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Bristen Südgrat

Der Bristen. Ein Berg wie aus dem Bilderbuch. Ein Kegel, freistehend und mit satten 2550m von Amsteg wahrlich ein Konditionsbolzen. Über den NW- sowie den NO-Grat (Normalweg) bin ich diesem Koloss bereits aufs Haupt gestiegen. Diesmal sollte es der einsame S-Grat sein, über den bisher noch recht wenig Information im Internet zu finden ist.

 

Wir starten in der Frische des Morgens um 6:15Uhr unten an der Strasse Bushaltestelle Gurtnellen/Fellital. Im Gepäck nur das Nötigste an Kletterausrüstung (ein 30m 6,9er Strick und 3 Bandschlingen sowie ein paar Karabiner und den Ultraleichtgurt), schliesslich wollen allein bis zur Pörtlilücke 1800Hm bewältigt werden. Die spärlichen Informationen zum Südgrat verheissen Kletterei bis III+ und teils brüchiger Fels, wobei das Chluserwändli die Schlüsselstelle darstellen soll. Auf einem Foto schaut dieses "Wändli" vielmehr einer Wand gleich, steil und brüchig. Wo soll da ein 3+ hindurch zu finden sein? Nunja, wir wollen der Sache auf den Grund gehen...

 

Zunächst müssen ein paar Meter auf der wenig einladenen Strasse zurückgelegt werden, allerdings gibts später dann eine steile Abkürzung nach Felliberg im Wald. Danach steigt der Wanderweg nur wenig an ins Fellital, feucht und kühl, immer mit dem Rauschen des nahen Fellibaches im Ohr, bis schliesslich nach einem weiteren Aufschwung die Treschhütte erreicht ist. Ab hier öffnet sich das Tal und ein weiter Talgrund mit Almbetrieb zeigt sich dem Wanderer. Wir zweigen kurz darauf links ab Richtung Pörtlilücke. Die Botanik hat auf diesem steilen Anstieg das Zepter übernommen, wie im Urwald kämpfen wir uns auf dem zugewucherten Steiglein nach oben. Der Tau auf den Blätterrn hat unsere Schuhe bereits nass durchtränkt, klebrig picken Pollen und Insekten auf unserer Haut. Wir sind froh, als wir endlich diesem Alpin-Dschungel entrinnen und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf hinter Pörtlistäfeli im Gesicht spüren. Pause ist angesagt.

 

Dort oben im Pörtli wartet nämlich eine kleine Oase, ein munter plätscherndes Bächlein umringt von Urgesteinsbrocken und Almrosen. Im Westen eröffnen sich dem Betrachter vergletscherte Urner Berge, es ist windstill, friedlich und einfach ein Platz zum Wohlfühlen und die Seele baumeln lassen. Die restlichen 500Hm zur Pörtlilücke sind rasch bewältigt, die Blicke werden immer wieder auf die tollen Felsen am Ruchen gezogen. 

 

Weglos, aber einfach steigen wir nordwärts über Blöcke hinauf, westlich vom P2816 erreichen wir schliesslich den Grat, von wo der gesamte Bristen Südgrat ersichtlich wird. Wow, da liegt ja noch ganz schön was vor uns und das Chluserwändli...beeindruckend und furchteinflössend steil...

 

Um auf den Südgrat zu gelangen müssen zunächst die vorgelagerten Aufschwünge un der Zwächten passiert werden. Diese sind leider allesamt sehr brüchig, morscher Fels, zerborstet und zersplittert. In der Tat alles andere als Genuss. Wir tasten uns vorsichtig weiter, umgehen einige Zacken und Aufschwünge in den Flanken bis wir schliesslich die Chluserlücke erreichen. Puhh, ein ziemlicher Akt bis hierher, nicht schwierig zum Klettern, maximal bis II, aber einfach unangenehm brüchig. Und dann steht da dieses Chluserwändli vor uns. Eine Wand, mein Auge sucht nach kletterbaren Linien, doch alle Linien schauen schwerer aus, wie für unser mitgeführtes Material vorgesehen. Umdrehen? Keine Option.

 

Je näher wir der Wand kommen, desto mehr entpuppen sich kletterbare Strukturen dem Fels und als wir direkt davor stehen finde ich tatsächlich eine Lösung, die einen Versuch wert ist. Wir schlüpfen also rasch in unser Klettergestell und packen das Seil aus. Ein Normalhaken befindet sich genau vor unserer Nase, den einzigsten, den ich im Wändli gefunden habe. Mittels einer Traverse von 20m gelange ich zu einer nach rechts ansteigenden, kurzen Verschneidung (vielleicht10m) mit losen Schuppen, über die wir hinaufklettern und uns rechtshaltend über eine zweite Verschneidung in leichteres Gelände retten. Gesichert an Köpfeln, die echt Mangelware sind in Anbetracht des wenig zuverlässigen Gesteins, klettern wir gemeinsam weiter am gestreckten Seil, bis wir den höchsten Punkt des Wändli erreichen und das Seil wieder verstauen können. Der eigentliche Südgrat des Bristen ist endlich erreicht. Was ein Zustieg! Die Schwierigkeit auf unserer gewählten Linie durchs Chluserwändli beträgt vermutlich in der Tat nicht mehr als 3+, allerdings ist das Gestein durchwegs unzuverlässig und solide Sicherungspunkte so gut wie nicht auffindbar. 

 

Der Weiterweg am Bristen Südgrat entpuppt sich dann als Genuss-Scrambler, mehr oder weniger immer der Gratkante entlang liegen schöne Blöcke, nette Kletterstellen und guter Fels. So macht das Spass. Von einem Türmchen zum nächsten, der vermeintliche Gipfel entpuppt sich abermals als Vorgipfel, aber das Balancieren und Turnen an dem farbenfrohen Gestein macht Freude und wir kommen gut voran. Lediglich die letzten Meter zum Bristen Gipfel mit Steinmann sind dann nochmals von der übelsten Gesteinsqualität, aber nach dem Chluserwändli und dem ganzen gekraxle davor stellt auch dieser Übergang uns nicht mehr vor eine grosse Herausforderung...

 

Wow, der Blick hinunter auf die Autobahn und den Vierwaldstätter See sind atemberaubend. Da sind wir hergekommen? Cool! Es ist 1Uhr mittags, Wolkenfetzen umwabern immer wieder die Ostseite des Bristen, ein schönes Schauspiel.

 

Den Normalweg hinunter zum Bristenseeli finden wir recht gut, Steinmännli und gute Trittspuren und Abnutzungen auf den Felsbrocken erleichtern die Orientierung. Dass die Bristenhütte bewartet ist und mit einem kühlen Citro oder einem gespritzten Apfelsaft aufwartet wertet unsere Überschreitung nochmals deutlich auf. Durst löschen und dabei nach oben zurück schauen, toll!

 

Die Direttissima hinab nach Amsteg fordert schliesslich noch Knie und Oberschenkel mächtig heraus. 2700Hm im Abstieg wollen auch in Turnschuhen erst mal bewältigt werden...wie gut, dass die Bäckerei in Amsteg feine Glacé und eisgekühlte Getränke bereithält und das Warten auf die Busfahrt versüsst...

 

Danke Andrea für deine Begleitung, ein grandioser Bergtag, den man als Gesamtpaket betrachten muss. Wer nur auf lässige Kletterei aus ist, wird am Bristen nicht fündig werden...

 

 

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Patricia Schanne, MSc

Wanderleiterin SBV

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