund um die Zinnen und Paternkofel
  • Fanes-Rundtour mit Heiligkreuzkofel

Ciavazes Touren

Klettereien am 1.Sellaturm

Klettereien und Trails Zinnen

Trails Fanes

Delagokante im Rosengarten

Genussklettereien am Falzarego

Sportklettern Cinque Torri

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Hanibalturm Kassästurz und Fam Gni

Wo bleibt der Sommer? Am Furka hängts mal wieder, während in den nördlich angrenzenden Regionen heiter Sonnenschein waltet. Der Kühlschrankeffekt schlug heute jedenfalls dort oben zwischen den wilden Granitzacken und -türmen mächtig zu buche. Eine frische Bise, kein Sonnenschein, dafür noch Nässe in den Rissen morgens um 9.

 

Tolle Auftaktsituation für die plattige Startseillänge der rechtesten der Hanibaltouren, der Kassästurz. Früh zeigt sich, wo die Musik spielt. Mit 4 Bohrhaken in der ersten Seillänge sicher nicht übersichert, obligatorisch zu klettern ist das treffende Wort. Die feuchten Partien tragen auch nicht gerade zum souveränen Vorsteigen bei, das Geeiere beginnt. Dabei steigert sich die Tour laut Topo von unten bis oben, was zwar zutreffend für die Kraftanforderung, jedoch weniger für die psychische Komponente gilt. Die oberen 3 Seillängen sind optimal eingebohrt, sportklettertauglich, weiter unten eher ernsterer Natur. Die Spreu soll sich wohl schon frühzeitig vom weizen trennen...

 

Nach einer angenehmen Rast auf der Hanibank gehts zügig per Abseilfahrt zum Boden zurück, wir starten in die nächste Runde: Fam Gni, die linkerhand der Conquest of Paradise sich nach oben windet und mit einem fulminanten Finale gipfelt, dem Mega-Riss! Gutmütig mit Bohrhaken ausgestattet ist die Fam Gni dem Charakter der benachbarten Conquest ebenbürtig. Plaisirklettern á la Hanibalmanier. In drei langen Seillängen erreicht man den etwas aus der Reihe tanzenden Doppelriss, der knackig, aber bestens abgesichert auf die Hanibalbank leitet. Wir lassen das gute Stück heute aus, der Wind pfeift uns um die Ohren, gefühlte Minusgrade am Turm. Ausserdem sind die Arme leer, die Zehen brennen. Für einen Rotpunktversuch sicher nicht der richtige Augenblick. Wir kennen das Biest noch vom letzten Besuch....

 

 

 

 

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Pizzo del Prévat, NO-Kante

Ein Traum: die Landschaft, der Fels, die Linie. Pizzo del Prévat, ein spitzer Berg mit vielen Kanten und Graten aus feinstem Gneis, der sich da über den mäandrierenden Bächlein der Alpe Campolungo in die Höhe erhebt. Türkisfarben schillert der Campolungosee, je höher wir die griffige, sonnenbeschienene Kante erklimmen. Ein Genuss. Bohrhaken glänzen und leiten den Weg, wo nötig. Witzige Kletterstellen wechseln mit tollen Schuppen und kleinen Känntchen. Der Fels ist etwas glatt und recht rund, gewöhnungsbedürftig, doch die verschwenderische Griffigkeit des grün-weiss gesprenkelten Gesteins lässt das Kletterherz schnell höher schlagen. Eine perfekte Tour an einem traumhaften Tag in bester Begleitung!

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Klettern am Furka

Hanibalturm "Honeymoon"

 

Im Furkagebiet Klettern, dazu bedarf es meistens einer ordentlichen Portion Wetterglück. Diesmal wart uns der Wettergott hold, spendierte einen Tag mit zirkulierenden Wolkenschleiern, die geschickt die spitzen Granitzacken umhüllten um dann wieder ein Prachtexemplar zu enthüllen um den Fokus darauf zu lenken. Braun-rötliche Strukturen, gespickt mit vielzähligen Quarzbändern und -adern, dazu das Ambiente von Mordor, einer reichhaltigen Fantasiewelt bestehend aus glattgeschliffenen Granitplatten, Blockwüsten und lieblich kontrastbietenden grünen Vegetationszonen, weissen Gletschern, ein Blubbern und Plätschern des vielen Wassers und Grollen von kleinen Steinschlägen rund um die Einzugsgebiete von Sidelen- und Albert-Heim-Hütte.

 

Granit, der rauher nicht sein könnte, von der Sonne erwärmt, schmiegt sich an unsere Reibungssohlen. Kleine Dellen, winzige Leisten, die Einstiegsplatten der Honeymoon fordern den Kletterer mit einem Gefühl für Balance und Gewandtheit. Die zahlreich blinkenden Bohrhaken geben zumindest das nötige Vertrauen ins Eigenkönnen auf diesen ersten Metern. Später steilt sich der Fels auf, Schuppen, Risse, gewürzt mit Akten des Bewegungsgefühls. Pure Freude, Plaisir, mit dem krönenden Abschluss auf der Hanibank gemeinsam die lustvollen Seillängen Revue passieren zu lassen. Ein genialer Auftaktstag!

 

 

Göscheneralp

 

Meistens kommt es anders als man denkt...das stetige Prasseln von kleinen Regentropfen weckt uns bereits um 7 Uhr auf. Die Planänderung geschieht ganz von selbst, wir drehen uns um, dösen nochmals ein und gegen Mittag wecken uns sanfte Sonnenstrahlen aus dem Dilirium. Kleine Regenbäche rinnen noch über die grossen Plattenfluchten am Gandschijen, doch es scheint aufzureissen, zumindest kurzzeitig. Wir nutzen das Wetterfenster und erkunden die noch feuchte, aber bereits funkelnde Landschaft rund um die Göscheneralp. Ein feines Aussichtsplatzl läd zum Innehalten ein, wir bestaunen die markante Dammakette, den vorgelagerten, dunklen Moosstock, weiter rechts hinten die rötlich sich abhebende Moränenlandschaft, dann wieder das smaragdfarbene Blaugrün des Stausees. Die Nebelschleier setzen der bezaubernden Landschaft das I-Tüpfelchen auf. Einfach viel Natur...

Winterstock, 1. Turm "Mangolyto"

 

Zum Abschluss zeigte sich der Furka von seiner besten Seite, strahlend blauer Himmel zeichnete sich bereits im Morgengrauen ab. In der noch frischen Luft spazieren wir Richtung Albert-Heim-Hütte, wieder drängt sich uns die Fantasielandschaft Mordor auf. Moosiges Grün gepaart mit den verspielten, aber doch exakten Formen der Granitwände und -türme erinnern an eine urzeitliche Welt. Die belebenden Geräusche der Natur begleiten uns auf unserem langen Zustieg zum Winterstock. Da ein Brodeln, dort ein Gluckern, hier ein Rauschen, drüben ein Zischen. Wasser, viel Wasser. Und immer wieder überqueren wir kleine Bäche. Der Galenstock thront hinten im Talkessel mächtig über allen anderen Granitriesen, seine weissen Gletscherausläufer ziehen fast bis in den Talgrund hinunter. Zwei winzige Gestalten machen wir im oberen Anstiegsweg auf dem Gletscher nach dem Eisbruch aus. Sie können sicher auch diese natürliche Ruhe und Kraft spüren, die an diesem heutigen Tag von dem Gebiet ausgeht.

 

Eine grünliche Platte eröffnet abermals den Einstieg in eine Traumklettertour. Risse folgen, strukturiertere Platten mit Knubbeln und Leisten im Schlepptau. Die gute Absicherung macht auch bei dieser Tour das Fortbewegen zum Genuss, doch die Abgeschiedenheit lässt eine ganz besondere Stimmung heute aufkommen. Kleine Quellungen begleiten uns auf den 8 Seillängen zum 1. Turm des Winterstocks. Bombenfester Granit so weit das Auge reicht, grobkörnig mit extremer Rauigkeit. Jeder Griff und Tritt hält, nach oben hin schwenkt die Kletterei vom geneigten Wandcharakter in alpinere Gratkletterei. Steile Riss- und Verschneidungsaufschwünge wollen kraftvoll bewältigt werden, runde Risse erfordern ausgefinkelte Rampftelmanöver, Wind pfeipft uns ab und an um die Ohren. Und dann die finale Abschlusslänge, der Gipfel zu klein zum gemeinsamen darauf rasten. Ein Handschlag, zu einer Umarmung reicht der Platz nicht. Ein Gefühl von Freiheit, Erschöpfung, aber auch gemeinsamer Stärke und Freundschaft stellt sich ein, wir geniessen den Moment, bevor die lange Abseilfahrt uns wohlbehütet zu unseren Rucksäcken und nach weiteren 2 Stunden in die Zivilisation zurückbefördert, zum kühlen Bier, salzigen Chips und saftigen Oliven.

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Rothorn und Gastlosen

Auf zu neuen Ufern am Pfingstwochenende

Rothorn

Meistens kommt es anders als man denkt...Dieses Sprichwort schlug besonders hart am vergangenen Wochenende zu. Mit grossen Ambitionen und noch grösseren Rucksäcken fuhren wir ins Färmeltal um am Rothorn zwei der Kletterklassiker (Marque Jaune und Bon Baisier de siberie) anzugehen. Von netten Biwakplätzen auf Höhe der Alp Bluttlig war die Rede, von einem langen, wendenstockähnlichem Zustieg und bestem, steilen Fels. 

 

Das ruhige, abgeschiedene Tal mit seinen blühenden Wiesen entschädigte allemal für den schweisstreibenden Zustieg mit unseren Monsterrucksäcken. Was man nicht alles einpackt für eine lauschige Zeltnacht...Vom Parkplatz aus sah der Zustieg nicht sonderlich weit aus, was sich auch bestätigte. Wozu dann eigentlich die fette Sau am Rücken?!?! Entgegen unseren Erwartungen an schöne Biwakplätze konnten wir keinen einzigen ausfindig machen, kein Wasser und auch keine ebene Fläche. Also das Material erstmal hingeschmissen, Klettergurt angelegt, aufgeracked und Seile umgebunden und den ab der Alp Bluttlig weglosen Schrofenzustieg angegangen. Der Plan war nach der Kletterei zu entscheiden, wir wir weiterverfahren werden.

 

Kleine Steinmänner und Steigspuren wiesen den Weg zum Einstieg der Marque Jaune. Bereits die erste plattige Seillänge dämpfte unsere Kletterfreude, die Bewertung sehr hart, die Absicherung vorm Stand grenzwertig. Aber die zweite Bruchseillänge raubte mir fast die Nerven. Eigenartiger Fels. Am liebsten hätte ich bereits hier schon wieder abgeseilt, doch die nächste Seillänge schaute vielversprechender aus. Und tatsächlich, eine grenzgeniale Verschneidung, die viel Gleichgewichtsgefühl und Technik verlangte. Auch die vierte Länge überzeugte mit Rothorn typischem wasserzerfessenem Kalk. Doch dann, wieder ein Dämpfer. Die Schlüsselseillänge, ein Quergang. Für uns unkletterbar, weder im Vor- noch im Nachstieg. Eine A0-Orgie folgt. Danach windet sich die Route durch die Dächerlandschaft, irgendwie uninteressant, wir entscheiden hier nun endgültig abzuseilen. Da waren unsere Erwartungen an die Route wohl doch grösser...schade.

 

Die Wand der "Bon baisier de siberie" sah von weitem zwar vielversprechender aus, doch die Lust diese am nächsten Tag in Angriff zu nehmen war uns vergangen. Rückzug und Planänderung.

 

 

Trailrun Hundsrügg 

 

Ich erinnerte mich an die Gastlosen, wo ich vor vielen Jahren mal im Chalet du Soldat gearbeitet hatte, ein wunderbares Kletterparadies, schön schattig, toller Fels, liebliches Ambiente. Also auf dem Camping am Jaunpass noch spät abends eingecheckt, der bereits recht gut belegt war. Mit Kuhglockengebimmel in den Schlaf gewogen werden, wie fein, der Groll war schnell verflogen.

 

Ausschlafen, genüsslich in der Sonne frühstücken, noch auf einen Kaffee gehen, Urlaubsstimmung kommt auf. Wir packen unsere Traillaufrucksäcke, schnüren die Schuhe und los gehts, direkt vom Camping, zur schönsten Trailrunde seit langem. Die Sonne trocknet die Kehlen zwar rasch aus, doch bei diesem Panoramalauf über den Hundsrügg zur Rellerlistation will die Landschaft auch mal im Sitzen genossen werden. So entstehen aus der 17km Strecke bis nach Schönried etliche Intervalle, speedige Abschnitte, schweisstreibende Anstiege kurzer Dauer, immer auf Genusstrails, schön schmal, aber gut ausgetreten und softig federnder Wiesenuntergrund.

 

Eigentlich viel zu schnell erreichen wir die Rellerlibergstation, Trubel Heiterkeit, künstlicher Spielplatz, die Eigenheiten der modernen Gesellschaft kommen hier oben gut zur Geltung. Die Fussmaroden braten in der Sonne, lassen sich animieren vom künstlichen Ambiente zu überteuerten Preisen. Ein Pfingstsonntag in der "Natur". Dabei wartet bereits wenige Meter unterhalb schon wieder die richtige Natur, prächtige Almwiesenhänge, alte schattenspendende Bäume laden zum Picknick ein. Wenn auch diese Kulturlandschaft nicht wirklich natürlich ist, so ist sie doch in unserem Naturempfinden als echt zu betrachten. Oder empfindet der "moderne" Mensch die Zirkusattraktion oben bei der Bergstation mittlerweile als "Natur"?!? Also nur eine Verschiebung des Empfindens?

 

 

 

Klettern Gastlosen Nord

Zur Komplettierung unseres recht fusslastigen verlängerten Wochenendes ging es am Montag dann noch in die Gastlosen zum Klettern. Bereits vom Parkplatz am Sattel sieht man die steilen Felsspitzen über den Wiesen thronen. Doch noch trennt uns mal wieder ein schweisstreibender Zustieg vom hochgelobten Gastlosenkalk. Wie schwierig das Auffinden des Weges ohne GPS und Karte werden kann, durften wir gleich zu Beginn mal wieder spüren. In den Gastlosen sind die Wege nicht unbedingt parademässig markiert, den Abzweiger zum Col Oberberg haben wir natürlich verpasst.

 

An der Waldeckspitze dann reges Treiben, munteres Geplauder in französischer Sprache, drei Seillschaften bereits in unserer 3-Seillängenroute "Andrey Daniel Gedenkroute". Und dann der nächste Dämpfer, ich sitze bereits im ersten Bohrhaken, Tür auf, plumps. Versuch Nummer zwei und drei beschert dasselbe Ergebnis! Ist wohl nicht mein Tag. Im Nachstieg dann entpuppt sich die Stelle als harmlos, den Griff einfach falsch belastet...Drei tolle Seillängen, wenn nur nicht so viel Andrang wäre. Schöne Tropflochkletterei und eine fulminante Schlusslänge, Hallenstyle, aber verdammt hart für 6b+!

 

Wir wechseln zum Oberbergpass, wo der Schatten noch etwas länger weilt. Einige Hardmover nutzen die Gunst der Stunde und werkeln an der Bitman, wir geniessen unterdessen die geniale Lochkletterei der Libérez M. Roquefort. Idyllisch ists hier am Oberbergpass, grosse Felsbrocken liegen in der Landschaft, doch ums Eck lauert bereits die Gewitterfront. Rückzug ist angesagt und bevor die ersten Tropfen fallen erreichen wir wohlbehalten und glücklich über die drei schönen Tage unser Auto für die Heimreise.

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Kalymnos

Es gibt Orte, an denen sich der Mensch nicht nur wohl fühlt, sondern mehr noch, irgendwie eins mit der Materie wird. Kalymnos ist ein solcher Ort. Fast schon Heimat, obwohl wir erst zum dritten Mal die kleine felsige Insel in der Aegean Sea aufgesucht haben. Doch wie kommt es, dass ein solches Kleinod wie Kalymnos den Status der Kletterdestination Nr.1 weltweit erlangt hat?

 

Im Panorama Heft 3/2014, Nr.66 des DAV findet sich folgender Cartoon, der die Frage schon recht gut beleuchtet:

DAV Panorama, 3/2014, Nr.66

Natürlich trägt der Felsreichtum der Insel zum Beliebtheitsgrad entscheidend bei, doch andere Destinationen verfügen ebenfalls über tonnenweise senkrecht bis stark überhängende kletterbare Felsstrukturen erster Güte. Wir glauben des Rätsels Lösung einen Schritt näher gekommen zu sein.

 

Es sind die Menschen. Deine Freunde und Kollegen, mit denen du hier bist zum Klettern. Es sind die 1000 anderen Kletterer, die ebenfalls hier sind mit ihren Freunden und Bekannten. Es ist die Community, die selbst die Einheimischen miteinschliesst. Jeder ist glücklich und zufrieden, aufgeschlossen, es wird miteinander gelacht, über Routen und Kletterbewegungen diskutiert, eine einzige grosse Familie. Oder wo sonst findest du Geschäftseigentümer und Angestellte der unzähligen kleinen Restaurants, Bars und Supermärkte in Massouri, die dich nach einem Jahr der Abwesenheit fröhlich freundschaftlich mit Handschlag und Kuss begrüssen? Die dich nicht nur aus Anstand fragen, wie es dir geht, sondern ernsthaft daran interessiert sind?  

Der Mensch ist eben kein Einzelgänger, kein Einsiedler. Es gehört zu seinen Grundbedürfnissen, in der Gesellschaft aufgenommen und geschätzt zu werden. Die Klettercommunity auf Kalymnos bietet dies alles. Ein Zusammentreffen der unterschiedlichsten Nationen und Mentalitäten auf Zufriedenheit und Glückseligkeit stiftendem Boden.

 

An was wird man sich zurückerinnern nach all den Jahren? 

 

Bleiben werden nicht nur die Erinnerungen an die Fights an der Leistungsgrenze beim Klettern, wenn die Unterarme von Laktat geschwängert und die Lungen auf Hochtouren brustend kämpfen um den Durchstieg. Uns wird vornehmlich auch die schöne Zeit mit unseren Freunden und die es dort geworden sind in Erinnerung bleiben. Selten so gelacht, selten so abgeschalten, selten einfach nur so gelebt. Danke an all diejenigen, die diese 14 Tage so unvergesslich machten!

 

Der Bootstrip zur Sikati Cave, die schlichtweg von einem anderen Stern zu sein scheint. Nicht nur die Spinnenvielfalt in diesem Mikrokosmos, auch die Felsstrukturen und Geräuschskulisse scheint nicht von dieser Welt. Hans-Peters immer wieder verblüffenden "Warm-ups" und meisterlichen onsights. Die explodierenden Unterarme eines Ralfs nach einem "a muerte!"-Versuch. Die OÖ-Connection in Action ist sowieso immer erheiternd. Der Andreas, der das Wahrzeichen der Sikati Cave auf dem Gewissen hat. Und Monis zum Scheitern verurteilten Versuch Nr.2 des Langzeitprojekts Lolita (Gibts da nicht noch so ein Langzeitprojekt in der Grande Grotta Moni?)

 

Nicht zu vergessen auch das Boulderworldcup Finale aus Innsbruck, dass wir bei Kostas live mitverfolgen durften. Halb Tirol war an diesem Abend auf der Terrasse des Coffee Onsight/Sofrano mit Meerblick versammelt und fieberte gemeinsam dem beinahe Doppelsieg der österreichischen Athleten entgegen. 

 

 

Sikati Bootstrip

 

Auf Kalymnos wächst man über sich hinaus. Johanna bewies gleich dreimal, dass junge Mütter stärker als je zu vor klettern können. Harry, die Ethikkommission, verhalf nicht nur ihr, sondern auch Moni zu einem Durchstiegserlebnis der besonderen Art. Aber nicht nur als Chef der Ethikkommission, auch als Präparator wird Harry in die Analen unserer Kalymnosabenteuer eingehen. Mit dem Kugelbizeps der Grösse eines Kindskopfes lässt sich eben jede Expressschlinge einhängen, auch einarmig im No-Feet-Rest.

Unverhofft die Zweite: da düsten plötzlich Julia und Christian auf ihrem Roller am Nachmittag vorbei. Die Verblüffung war gross, die Freude um so grösser! Wiedersehen Nummer Drei: die Dutchies, diesmal war zwar nur der harte Kern der Truppe vertreten, doch dem Spass machte dieser Umstand keinen Abbruch. Pim riss gleich am ersten Klettertag in der ersten Kletterroute eine Megabreze, die mit Glück im Unglück treffend beschrieben werden kann. Ihm broch ein Sintergriff beim Einhängen der Umlenkung, die beim Aufprall am Fels zerbersteten Sinterstücke donnerten seinem Sicherungspartner und den anderen Kletterern am Wandfuss entgegen. Zum Glück wurde niemand getroffen!

 

island in the sun

Lange Rede, kurzer Sinn: Kalymnos bleibt die Kletterdestination Nr.1 und das Fleckchen Erde mit der höchsten Dichte an fröhlich-glücklichen Menschen. Keep Smiling:-)

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Finale Ligure - Sportklettern

Fast schon eine Bildungslücke im Klettersport - ich war bisher noch nicht in Finale klettern. Dabei ist das Gebiet teilweise älter als ich selbst, klassisches "old-school" Klettern an Rissen, Verschneidungen und über diffizile, wasserzerfressene Platten. Ein gewisser Hauch von Speck erleichtert zudem nicht gerade die ungewohnte Kletterei, zähle auch ich mich mittlerweile mehr zu den modernen "Gym Rates", die Überhänge und athletische Klettereien präferrieren.

 

Doch geschichtsträchtige Gebiete und Routen faszinieren mich je her, ich war somit gleich einverstanden, als der Vorschlag von Lilian kam dem schmuddeligen Wetter in der Schweiz zu entfliehen und Richtung Dolce Vita aufzubrechen. Bereits bei der Hinfahrt stieg der Cappucino-Konsum beträchtlich, was die folgenden Tage Gelati und Pizza kaum zu übertrumpfen vermochten.

 

Rocca di Corno, Placca di Mallecadutti und Superpanza, Bric Pianarella, Bric Scimargho, Placca Piotti, Monte Cucco mit dem Anfiteatro...klingende Namen mit hervorragendem Fels. Die Schwierigkeitsbewertung lässt man am besten aussen vor, das was gefällt, da muss man einsteigen. Denn im Endeffekt ist eine 6a Platte schon ordentlich hart zum klettern, eine kleingriffige 6c Wandkletterei kann einen schon zur Verzweiflung bringen und das 7a Testpiece wirft einen garantiert ab, nicht nur einmal! 

 

Bin gespannt, was das Fusstechnik- und Bewegungsgefühltrainingslager für Kalymnos gebracht hat...am Mittwoch gehts los!

 

Finale ist definitiv eine Kletterfahrt wert. Das Gesamtpaket mit unserer Unterkunft, die der Villa Kunterbunt glich, dem traumhaften Kalk, dem Blick aufs Meer beim Aufstehen, dem köstlichen Gelati, Cappucino und Co, den netten Kletterläden und der familiären Atmosphäre in Finalborgo machten den Mädelskurzkletterurlaub zu einem Erlebnis.

 

 

Bilder von Patricia und Lilian

 

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Sizilien, Sportklettern rund um San Vito lo Capo

Das Winterklettergebiet rund um San Vito lo Capo am Nordwestzipfel Siziliens war Ziel unserer 12-tägigen Entdeckungsreise. Wir hatten im Vorfeld viel vom Klettern in San Vito gehört, Gutes wie Schlechtes, doch am besten bildet man sich immer seine eigene Meinung, in dem man die Region und ihre Möglichkeiten mit den eigenen Sinnen erkundet.

 

Im Gepäck nur diesmal viel zu viele Badehosen, Flip-Flops und kurzärmelige Shirts. Woher sollten wir ahnen, dass Ende März Sizilien von Unwettern heimgesucht wird? Anhaltender Sturm für 1 Woche, immer wieder starker Regen oder Schauer und Temperaturen weit unter dem üblichen Badewetter liessen uns anfänglich zweifeln ob der richtigen Wahl des Kletterspots. Doch was einen nicht umbringt, macht einen nur härter und so zogen wir Tag für Tag ins nächste Klettergebiet. Eingepackt in Daune und Primaloft. 

 

Im Nachhinein ist man immer schlauer und so sind wir schlussendlich sogar froh um die Schlechtwetterwoche, die brachte nämlich perfekte Kletterbedingungen. Der Grip am Fels war fantastisch, selbst die Routen nahe am Meer schluzten nicht wie sonst üblich bei Windstille und 20 Grad. Wer vom Deep Water Soloing auf Mallorca den Fels kennt, weiss von was ich rede. Da gibts nämlich Tage, wo der 6b Henkel-Zustieg in Porto Cristo schlichtweg unmachbar ist, weil der Fels so humid ist und damit very slippery.

 

Überhaupt ist die Felsvielfalt in San Vito überragend. Da schlummern Grotten und steile Überhänge mit Sintern und Blobs übersäht, Ausdauer ist Trumpf, dann warten diffizile Wandklettereien an scharfkantigem, wasserzerfressenem Fels, dann wiederum rötlich-graue "Sea-Cliff" Routen mit ultrakraftigen Moves, wo man von Loch zu Loch an grossen Griffen dynamisiert, dazwischen eine glatte Wand ohne Reibung. Genusskletterer werden erstaunt sein, wie viele Möglichkeiten für sie geschaffen wurden, nix Bruchhaufen, wunderschöner Kalk in allen Farbtönen.

 

Auch wenn der Jubel ob der Klettermöglichkeiten gross, die Absicherung ist oft fragwürdig und kann keinesfalls mit der Professionalität in Geyikbayiri und Kalymnos mithalten. Hier wird sich in Zukunft die Klettercommunity Gedanken machen müssen, wie/wer die Sanierung von Routen übernimmt. Zum Beispiel die "Lost World", die Grande Grotta von San Vito. Warum wurden hier keine nichtrostenden Bohrhaken verwendet??? Schade um das traumhafte Stück Fels! Oder in der Grotta Cala Mancina, beim Sturz in der Crux der "Banana Biologica" fiel Harry kopfüber und schlug mit dem Kopf gegen den Fels. Der Bohrhaken sitzt extrem ungünstig unter dem Überhang, der nächste erst nach der Crux weit oberhalb und die Crux erfordert einen Hook. Einfach nur dämlich. Doch leider bildet die Route keine Ausnahme, wir haben zahllose Routen geklettert, wo die Bohr- und Klebehaken wahllos, anfängermässig, völlig unüberlegt gesetzt wurden. Wirklich Schade. Ganz zu schweigen von den self-made Haken und self-made Umlenkern, die es volle herbiegt!!! Ich fordere nicht nahe Hakenabstände, sondern das überlegte Setzen von genormten Haken. Die Crux darf ruhig obligatorisch zu klettern sein, doch bitte ungefährlich! 

 

Ein weiterer Negativpunkt liefert der Ort San Vito, Urlaubsfeeling kommt hier sicherlich nicht auf. Vor April sind fast alle Restaurants, Bars, Gelaterias, etc. geschlossen, sich mit einer einzigen geöffneten Touristenfalle am Abend zu begnügen ist weniger zufriedenstellend, da es doch so gutes Essen auf Sizilien gibt. Das Dolce Vita bleibt leider aussen vor.

 

Doch wer suchet, der findet. Das Ristaurante Alfredo, etwas versteckt gelegen, versöhnte uns mit typisch sizilianischer Kost und einem Besitzer (Alfredo), der aus seinem Leben als Schiffskoch jede Menge zu erzählen weiss, oder auch die Pizzeria in Macari, die exzellente Busiata zubereitet, dazu mit toller Aussicht aufs Meer. Dann die vielen netten Momente und Begegnungen, wenn wir unsere 3 Brocken Italienisch haben anbringen dürfen, von herzlichen, gastfreundliche Menschen umgeben. Oder die Rally Paris-Dakar mit dem kleinen Leihwagen in die Cala Mancina, wo uns kurzzeitig das Herz in die Hose rutschte, weil der Schlamm tiefer als vermutet war. Das entspannende, stets begleitende Rauschen des Meeres beim Klettern, die vielen "a muerte's!", der alltägliche Pump und Muskelkater vom Non-Stop-Klettern, das erste Baden im kühlen Meer, ...

 

Neue Gebiete zu entdecken ist einfach spannend und erlebnisreich. Wer von einer Reise zurückkommt und nichts erzählen kann, der hat etwas falsch gemacht, definitiv!

 

Routenempfehlungen

  • Ciciulo A.A., im Sektor Bunker
  • un mondo a parte, im Sektor Canalino
  • Gayordo, im Sektor Grotta della Palma
  • Rosso e Nero, im Sektor Pipeline
  • Soul Kitchen, im Sektor Cinema Paradiso
  • Enoteca Randazzo und long sleep, im Sektor Never Sleeping Wall
  • Banana Biologica, im Sektor Grotta Cala Mancina (Achtung Sturzgelände in Crux schei....)
  • Novantanonno und Troppo Duci, im Sektor Crown of Aragon

 

Viele weitere Routen haben uns begeistert, entweder wegen der Linie, dem schönen Fels oder dem Gesamtambiente. Lasst euch von der Bewertung nicht abschrecken, die meisten Touren sind eher hart für den Grad (zumindest zwischen 6a+ und 7a+), ein + dazu sollte man beim Einsteigen im Kopf bereits haben. Weiter oben bei der Skala scheinen einige Routen wieder zu passen bzw. überbewertet zu sein, da kursiert z.B. das Gerücht der leicht zu habenden sizilianischen 8a's....

weitere Infos

Wer rastet der rostet. Doch für ein Kletterbreak bietet sich z.B. der Zingaro-Naturpark an, tolle Landschaft und schöne Badebuchten. Mountainbikes können zum Erkunden der Gegend beim YMCA-Climbing-House ausgeliehen werden, ebenso gibts dort News zu neuen Routen bei einem gemütlichen Cappucino oder auch sonst viel Lesestoff, wenns mal regnet.

Als Unterkunft bietet sich das sehr sauebere und gepflegte Bed & Breakfast "Terra del Sole" in Makari an. Enza bereitet jeden Morgen ein ausgiebiges Frühstück mit Obstsalat, selbstgemachtem Kuchen, Croissants, Sandwiches etc. zu. Ausserdem liegt man nur wenige Autominuten vom Crown of Aragon, Salinella Sud, San Vito etc. entfernt, hat kein Parkplatzproblem und wohnt etwas ruhiger.

Als weitere Restaurantempfehlung zu den oben bereits erwähnten möchte ich noch das Sapori di Sicilia erwähnen, auch wenn es sehr touristisch ist, die Bedienung ist stets bemüht, die Pizza ist klasse. Und der Oberkellner einfach die Wucht, ein klassischer Gigolo, aber sehr sehr nett und zuvorkommend.

Neben an das Syrah muss auch recht gut sein, wir haben es aber nicht getestet.

 

Delphi und Cozzaro sind Touristenfallen, lieber einen grossen Bogen drum machen. Sonst war noch alles geschlossen bei uns.

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Tessin, Sportklettern Brontallo und Castellieri

Bereits das zweite Wochenende in Folge lockte uns das sonnig-warme Valle Maggia mit seinem perfekten Gneis zum Klettern. Um diese Jahreszeit liegt besonders Brontallo ganz hoch im Kurs. Das mit Abstand beste Gebiet weit und breit, jede Route ist eine wahre Perle und dazu die träumerische Aussicht, das Rauschen des Flusses aus dem Talgrund, die sonnige Lage...unser Lieblingsklettergarten! Der Fels ist mega-strukturiert und klettert sich eher wie Kalk, ein ziemlicher Gegensatz zum boulderlastigen Klettergarten Castellieri bei Ponte Brolla, wo wir am Vortag den ganzen Schmalz haben sitzen lassen. Doch die Abwechslung machts!

 

Ein rundum gelungenes Wochenende mit allem, was das Herz begehrt: Cappucino, Pizza, viel Gelächter, sonnig-warmer Fels, harte Moves und Pump ohne Ende, ein Wochenende mit lieben Menschen, danke Harry und Martin!

 

 

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trail-maniacs.ch

Trailrunning-Community und Skyrunning Verein im Raum Zürich

 

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Patricia Schanne, MSc

Wanderleiterin SBV

Sportwissenschaftlerin

 

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